Man hört von außen nichts, obwohl acht Damen zusammen und die Türen der Scheune offen sind. Am Schlüchtseehof, idyllisch gelegen direkt am kleinen See, ist an diesem Tag die Schönheit das Thema Nummer eins. Die Scheune ist mit drei Liegen umfunktioniert zum Schönheitssalon. Drei Damen liegen flach, ihre Gesichter werden von den anderen wechselnd mit Creme massiert, heißen Tüchern betupft und mit grünen Masken belegt. Das Besondere daran: Trägersubstanz der Produkte ist Stutenmilch, die von eben diesem Schlüchtseehof stammt.
Viola Baack ist kaum zu bremsen, wenn es darum geht, die Stutenmilch als ideales Pflegemittel für die Haut zu preisen. Vor eineinhalb Jahren hat sie sich als Fachkosmetikerin selbständig gemacht. Sie arbeitet nur mit den Bioprodukten dieses Hofes, der vom Land Baden-Württemberg ausgezeichnet wurde als Demonstrationsbetrieb für ökologischen Landbau. Stutenmilch beinhalte genau das, „was die Haut zur Regeneration und zum Schutz braucht“, sagt sie. Die Inhaltsstoffe der Stutenmilch – Mineralien, Eiweiße und Enzyme zu Vitaminen – seien nahezu identisch mit denen der menschlichen Muttermilch. Fast logisch erscheint da die positive Wirkung für die Haut. „Besonders spannend finde ich, dass ich immer wieder Menschen helfen kann, die auf andere Produkte allergisch oder hypersensibel reagiert haben“, sagt sie. Zwar wohnt sie in Baden-Baden. Es sei aber weniger der Geldadel, der sie beanspruche. „Es sind eher die Naturmenschen, die zu mir kommen, aber wahre Schönheit kommt ja auch von innen“, sagt sie.
Cleopatra würde ihr sicher Recht geben. Sie ist übrigens auch Namenspatin für eine Bademilch, die der Hof anbietet. Auch die Damen, die dieses Seminar besuchen, sind überzeugt, die richtige Wahl getroffen zu haben. Melinda Elrich-Franck ist aus der Schweiz angereist und hat ihre fünf Jahre alte Tochter Lydia mitgebracht. Sie möchte die Produkte auf ihrem Bauernhof in der Schweiz verkaufen und sie vorher testen. Corinna Schwarz wird ihre Dienste als Kosmetikerin demnächst auf dem Schiesselhof in Rippoldsried anbieten. Die Wirtsleute dort, Herbert und Beate Eller, legen Wert auf heimische Produkte. Corinna Schwarz kommt das gerade recht: „Ich selbst habe immer Naturkosmetik benutzt und ich weiß, wie gut es den Pferden hier geht, das überzeugt mich.“
In der Tat grasen die Pferde des Schlüchtseehofes, während sich die Damen in der Scheune mit der Schönheit befassen, friedlich auf den großflächigen Weiden. Darunter sind auch zwei Fohlen, die auf Schritt und Tritt ihren Müttern folgen. Die Rasse Criollos hat sich der Pferdelandwirt Rudolf Bernhard als seine Paradesorte ausgesucht: Genügsame und intelligente Pferde seien sie, aus Südamerika stammend und ähnlich wie ihre nordamerikanischen Artgenossen, die Quarterhorses, bei Reitern sehr beliebt. Abnehmer für die Nachkommen der stutenmilchspendenden Bewohner des Schlüchtseehofs, der als Gestüt La Cimarrona heißt, gibt es also genug.
