+12°
+2°
+11°
+3°
Text: 
 

Bad_Säckingen

Fasnachtsküchle für jeden Narren

[0]

Ihre Fasnachtsküchle sind gefragt. Die gesamte Fasnacht hindurch backt Gerhild Zimmermann kleine Fasnachtsküchle und verteilt sie während den Umzügen unter den Zuschauern. Bilder: Kanele

Sie gehören zur schwäbisch-alemannischen Fasnacht wie der Narr in sein Häs: die Fasnachtsküchli oder Krapfen. Gefüllt mit Äpfeln oder Marmelade teilen sich die im Fett gebackenen Küchle während der Fasnachtszeit mit den Luftschlangen und Konfetti einen Platz in den Verkaufsregalen. Aus den Bäckereien duftet es frisch und verführerisch nach frischen "Berlinern", wie das Fasnachtsgebäck in der hiesigen Region auch genannt wird.

In Bad Säckingen sind die in heißem Fett oder ausgelassener Butter gebackenen Küchle enger mit der Fasnacht verbunden, als mancher denkt. Die Geschichte geht zurück in die Zeit, als die Fürstäbtissin aus ihrem Stift heraus regierte. In Säckingen und dem stiftischen Hinterland gab es eine ganz besondere Krapfenart, die "Chäs-Pöllelin", die mit Ziger gefüllten Krapfen. Die Talschaft Glarus war dem Stift bis 1395 abgabepflichtig.

Nach dem Zinsrodel von 1210 waren unter anderem jährlich 1409-einhalb Stück Käse abzuliefern. Um ihn vor dem Verderben zu schützen wurde er mit Steinklee gewürzt. Die Fasnachtsküchle von damals waren also nicht so süß, wie man sie heute kennt. Die jeweils regierende Fürstäbtissin ließ diese Zigerkrapfen backen und lud die Obrigkeiten der Stadt und die jeweiligen Zunftmeister in das Stift zur Feier der Fasnacht ein.

 

Küchle, Kreppe oder Krapfen. So vielseitig wie die Namen der in Fett gebackenen Küchle sind auch die Formen.

Auch die Kunsthistorikerin und Buchautorin Irene Krauß aus Bad Säckingen hat sich ganz intensiv mit der Fasnacht und den Krapfen befasst. Ein Auszug aus der von ihr verfassten "Chronik bildschöner Backwerke" beschreibt, warum die Fasnachtsküchle gerade in der närrischen Zeit Hochsaison haben: Nicht umsonst hat der im Süden Deutschlands viel zitierte "schmotzige" Donnerstag (in Bad Säckingen ist es der Faißen, Anmerkung der Redaktion), der früher den eigentlichen Auftakt zum häuslichen Küchlebacken bildete, seinen Namen danach erhalten. "Schmotzig" bedeutet nämlich nichts anderes als "fettig" oder "schmalzig". "Warum es zur Fasnacht gerade Schmalzgebackenes gab, hat durchaus einen besonderen Grund", schreibt die Autorin weiter in ihrem Buch. "Da Fettes zu essen früher gleichbedeutend war mit gut und viel zu essen, empfahl sich der Genuss von Schmalzgebäcken vor der 40-tägigen Fastenzeit".

Eine der Wenigen die bis heute regelmäßig zur Fasnachtszeit ihre Küchle backt, ist Gerhild Zimmermann. Bereits am frühen Morgen des Wäldertages steht sie in der Küche und stellt den Teig her. Sie hat ihr eigenes Rezept, das nicht verraten wird. Auf dem Balkon der Wohnung stellt sie die Küchle dann in der Fritteuse her. "Ich muss auf den Balkon, damit es in der Wohnung nicht so stinkt", entschuldigt sie sich. Danach werden die Küchle in Zucker und Zimt gewälzt.

Am Nachmittag zum Narrenbaum stellen ist sie dann unterwegs mit den kleinen Küchle: "Ich backe die Küchle die ganze Fasnacht hindurch."

 

Weitere Artikel zu: MeinHochrheinFaisse

KOMMENTARE []
Kommentare entsprechen nicht der Meinung der Redaktion von suedkurier.de – sollten Sie durch den Inhalt einzelner Kommentare Ihre Rechte verletzt sehen, dann wenden Sie sich bitte an den Community Manager.

Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie angemeldet sein.

Autor: SUSANNE KANELE
weitere Artikel des Autors