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15.11.2008  |  von  |  0 Kommentare

Bonndorf Die Wiege des Schinkens

Bonndorf - 

Zur Erinnerung an die Anfänge der Firma Adler und an die Wiege des Schwarzwälder Adler-Schinkens erinnert noch das zusätzliche Schild.  Bild: Wiggert



Auf die Frage: „Kennen Sie das Adlerwegle?“ wird wohl jeder Bonndorfer mit „Aber sicher“ antworten. Denn das waren einst die vielen ausgetretenen Stufen, die von der Lindenstraße 1 nach oben zum Philosophenweg führten. Nun steht dort ein Neubau der Familie Peter und Britta Adler. Der Weg führt jetzt zunächst über eine Wendeltreppe an diesem Gebäude entlang, dann kommt der Spaziergänger wieder auf den alten ausgetretenen Weg nach oben, Richtung Boll. Dieser Weg ist ausgeschildert mit der Bezeichnung „Adlerwegle“ – zur Erinnerung an die Anfänge der Firma Adler und an die so genannte Wiege des Schwarzwälder Adler-Schinkens.

1921 siedelte Michael Adler mit seiner Familie nach Bonndorf um. Er kaufte das Anwesen Hugel in der Lindenstraße. Eine Bierbrauerei, der eine Gastwirtschaft mit Metzgerei angeschlossen war. Dieser Umzug nach Bonndorf hatte einen ganz rationalen Grund. Nach dem Ersten Weltkrieg betrug die Wochen-Fleischration im hessischen Viernheim, dem damaligen Wohnort von Michael Adler, lediglich 80 Gramm, in Bonndorf dagegen 200 Gramm. Somit konnte Michael Adler in Bonndorf pro Person mehr als doppelt so viel Fleisch verkaufen wie in Viernheim. Damit war es für ihn aus wirtschaftlicher Sicht besser, nach Bonndorf umzusiedeln.

Er begann hier mit drei Wurstsorten und schnell waren es zwanzig. Schon bald belieferte er auch Bewohner der umliegenden Gemeinden mit Fleisch und Wurst. 1929 versorgte er auch die Kantine der Bauarbeiter an der Schluchsee-Staumauer.

Nach dem Tod von Michael Adler übernahm Hans Adler die Metzgerei mit dem dazugehörigen Restaurant. Im Krieg wurde das Haus von insgesamt sieben Bomben getroffen und völlig zerschossen. 1948 begann der Wiederaufbau. Auf dem früheren Steinhauerplatz wurde ein Schlachthaus errichtet. In den sechziger Jahren wurde nach dem alten Rezept des Schwarzwälder Schinkenspecks der neue Zuschnitt – mit der besonderen Fleischauswahl des Schwarzwälder Adler Schinkens – ausgetüftelt und in größerem Umfang vertrieben. 1964 wurden dann das Schlachthaus und wenig später die Räucherei an den heutigen Standort im östlichen Industriegebiet verlegt. Der Pendelverkehr zwischen Lindenbuck und Lindenstraße wurde durch den „Zigeunerwagen“ aufrechterhalten.

Ab 1971 wurde das Haus in der Lindenstraße nur noch als Wohnhaus von Familie Adler genutzt, bis die Familie 1977 in das neue Wohnhaus gegenüber dem Betrieb an den Lindenbuck umzog. Der alte Betrieb stand dann einige Jahre leer und zerfiel zusehends. So sehr, dass das Gebäude nicht mehr renoviert werden konnte. 1990 wurde das alte Anwesen abgerissen und ein neues Haus gebaut.

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