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Eggingen Jagd-Irrtum: Schweizer Jäger erschießt Pferd statt Wildschwein

Jagd-Irrtum bei Eggingen stößt auf Unverständnis. Schweizer als Gast nachts alleine auf dem Hochsitz. Ermittlungsverfahren durch Staatsanwaltschaft.

Ein Schweizer Jäger hat am Montag bei Eggingen aus Versehen ein Pony erschossen. Er saß spätabends alleine als Gastjäger auf einem Hochsitz und hielt ein schwarzes Isländerpony in etwa 200 Metern Entfernung für ein Wildschwein. Das Tier stand auf der Weide eines Pferdehofes, deren Besitzerin der Jäger noch in der Nacht verständigte.

Der Vorfall wird auch in Blumberger Jägerkreisen diskutiert, weil hier viele Schweizer Gastjäger sowie auch Pächter in Aktion sind, um das in Deutschland freizügigere Jagdrecht auszunutzen, sprich, um mehr Wild schießen zu können.

Die Ermittlungen der Waldshuter Polizei gestalten sich schwierig. Für Kreisjägermeister Manfred Rünzi aus Niederwihl ist der Fall klar: „So etwas darf nicht passieren, es wäre angebracht, dass der Mann seinen Jagdschein abgibt!“

Der Schweizer Jäger soll Gast eines einheimischen Jagdpächters gewesen sein, bei seinem fatalen Schuss aber alleine auf dem Hochsitz gesessen haben. Laut Polizeisprecher Paul Wißler werden derzeit strafrechtliche Ermittlungen gegen den Mann geführt. Noch unklar sei allerdings, ob es sich bei dem kapitalen Fehlschuss um einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz oder gegen das Jagdgesetz – oder beides – handelt. Das getötete Pferd hatte einen Wert von 8000 Euro, der Schütze soll Schadenersatz geleistet haben.

Viel zu große Distanz

Dass der 48-jährige Schweizer Gastjäger überhaupt mit Gewehr und Munition in den Landkreis Waldkreis eingereist ist, sei kein Verstoß, sofern der Schweizer im Besitz eines europäischen Feuerwaffen-Passes sei, so der Polizeisprecher.Manfred Rünzi ist seit 24 Jahren Kreisjägermeister. Eine derartige Fehlleistung eines ausgebildeten Waidmannes sei ihm allerdings noch nicht untergekommen, so seine Aussage gegenüber unserer Zeitung.Schon der Umstand, dass der Schweizer aus 200 Meter Entfernung auf das Tier geschossen hat, stößt bei ihm auf völliges Unverständnis: „Auf diese Distanz auf Wild zu schießen, würde ich mir nicht einmal bei Tag zutrauen!“ Üblicherweise werde Wild bei guten Lichtverhältnissen aus höchstens 100 Metern Entfernung aufs Korn genommen, erklärte der Kreisjägermeister.Für seriöse Jäger ist es das erste Gebot, vom Hochsitz aus nur dann auf ein Tier zu schießen, wenn es mit hundertprozentiger Sicherheit indentifiziert ist. Dass der Schweizer diese Sorgfalt vor seinem Schuss hat walten lassen, darf bezweifelt werden. Auch deshalb kommt Manfred Rünzi zu dem Schluss: Dieser Mann versteht sein Jagdhandwerk nicht!“

Staatsanwaltschaft eingeschaltet

Zum weiteren Gang des Ermittlungsverfahrens sagt Polizeisprecher Paul Wißler: „Es muss eine Strafbewertung durch die Staatsanwaltschaft erfolgen. Dann wird dem Schützen ein Anhörungsbogen zugestellt. Er kann sich zu den Vorwürfen äußern, oder auch nicht.“ Schließlich werde dem Schweizer ein Strafbefehl zugestellt…


Auch andere derartige Vorfälle

Fehlschüsse passieren auch deutschen Jägern, wie zwei Beispiele aus der Vergangenheit zeigen.

Kirchzarten 2012: Im Ortsteil Oberried glaubte ein Jäger kurz vor Mitternacht an einem Wiesenrand eine Wildsau zu erkennen. Mit dem ersten Schuss verfehlte der Jäger sein Ziel. Kurze Zeit später sah er wieder, schoss und traf einen 20-jährigen Wallach mitten ins Herz, der sofort tot war.

Schopfheim/Gersbach 2011: Beim nächtlichen Ansitzen auf Schwarzwild wurden statt Wildschweinen irrtümlich zwei trächtige Kühe erschossen. In der Jägersprache heißen erschossene Kühe „Butterhirsche“. In das Kreuzfeuer der Kritik gerieten

Pächter eines Gersbacher Jagdreviers, aber auch der Kreisjagdverein und das Landratsamt. Dort wurde nämlich obendrein versucht, „die Sache zu vertuschen, indem der Vorfall verschwiegen und stattdessen dem betroffenen Landwirt kurzerhand eine Entschädigung über mehrere tausend Euro gezahlt wurde“. (blu)

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