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Görwihl Wenn die Prominenz gerne einfach isst

06.09.2012
Görwihl -  Der Maître und die Promis:Helmut Jehle serviert dem Außenminister mal nur ein Käsebrot. Gerhard Schröder wünscht Currywurst.

Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder mit Ministerpräsident Kurt Beck (vorne von links) und Helmut Jehle (stehend, mit dem Hilton-Koch).  Bild: Repro: Schütz

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Was speist ein weltgewandter Politiker, wenn er in einem noblen Hotel wie dem Mainzer Hilton absteigt? Nur vom Feinsten? Von wegen. Helmut Jehle, Maître d'Hotel im Ruhestand, hat da so manche Überraschung erlebt. Natürlich ließen sich die meisten Prominenten die exzellente Küche des Mainzer Hilton nicht entgehen.

Aber, das weiß Helmut Jehle aus nächster Beobachtung, „man kann ja nicht jeden Tag Gänseleber essen“. Das dachte sich offenbar auch Hans-Dietrich Genscher, von 1974 bis 1992 Bundesminister des Auswärtigen (auch: deutscher Außenminister). In dieser Funktion war er 1987 zu Gast beim „Ball des Sports“, also just am selben Abend, als Boris Becker zu spät zum Essen kam.

Genscher war zwar rechtzeitig erschienen, machte sich jedoch wenig aus dem feinen Menü, das die Köche des Hilton für die rund 2000 Ehrengäste und Sportler gezaubert hatten. Die Vorspeise nahm er zwar noch zu sich, aber das Hauptgericht mit Kalbstournedos „Escoffier“, Champignonduxelles gefüllt mit einer Portweinsauce, serviert mit Nadelbohnen und gratinierten Kartoffeln ließ er aus. Stattdessen wünschte er sich – ein Käsebrot. Helmut Jehle blieb, wie es sich für einen Maître d´Hotel gehört, „cool“ und orderte das Käsebrot per Funk in der Küche.

Was die über 80 Köche von dem einfachen Wunsch hielten, ist nicht überliefert. Aber das Käsebrot kam prompt. Ebenso professionell verhielt sich das Hilton-Team, als Helmut Kohl, von 1982 bis 1998 Bundeskanzler, an der After-Show-Party nach einem Ball des Sports, auf die angebotenen Austern und den Kaviar verzichtete.

Kohl, der Pfälzer, bestellte dafür einen Eintopf. Um Mitternacht. „Seitdem“, so Helmut Jehle, „gab es an jedem Ball mindestens fünf Eintöpfe“.

Als Helmut Kohl 1998 von Gerhard Schröder als Bundeskanzler abgelöst wurde, gab es auch bei den Mahlzeiten einen Wechsel. Helmut Jehle erinnert sich an einen Besuch Schröders anlässlich eines SPD-Parteitages in Mainz. Mit dabei: Kurt Beck, Ministerpräsident des Landes Rheinland-Pfalz. Schröder und Beck dinierten im Hilton, bedient von Helmut Jehle.
 

Schröders Currywurst


Zu dessen Überraschung bestellte Schröder, der eigentlich die Wahl zwischen den exklusivsten Mahlzeiten hatte, Currywurst. Jehle nahm die Bestellung „ganz locker auf“. So kam es, dass die Schröder-Ära auf die Kohl-Ära und somit die Currywurst auf die Eintopf-Ära folgte. Ex-Bundeskanzler Schröder jedenfalls hielt Jehle in guter Erinnerung. Als der gebürtige Oberwihler 1999 das 25. jährige Dienstjubiläum als Maître im Mainzer Hilton feierte, gratulierte ihm Schröder mit Händedruck.

 

Und die Könige und Königinnen? Auch die gaben sich gerne mal einfach. Helmut Jehle wusste nicht nur, welche Spezialitäten in der Küche gekocht wurden, sondern auch, welche edle Tropfen im Weinkeller lagerten. 1976 wurde er Sommelier (Weinfachmann), wusste also über den Keller im Hilton Bescheid. Gut so, denn einmal residierte das spanische Königshaus in dem Edelhotel. Jehle machte sich schon Gedanken, welcher Wein es denn sein könnte. Aber siehe da, die Schwester des spanischen Königs hatte einen ganz anderen Wunsch: ein Bier. „Da habe ich zuerst geschluckt“, sagt Helmut Jehle, „da steht man parat und dann das“. Die Lady erhielt natürlich trotzdem ihr Bier. Ganz locker serviert vom Maître.

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