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19.02.2013  |  von  |  0 Kommentare

Bonndorf Telekom will Telefonzelle in der Waldallee abbauen

Bonndorf -  Gemeinderat spricht sich für Basistelefon als Ersatz aus. Schultes muss wegen Krankheit passen.

Edith Stallmann hat Telefonzellen, wie hier in der Waldallee, als Jugendliche gerne genutzt. Heute bevorzugt sie für Anrufe ihr Handy.  Bild: Edinger



Die Gemeinderatssitzung am vergangenen Montagabend begann ungewöhnlich. Auf dem Stuhl, auf dem sonst Bürgermeister Michael Scharf platz nimmt, saß diesmal seine Stellvertreterin Mechthild Frey-Albert (UB). Der Schultes musste wegen Krankheit passen. Am Morgen vor der Sitzung wurde seine Stellvertreterin informiert, dass sie ihre erste Ratssitzung am Abend leiten soll. „Am Vormittag musste ich schon zu zwei 80. Geburtstagen, die Sitzung haben wir auch noch besprochen. Vor dem Gemeinderat zu sprechen war dann ein ganz neues, besonderes Gefühl.“ Aber wenn man eine solche Funktion habe, könne es eben passieren, dass man für den Bürgermeister einspringen müsse. Mit Unterstützung von Hauptamtsleiter Harald Heini und dem Bauamts-Duo Nicole Messerschmid und Werner Steiert war der zwölf Punkte umfassende öffentliche Teil der Tagesordnung nach gut 30 Minuten schon erledigt.

Ein Punkt, der gar nicht auf dieser Tagesordnung vermerkt war, beschäftigte den Rat dabei am intensivsten. Die Telekom hatte wieder einmal mitgeteilt, dass eine Telefonzelle unter die Rentabilitätsgrenze gerutscht sei. Wie Harald Heini erklärte, sind dabei 50 Euro pro Monat angesetzt. „Da liegen wir deutlich drunter“, sagte Heini. Der Zeitraum in dem diese schwache Frequenz registriert wurde, wird mit eineinhalb bis zwei Jahren angegeben. Bisher hatte der Rat diese Ankündigungen immer zur Kenntnis genommen. Ganz anders reagierten einige Ratsmitglieder auf die Mitteilung, dass der öffentliche Fernsprecher an der Kreuzung Todtwiesen/Waldallee wegfallen soll. Wenn auch diese Telefonzelle abgebaut werde, stehen in der Kernstadt nur noch die öffentlichen Fernsprecher am Rathaus und im Stadtgarten zur Verfügung, erklärte der Hauptamtsleiter.

Sollte der Rat dem Abbau des Fernsprechers in der Waldallee nicht zustimmen, so werde ein sogenanntes Basistelefon eingerichtet. Auf der Internetseite des Anbieters steht, dass dieses nur mit Telefon- oder Kreditkarte genutzt werden kann. Ein Münzschlitz ist nicht vorhanden. Es gibt aber eine Taste zur Anwahl kostenfreier 0800-Rufnummern sowie eine R-Gesprächs-Funktion, womit Teilnehmer angerufen werden können.

Markus Jägeler (UB) fand es nicht gut, in einem Wohngebiet keinen öffentlichen Fernsprecher mehr zu haben. Gerade ältere Menschen hätten oft kein Handy. Tilman Frank (SPD), Wolfgang Weißer und Ingo Bauer (beide FW/FDP) sprachen sich ebenfalls dafür aus, ein Basistelefon dort zu installieren, um die Grundversorgung aufrechtzuerhalten. Schon allein aus dem Grund, dass in einer Notlage dann ein öffentliches Telefon zur Verfügung stehe. Der Rat sprach sind einstimmig dafür aus, ein Baistelefon anstatt der Telfonzelle zu installieren. Diese Entscheidung soll nun der Telekom mitgeteilt werden.

Edith Stallmann (40), die in unmittelbarer Nähe des öffentlichen Fernsprechers wohnt, hält im Handyzeitalter Telefonzellen für „ein Auslaufmodell“. Fast alle, die jünger als 40 Jahre sind, hätten heute ein Handy. Für sie selbst ist diese neue Art der Kommunikation zur Selbstverständlichkeit geworden. Aber sie kann sich noch an andere Zeiten erinnern. „Früher waren wir froh, dass es Telefonzellen gab. Da konnten wir telefonieren, ohne dass unsere Eltern das mitbekommen haben.“ Und sie hat noch vor Augen, wie Jugendliche aus der Jugendherberge auf der Mauer vor der Telefonzelle saßen, und darauf warteten, dass sie endlich dran waren, um zu telefonieren.

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