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Görwihl Bewegte Zeiten einer Kirchengemeinde

08.02.2012
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Paul Eisenbeis referierte über die Geschichte der Pfarrei St. Bartholomäus

Viele Kirchgänger hörten am Sonntag im renovierten Görwihler Pfarrheim den Vortrag von Paul Eisenbeis über die Geschichte der Pfarrei St. Bartholomäus Görwihl. Über die Historie der Pfarrei St. Gregorius Niederwihl wird Eisenbeis in einigen Wochen dort und nach Vollendung der Renovierungsarbeiten auch in Strittmatt einen Vortrag halten.

Die Geschichte der Pfarrei Görwihl begann mit den Freiherrn von Tiefenstein, die mit ihren Rodungssiedlern den Hotzenwald urbar machten. Die erste urkundliche Erwähnung verdankt Görwihl der Verarmung derer von Tiefenstein im 13. Jahrhundert. Ein Görwihler Vikar war 1241 Zeuge bei einem Landverkauf an das Kloster St. Blasien.

Görwihl war eine große Pfarrei. Der dortige „Leutpriester“ hatte 1274 im Dekanat Waldshut die größte Kreuzzugssteuersumme zu entrichten. Am Ende des 30-jährigen Krieges 1648 wurde die Pfarrei verkleinert. Bis dahin hatten Lindau und die Höfe links der Wehra in Todtmoos auch zu Görwihl gehört. 1695 wurde die Pfarrei Herrischried gegründet. An sie gingen von Görwihl Hogschür, die Lochmatt, Giersbach, Herrischwand und Wehrhalden. Nach dem ersten Weltkrieg schließlich wurde die Pfarrkuratie Strittmatt gegründet, an die neben Strittmatt Segeten, Engelschwand und die Hetzlemühle mit der benachbarten Säge gingen. Eisenbeis fügte die Anekdote an, bei einer Osterbeichte vor 80 Jahren habe ein Schuhmacher plötzlich aufgehört zu sprechen und auf Nachfrage erklärt, die andere Hälfte werde er in Strittmatt beichten, derjenige, der dort die Beichte abnehme, sei auch sein Kunde.

Die Kirche von Görwihl ist wie viele andere auch geostet, sie hat aber die Besonderheit, dass alle Gräber bis heute in Richtung Heiliges Land zeigen. 1554 wurde der Kirchturm neu gebaut, 1751 wurde das Kirchenschiff erweitert. 1831 schlug der Blitz in den Kirchturm, die Barockkirche selbst konnte gerettet werden. Sie brannte vollkommen ab, als bei Schweißarbeiten 1835 heiße Kohlen auf das Dach fielen. In dieser Zeit umfasste die Kirchengemeinde 3897 Seelen, Ende 2011 zählte dasselbe Gebiet noch 1993 Katholiken.

Eisenbeis nannte Petrus Adenauer, der 1482 als erster Pfarrer von der Äbtissin des Stiftes in Bad Säckingen vorgeschlagen wurde. Das adlige Stift behielt sein Vorschlagsrecht bis 1806, danach ging es bis 1918 an den (evangelischen) Großherzog von Baden über. Um 1600 baute Martin Hug das Pfarrhaus neu auf seinem heutigen Platz, Johann Fidel Grieshaber, der bereits mit 36 Jahren starb, war der letzte Pfarrer, der in der Kirche vor dem Hochaltar beerdigt wurde. Der Kirchenpatron Bartholomäus ist mit seinem Kirchenfest am 24. August schon früh bezeugt. In der Monstranz, die aus der Zeit um 1750 stammt, sind zwei Brustbilder in Silber eingearbeitet, die Bartholomäus und Martin darstellen. Der zweite Patron mit seinem Feiertag am 11. November markierte früher das Ende des Bauernjahres.

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