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Görwihl Schwarzer Himmel überm Hotzenwald: Millionen Bergfinken in der Luft

29.12.2009
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Wenn sie einfliegen, verdunkelt sich der Himmel, so viele sind es: Ein riesiger Schwarm Bergfinken nächtigt seit einigen Tagen in einem abgelegenen Tal. Fachleute schätzen die Zahl der Vögel auf bis zu vier Millionen. "Das ist eine Sensation", sagt eine Feldornithologin aus Basel. Vogelkundler aus halb Europa beobachten das Phänomen.

Ein Mann geht übers Feld und erfreut sich der Stille, als eine dunkle Wolke geradewegs auf ihn zufliegt. Er denkt: Ist das der Weltuntergang? Aber nein, es ist ein Vogelschwarm, der in wenigen Sekunden über ihn hinweg zischt. Wie viele Vögel das sind, weiß er nicht, sehr viele jedenfalls. Dem Schwarm folgt ein weiterer Schwarm, dann noch einer und noch einer, es nimmt kein Ende. Die Schwärme fliegen in Formation, wie Wellen zwischen den Bäumen und Stromleitungen hindurch, sehr elegant und sehr schnell. Sie fliegen gegen einen eisigen Wind, aber die Kälte scheint ihnen nichts anzuhaben.

Es sind Bergfinken. Riesige Mengen kleine fiepende Bergfinken, Weiblein und Männlein durcheinander. Nicht tausende, sondern hunderttausende. Übertrieben? Von wegen, es kommt noch dicker. Herbert Brugger, Landwirt vom Nestorhof in Rotzingen, hat Neuigkeiten: Die Bergfinken übernachten im Lindauertal, „zu Millionen“, sagt er. Sie versammeln sich ab 16 Uhr. Eine Stunde lang fliegt ein Schwarm nach dem anderen in das Tal ein. Raffiniert ist die Vorgehensweise: Die ersten Schwärme beziehen im Norden Quartier, die nachfolgenden Schwärme nisten sich gegen Süden ein, bis das Tal rappelvoll ist. Auf jedem Ast sitzen Vögel. In der Morgendämmerung fliegen sie auf, machen sich auf die Suche nach Futter, und abends kehren sie wieder zurück. Tag für Tag, seit ein paar Wochen. Ohne Navigationsgerät und ohne Landkarte. Für Herbert Brugger steht fest: „Das ist ein Naturphänomen. Das gab es noch nie.“

Die ersten Auswärtigen, die davon erfahren, sind die Ornithologen (Vogelkundler). Sie kommen aus Tübingen, aus Braunschweig, aus Basel, Solothurn und dem Elsass angereist. Die Information entnahmen sie einer Internet-Plattform von Ornithologen. Sie harren in eisiger Kälte aus, staunen, sind fasziniert, obwohl sie schon einiges gesehen haben. „Aber das hier übertrifft alles“, sagt der Naturfotograf Dietmar Dill. Eine Feldornithologin aus Basel schätzt die Vogelpopulation auf zwei Millionen. Rudi Apel, Vorsitzender vom NABU Görwihl, geht von drei bis vier Millionen Vögeln aus. So genau weiß es niemand. Einig sind sich jedoch alle, weshalb die Vögel sich ausgerechnet das Lindauertal zum Schlafen ausgesucht haben: Es ist windgeschützt und hat einen ausgedehnten Tannenbestand. In den Tannen sind die Vögel vor der Kälte und vor ihren Feinden sicher. Die Feinde sind immer da: Sperber, Wanderfalken, bis zu 30 Stück, die auf geschwächte Finken aus sind. Klar ist auch, wieso die Finken heuer in derart großen Mengen erscheinen: wegen der Buchecker. Die Buchen sind voll davon. Auf der Suche nach den kleinen Nüssen bewegen sich die Vögel in einem Umkreis von bis zu 50 Kilometer täglich.

Das wahre Spektakel ereignet sich, wenn die Schwärme zum Übernachten anfliegen und tags darauf wieder abheben. Was dann geschieht, spottet jeder Beschreibung. Die Millionen Bergfinken verwandeln das sonst stille Tal in einen Hexenkessel. Sie piepsen und fiepen durcheinander, es ist ein Gerangel um die besten Plätze und der Lärm wird fast ohrenbetäubend, er klingt wie mehrere Wasserfälle zugleich. Die Menschen inmitten dieses Tohuwabohus sind fasziniert. Stehen mit offenen Mündern da, was aber nicht zu empfehlen ist, denn das kann wortwörtlich ins Auge gehen….

Bildergalerie im Internet:

www.suedkurier.de/bilder

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