Dogern Interview mit Kom(m)ödle-Regisseurin Jenny Lohrer: "Wir machen Komödien mit Anspruch"

Auf einen Kaffee mit...Jenny Lohrer, Regisseurin beim Theaterverein s' Doger­mer Komm(m)ödle, der mit seinen Aufführungen jedes Jahr aufs Neue begeistert. In diesem Jahr führen die Schauspieler vom 20. bis 29. Juli die Komödie "Das Haus in Montevideo" auf.

Frau Lohrer, die erste Aufführung der Komödie "Das Haus in Montevideo" naht – wie viel Arbeit steckt eigentlich in der Vorbereitung?

Viel! Das von mir ab Januar geschriebene Textbuch lag zum Probenbeginn nach Fasnacht vor. Zweimal wöchentlich probten wir danach in der evangelischen Kirche in Dogern, ab Mitte Juni im Hof des Hirschen, wo dann unsere Bühne steht oder in der Scheune, in der wir bei Regen spielen. Außerdem müssen wir uns um das Bühnenbild und die Requisiten kümmern, das ist alles schon sehr aufwendig und geht nur, weil viele mithelfen.

Erstmals gibt es auch Karten im Vorverkauf, richtig?

Ja, wer Karten im Vorverkauf kauft, der hat garantiert einen Platz, auch wenn wir bei schlechtem Wetter in die Scheune müssen, wo rund 50 Leute weniger Platz haben als im Hof. Karten gibt es in Waldshut bei der Tourist-Info und der SÜDKURIER Geschäftsstelle, in Tiengen bei der Buchhandlung Kögel, bei allen Reservix-Ticket-Shops, im Internet beim Reservix-Ticketportal und natürlich an der Abendkasse. Vorführungen sind vom 20. Juli bis einschließlich 29. Juli außer Montag. Beginn ist um 20 Uhr, außer am Sonntag, da geht es schon um 19 Uhr los. Einlass ist immer eineinhalb Stunden vor Beginn.

War der Hirschen von Anfang an Spielort für das "Kom(m)ödle"?

Ja, ohne den Hirschen, ohne Renate und Hans-Peter Albiez geht es nicht. Ohne den Hirschen würde unser Gesamtkonzept nach dem Vorbild des Komödienstadel mit Biergartenatmosphäre am Anfang einschließlich musikalischer Unterhaltung und herzhaften Speisen nicht aufgehen. Generell in der Hirschen-Scheune zu spielen kommt für uns nicht in Frage, wir sind ein Freilufttheater.

Wie viele Leute stehen beim "Dogermer Kom(m)ödle" auf der Bühne, sind das alle Laien?

Rund 15 stehen immer auf der Bühne. Laien sind das aber keine mehr, ich sage immer, wir sind gute Amateure. Darunter sind auch richtige Naturtalente, die alle Rollen spielen können, wie zum Beispiel der Amtsarzt Klaus Reuther. Den konnten wir vor ein paar Jahren ganz zufällig gewinnen. Er ging mit seinem Hund an der evangelischen Kirche vorbei und wir suchten gerade Ersatz für einen verhinderten Hauptdarsteller. Jemand sagte, den kenn ich von Fasnacht her, der ist gut und wir haben ihn reingeholt. Er hat es sich überlegt und ist seitdem mit dabei. Fast immer machen auch einige Gastspieler mit, meistens brauchen wir jüngere, weil keiner von uns unter 40 ist. Bei "Das Haus in Montevideo" stehen elf Kinder auf der Bühne. Da hier dreifach besetzt wurde, hat Annette Sperling vom Kulturama Dogern mit rund 30 Kindern Lieder einstudiert und den Ablauf geprobt. Einige der Kinder haben auch Sprechrollen.

Sie haben ja auch ein politisches Schwergewicht in Ihren Reihen.

Ja, Landrat Martin Kistler. Er spielt in "Das Haus in Montevideo" einen Bürgermeister. Obwohl er wenig Zeit hat, aufhören will er nicht. Er hat schon etliche Rollen verkörpert, mal größere, mal kleinere. Ich denke, er genießt es, bei uns einfach Martin zu sein und nicht der Landrat, was aber heißt, dass ich ihn wenn nötig genauso korrigiere wie die anderen. Jeder weiß aber, dass meine Kritik der darzustellenden Rolle gilt, nicht der Person, die sie spielt.

Worauf achten Sie als Regisseurin besonders?

Ganz wichtig ist, dass die Dialoge nicht zu lang sind und alles zu der Zeit passt, in der das Stück spielt. "Das Haus in Montevideo" von Curt Goetz spielt um 1900, das heißt, Bühnenbild, Kostüme und Requisiten sollen dieser Zeit entsprechen. Bei der Auswahl der Stücke achte ich wie schon meine Vorgängerin Christa Kapfer darauf, dass wir nicht die tausendste Verwechslungskomödie spielen und die Texte nicht unter der Gürtellinie sind. Wir bevorzugen Komödien mit Anspruch. "Das Haus in Montevideo" ist eine klassische Komödie, die man auch aus dem Fernsehen kennt. Sie wurde zwei Mal verfilmt, einmal mit Heinz Rühmann. Unsere Aufführung ist eine Mischung aus beiden Filmen und dem original Theatertextbuch mit einer Rolle zusätzlich. "Das Haus in Montevideo" ist übrigens erst das zweite Stück, bei dem wir nicht in unserem Dialekt, sondern Hochdeutsch sprechen oder zumindest Hochdeutsch mit Dialektfärbung. Ideen, was man alles auf der Bühne machen kann, hole ich mir beim "großen" Theater zum Beispiel in Basel oder Zürich. Ein weiteres Vorbild sind die Tiroler Volksschauspiele in Telfs, deren Aufführungen ich jedes Jahr im Urlaub besuche.

Was ist das Schönste am Theater?

Der Weg von der Auswahl des Stücks über die Proben bis zu den Aufführungen ist wie eine Schwangerschaft, nach der Geburt hat man alles Beschwerliche vergessen, man genießt gemeinsam das gelungene Ergebnis. Der Theaterverein ist für mich erweiterte Familie, die einen unterstützt und in schweren Zeiten auffängt.

Fragen: Ursula Freudig

Person und Vorführungen

  • Zur Person: Jenny Lohrer (66) ist gebürtige Schweizerin, wohnt seit dem fünften Lebensjahr in Deutschland, davon 40 Jahre in Dogern. Sie war als selbstständige Schaufenstergestalterin, Hauswirtschaftsleiterin im Matthias-Claudius-Haus und als Sekretärin der Musikschule Hochrhein tätig. Ihr großes Hobby ist das Theater. Bis zum Ruhestand von Regisseurin Christa Kapfer war sie beim Theaterverein s' Dogermer Komm(m)ödle Regieassistentin und Bühnenbildnerin, seit gut einem halben Jahr führt sie selbst Regie. Sie gehört zusammen mit ihrem verstorbenen Mann zu den Gründungsmitgliedern des 1999 gegründeten Theatervereins, hat eine Tochter und einen Sohn, der technischer Leiter beim Kom(m)ödle ist. Sie engagiert sich außerdem stark in der evangelischen Kirchengemeinde Waldshut.
  • Vorführungen: Das Stück "Haus in Montevideo wird vom 20. Juli bis 29. Juli (außer Montag) vor dem Landgasthof "Hirschen" in Dogern aufgeführt. Beginn ist um 20 Uhr, am Sonntag, um 19 Uhr.

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