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Görwihl Bock auf Fasnacht

11.02.2012


Ziegen laufen morgen mit bei Narrenumzug – Halter muss Tiere vor Auftritt beruhigen

– Tiere sind an Fasnacht eher in Form von Kostümen anzutreffen – Menschen, die sich als Esel, Wildschwein oder Vogel verkleiden. Am internationalen Narrentreffen der Vereinigung Hochrheinischer Narrenzünfte morgen, Sonntag, in Murg gehen echte Tiere mit: Das Ziegengespann von Ludwig Bär nimmt am großen Umzug teil (Start: 13.11 Uhr). Bärs Ziegen sind umzugserfahren. Ihre Beteiligungsliste ist lang: Erntedankfeste im Hotzenwald, Herbstmarkt in Menzenschwand, historischer Festumzug in Rheinhausen, Kreistrachtenfest in Görwihl, Käsefestival in Bad Tölz, Heugeißfest in Ibach, Weidefest in Gersbach, Rosenfest in Nöggenschwiel, Winzerfest in Erzingen und so fort. Im Schnitt kommen sie auf etwa 20 Anlässe und Festumzüge pro Jahr. Wo etwas los ist, sind Ludwig Bär und seine Geißen also nicht weit weg. Vorausgesetzt, die Rahmenbedingungen stimmen. So muss ein Standplatz bei einer Wiese vorhanden sein, damit die Ziegen sich frei bewegen können. Umsonst ist Bär nicht dabei, „denn das ist ein Riesenaufwand.“ Nur fürs Geld macht er es trotzdem nicht, sondern aus Überzeugung. „Es gibt Leute, die behaupten, dass es nicht mit Ziegen funktioniert. Ich beweise das Gegenteil“, sagt der in Rotzingen lebende Ludwig Bär, 53, Maurer von Beruf. Mit einem weiteren Vorurteil räumt er auf: „Ziegen stinken nicht. Jedenfalls meine nicht.“

Der Transport der Tiere erfolgt in einem Pferdehänger, auch gefüttert müssen sie werden. Ab und zu wird Bär mit dem Vorwurf konfrontiert, die Ziegen seien nicht für Umzüge geeignet. Seine Antwort: „Sie machen es nur freiwillig. Man kann sie zu nichts zwingen. Wenn sie nicht wollen, wollen sie nicht.“ Was ihm schon mal passiert ist, in Freiburg, als das Gespann in einen kollektiven Streik trat. Aber: „In der Regel wollen sie.“ Hoffentlich auch morgen. Obwohl die Ziegen sicher nervös sein werden. „Das sind sie natürlich schon, wie wir Menschen auch“, weiß Bär. Deshalb muss er sie beruhigen, viel streicheln und mit ihnen reden. Was sie auch sind: „Wunderfitzig, sie wollen alles anschauen“, sagt Bär. Am liebsten würden sie natürlich fremde Gärten und Blumenbeete, satte Sträucher und leckere Rosenblüten anschauen und noch lieber fressen. Aber weil das Ärger geben könnte, muss Bär aufpassen. Klar ist: Er hat eine tiefe Beziehung zu seinen Ziegen. Deshalb sind sie nicht einfach nur irgendwelche Tiere, sondern haben Namen: Edeltraud, Sina, Moritz, Hanna, Lisa, Lippi. Somit ist auch klar, dass das bis zu zehn Ziegen umfassende Gespann vor allem aus Weibchen besteht – neben zwei kastrierten Böcken.

Die Kälte mache ihnen nichts aus, Hitze im Sommer auch nicht. „Ich kann das ganze Jahr an Umzüge, sogar im Schnee sind sie gut“, berichtet Bär. Immer etwas im Hintergrund, aber ebenso wichtig ist Roland Dannenberger aus Herrischried. „Er ist mein Helfer, ohne ihn geht gar nichts“, sagt Bär. Dannenberger packt beim Transport, bei der Fütterung mit an, geht an den Umzügen mit. Auch morgen ist er wieder dabei.

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