Bonndorf Rheinhold Pix: „Gebraucht wird man immer“

Reinhold Pix (Grüne) holte sich bei der Landtagswahl mit 39 Prozent erneut das Direktmandat im Wahlkreis 46. Im Interview spricht er über seinen Wahlerfolg, seine politischen Schwerpunkte und die Koalitionsverhandlungen mit der CDU.

Der alte und neue Landtagsabgeordnete für den Wahlkreis 46 ist Reinhold Pix von den Grünen. Im Interview spricht er über seinen Wahlerfolg (39 Prozent) und seine politischen Schwerpunkte.

Herr Pix, Sie haben eines der besten Ergebnisse der Grünen eingefahren. Wie geht es Ihnen persönlich?

Es gibt eine Stimmenkönigin, Muhterem Aras. Ihr folgen die Wissenschaftsministerin Theresia Bauer, Edith Sitzmann und Nese Erikli, davon haben zwei Migrationshintergrund. Das finde ich bemerkenswert nach dem Abschneiden der AfD, dass wir so weit vorne zwei Frauen mit Migrationshintergrund haben. Und dann kommt der erste Mann. Und das bin ich. Ein bisschen bin ich natürlich stolz darauf. Mein persönliches Ziel war das Direktmandat, was mir bei der letzten Wahl überraschenderweise geglückt ist, mit knapp zwei Prozent vor meinem Mitbewerber von der CDU. Jetzt liegen bei 25,5 Prozent und 39 Prozent deutlich mehr dazwischen.

Sie sind angetreten in einem Wahlkreis, der so unterschiedlich ist von der Struktur, wie er nur sein kann. Was steht für Sie ganz persönlich im Sinne Ihres Wahlkreises an?

Im Wahlkreis halte ich es für ganz wichtig, möglichst gleichwertige Lebensverhältnisse herzustellen. Das geht vom bildungspolitischen Querschnittsthema bis zur Breitbandversorgung oder mehr Mobilitätsmöglichkeiten. Damit meine ich nicht nur Straßen, sondern auch Gemeindeverbindungswege, Radwege und den öffentlichen Personennahverkehr. Da müssen wir noch verstärkt ran und da müssen natürlich auch die Mittel bereitgestellt werden.

Seit der Landtagswahl 2011 sind Sie in diesem Wahlkreis der einzige Vertreter. Ist die Region durch die Wahlkreisreform geschwächt?

Nein. Das haben wir in ganz Baden-Württemberg. Der Erfolg für den Wahlkreis hängt davon ab, wie stark man auf die Gemeinden und ihre Bürgermeister zugeht und wie weit die über die Farbenlehre hinaus bereit sind, mit dem Abgeordneten zusammenzuarbeiten, es sind ja oftmals CDU-Bürgermeister.

Haben Sie da schlechte Erfahrungen gemacht?

Gerade in Bonndorf habe ich sehr gute Erfahrungen gemacht. Herr Scharf und ich haben ein sehr herzliches Verhältnis zueinander und da spielt die Parteienpolitik eigentlich nicht die wesentliche Rolle. Große politische Projekte sind wir angegangen. Beim Rahmenplan Feldberg beispielsweise, ein Projekt, das noch lange nicht fertig ist, ist es gelungen, alle Akteure an einen Tisch zu bekommen und eine Lösung zu erarbeiten. Auch mit dem Biosphärengebiet sind wir ganz am Anfang. Da arbeite ich mit sehr vielen Rathäusern sehr intensiv und sehr erfolgreich zusammen. Nachdem am Anfang eine gewisse Verstocktheit, vielleicht auch noch aus dem Schock heraus vorherrschte, haben sich doch viele geöffnet. Alle Wünsche kann man nicht erfüllen. Aber es ist mir doch gelungen, einige Projekte voranzubringen. Angesprochen sei beispielsweise im Straßenbereich die Stadtanbindung Neustadt oder die L 172 bei Eisenbach.

In Bonndorf selbst haben wir den vollen Landesschnitt mit 15 Prozent AfD-Wählern. Haben Sie eine Erklärung woher das kommt?

Ich unterscheide mich da vielleicht von manch anderem, das ist wirklich meine persönliche Meinung: Ich weiß, dass wir auch in Baden-Württemberg einen Bodensatz haben von Menschen mit einem stramm rechten Hintergrund, wo es ins Rechtsextreme, Ausländerfeindliche, Rassistische reingeht. Das ist latent da. Und wenn dann so Probleme wie die ungelöste Flüchtlingsfrage dazukommen, gibt es Leute, die wollen einfach ‚das Alte' wiederhaben. Aber die AfD-Wähler sind nicht alle rechtsextrem. Die Aufgabe besteht also darin, aufzuzeigen, was die für ein Parteiprogramm haben und wie froh man sein kann, dass die Opposition sind. Würden die etwas zu sagen haben, ginge es zuerst in den sozialen Schichten ab, die die vor allem wählen.

Sie sind Winzer, haben die Geschäftsführung Ihres Betriebs Ihrem Sohn in die Hand gegeben. Ihre Frau arbeitet voll mit. Ist es aber nicht schade, dass Sie so wenig Zeit für Ihren Betrieb haben?

Ich kann mir nichts Schöneres im Leben vorstellen, als ein kleiner Abgeordneter zu sein, mit einem kleinen selbstständigen Weingütle. Meine Frau und ich sind sehr glücklich darüber, dass unser Sohn den Weg beschritten hat, also als Weinbauingenieur dann auch bereit war, die Betriebsleitung zu übernehmen. Was den Außenbetrieb, als auch die Kellerwirtschaft angeht, haben wir zwei immer noch die Hauptverantwortung, auch noch für die nächsten fünf Jahre. Ich komme dann allmählich in das Rentenalter, wo jeder normale Mensch an seinen Ruhestand denkt. Das werde ich dann auch tun, aber mit der schönen Aussicht, dass es mir überhaupt nicht langweilig werden wird. Denn gebraucht wird man da immer.

Vieles von dem, was Sie erlebt haben, findet sich in Ihrer Politik wieder. Ist es deshalb für Sie besonders greifbar?

Ich finde es immer schade in der Politik, dass junge Menschen schon ihre politische Karriere von früh auf planen. Das halte ich für verwerflich. Ich selber war 20 Jahre im Kreistag Breisgau-Hochschwarzwald ehrenamtlich politisch tätig, war zehn Jahre im Regionalverband Südlicher Oberrhein, ich war 22 Jahre im Gemeinderat. Da wird man geprägt und da lernt man auch sein Handwerkszeug. Das halte ich für ganz wichtig, dass man erst einmal ehrenamtlich arbeitet. Dann halte ich es für ebenso wichtig, dass man erst einmal ins Leben richtig eingetaucht wird, damit man später auch weiß, von was man eigentlich spricht. Ich bin beispielsweise froh, dass wir heute Gemeinschaftsschulen haben und die Eltern nicht mehr gezwungen sind, wie wir, sich eine eigene Schule zu bauen, nur weil man mit dem Bildungssystem nicht einverstanden ist.

Der große Vorwurf der Lehrerschaft in Realschulen lautet, dass bisher eigentlich fast nur Werkrealschulen zu Gemeinschaftsschulen umgebaut wurden. Werden Sie forcieren, dass mehr Realschulen sich an den Umbau wagen?

An dem Zwei-Säulenmodell Allgemeinbildende Schule und Gymnasium werden wir festhalten. Wir haben übrigens einige Realschulen, die tatsächlich beteiligt sind an Gemeinschaftsschulen. Es sind noch wenige, aber wir stehen da ja auch am Anfang. Das geht allerdings ein paar Jahre, bis wir auch Vergleichszahlen haben. Wir werden aber auch daran festhalten, dass das eine freiwillige Entscheidung sein wird. Ohne Lehrermotivation geht das nicht.

Die Verhandlungen zur grün-schwarzen Koalition laufen. Was meinen Sie, wann endgültig Vollzug zu melden ist?

Wir verhandeln sehr ernsthaft mit der CDU, weil es sich die Mehrheit der Bevölkerung gut vorstellen kann. Ich weiß das aus vielen Begegnungen, gerade hier im Hochschwarzwald. Ich habe übrigens bereits beim Neujahrsempfang der Grünen eine eigene Bauernregel aufgestellt: „Ist der Januar nass und kalt, wird es grün im schwarzen Wald.“ Und genau das ist jetzt passiert.

Wie sieht es aus mit Minister posten für die Grünen? Das Interview in voller Länge unter: www.suedkurier.de/plus


Zur Person

Reinhold Pix, 60, zum dritten Mal für die Grünen im Landtag, mit weitem Abstand vor seinem Konkurrrenten aus der CDU, Klaus Schüle, neu gewählt. Der Vater von vier Kindern und Opa von zwei Enkeln ist Öko-Weinbauer. Das Gut leiten derzeit seine Frau, sein Sohn und er.

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