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Dogern Eine Stadt unter Wasser

15.01.2011
Dogern -  Nadja Waßmer erlebt die Hochwasser-Katastrophe in Australien. Die 21-Jährige aus Dogern absolvierte ein Auslandspraktikum in Brisbane.
Eine Stadt unter Wasser

Brisbane versinkt in diesen Tagen im Wasser. Die Dogenerin Nadja Waßmer erlebt die schlimmste Hochwasserkatastrophe in der australischen Großstadt zurzeit hautnah mit.  Bild: Bilder: Privat

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Sie sitzt auf dem Balkon ihrer kleinen Wohnung etwas oberhalb des Brisbane River. Ein schöner Sommertag in der australischen Großstadt. Oben strahlend blauer Himmel und unten am Fluss das Inferno. Bäume, Stege, Boote treiben auf dem Fluss. Sirenen warnen die Einwohner der drittgrößten Stadt Australiens vor den verheerenden Folgen des Hochwassers, das die tiefer gelegenen Bezirke am Ufer in seinen Besitz genommen hat. „Die komplette Fährstation von Brisbane schwimmt da unten an mir vorbei“, sagt Nadja Waßmer aus Dogern, die sich ihren Aufenthalt down under ganz anders vorgestellt hat.

Die 21-jährige Deutsche, die Tourismuswirtschaft studiert und in Brisbane seit August des vergangenen Jahres ein Auslandspraktikum absolviert, wollte ursprünglich unserem Schmuddelwetter entfliehen und in Australien auch etwas den Sommer genießen. Daraus wurde aber nichts. Bis vor wenigen Tagen war noch alles in Ordnung. Am Samstag hätte sie ihr Praktikum bei „Riverlife“, einer Firma, die Freizeit-Events für Touristen und Einheimische organisiert, beendet. „Am Wochenende wäre meine Abschiedsparty hier gewesen. Die ist aber buchstäblich ins Wasser gefallen“, sagt sie. Das ist jetzt alles Nebensache. An Party denkt hier zurzeit niemand.

Das Domizil von „Riverlife“ liegt am „Kangaroo Point“ direkt am Fluss. Meterhoch ist alles im Wasser versunken. Vor zwei Tagen haben Nadja Waßmer und ihre Arbeitskollegen die Computer, elektronischen Geräte und Wertsachen in den zweiten Stock geschleppt, um alles vor der Flut zu schützen. „Die Informationen von Behörden und Medien waren gut. Wir waren vorbereitet auf die Katastrophe“, sagt sie.

Nur zu verhindern war sie nicht mehr. „Land unter“ in der City, der Strom ist abgestellt, Hamsterkäufe in den Geschäften. „Die Regale in den Supermärkten sind wie leer gefegt. Brot und Eier gibt es nicht mehr. Wahnsinn“, sagt sie. Ein Fußweg direkt am Fluss, der die Stadt ein paar Millionen Dollar gekostet hat, ist weggebrochen. Mit Hilfe von Schiffen schaffen es Arbeiter, ihn an Ort und Stelle irgendwie zu befestigen. Sonst würde das Millionenobjekt von den Fluten des Brisbane River mitgerissen werden. Was Nadja Waßmer in diesen Zeiten stets erfahren hat, ist die Hilfsbereitschaft der Australier. Im Leid rücken alle ein bisschen enger zusammen. „Das habe ich vorher nie so wahr genommen“, sagt die junge Dogernerin.

Das Gefühl der Ohnmacht gegenüber Naturgewalten wird sie dennoch nicht mehr los. „Eine ganze Stadt ist abgeschnitten von der Umwelt. Du sitzt da und kannst nichts machen. Das Schlimmste ist das Warten, diese Ungewissheit. Muss ich packen oder nicht? Müssen wir weg oder ist alles doch nicht so dramatisch?“

Nadja Waßmer weiß nur eines. Wenn sie wieder in Deutschland ist, wird für die Einwohner von Brisbane viele Monate oder Jahre lang noch nicht wieder Alltag sein. „Wenn das Wasser zurück geht, werden wir an unserem Arbeitsplatz aufräumen“, sagt sie. Alles ist voll mit Schlamm. „Das Schlimmste wird wohl der Gestank sein“, fürchtet die junge Frau.

Kommende Woche will sie nach getaner Arbeit mit Freundin Anne aus Erfurt zu einer Australien-Tour aufbrechen. Weg von Brisbane. Anne steckt auf Morton Island fest, einer Insel vor Brisbane. „Der Fährverkehr ist noch eingestellt“, sagt Nadja Waßmer, die sich jetzt doch auf den Urlaub freut.

Nachdenklich wird sie aber. Vor einem Jahr steckte sie im Urlaub in den USA fest – Schneechaos in Washington. Wenige Monate später wurde der Flug bei ihrem Aufenthalt in Hamburg gecancelt – Vulkanasche aus Island. Und jetzt das Hochwasser in Australien. Immer was los, wenn die 21-Jährige auf Reisen geht. So richtig lachen kann sie darüber aber nicht.

Hochwasser
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