Der Görwihler Pfarrer Jörg Lichtenberg und der katholische Kirchengemeinderat gehen in die Offensive: Weil es im Jugendraum der katholischen Landjugend Oberwihl mehrfach zu Übergriffen gegen ein junges Mädchen gekommen sein soll, gab Pfarrer Jörg Lichtenberg im gestrigen Gottesdienst eine Stellungnahme ab, die der Pfarrgemeinderat in der Sitzung letzte Woche gefasst hatte. In der Stellungnahme ist die Rede von Vergewaltigung, Körperverletzung und Sachbeschädigung im Oberwihler Jugendraum. Es gebe in diesem Zusammenhang mehrere Anzeigen gegen Nichtmitglieder der katholischen Jugend, so Pfarrer Lichtenberg.
Die mutmaßliche Vergewaltigung gegen das damals minderjährige Mädchen liegt bereits zwei Jahre zurück, in der Zwischenzeit sei es zu zwei Anzeigen gekommen, eine davon vor wenigen Wochen, sagte Lichtenberg auf Nachfrage unserer Zeitung. In Folge der neuerlichen, zweiten Anzeige sei es gewissermaßen als Vergeltung erneut zu Angriffen und Drohungen gegen das junge Mädchen gekommen, schildert der Pfarrer. Das Mädchen sei verprügelt worden und habe eine Gehirnerschütterung erlitten.
Ebenso seien Familienmitglieder bedroht und ein Auto sei beschädigt worden. Die Pfarrgemeinde habe von den Vorgängen im Oberwihler Jugendraum erst vor wenigen Wochen erfahren, bestätigten Lichtenberg und der Pfarrgemeinderatsvorsitzende Alfred Laffter unserer Zeitung. Die Pfarrgemeinde sei erschüttert gewesen, so Laffter. Die Sache müsse jetzt dringend aufgearbeitet werden, keinesfalls dürfe der Mantel des Schweigens darüber gelegt werden. Immerhin handle es sich beim Jugendraum Oberwihl um eine Räumlichkeit, die die katholische Kirche zur Verfügung gestellt habe.
Pfarrer Lichtenberg und Pfarrgemeinderatsvorsitzender Laffter machten deutlich, dass es sich bei den in Rede stehenden Vorwürfe nicht um Kavaliersdelikte handle, sondern um schwere kriminelle Handlungen. Deren Aufklärung sei jedoch nicht Sache der Kirchengemeinde. „Unser Anliegen ist es, Versöhnung, Dialog und Gemeinschaft zu stiften“, so Lichtenberg. Die rechtliche Seite müsse die Staatsantwaltschaft übernehmen, so Lichtenberg, der sich in diesem Zusammenhang wunderte, warum die Strafverfolgungsbehörden nicht schon früher effektiv tätig geworden seien. Er hofft jedoch, dass die Staatsanwaltschaft diesen Vorfall nun ernst nimmt.
