Vom ersten Ton weg zündete „Bandana“ beim jüngsten Folktreff, traf die Band doch mit dem „Sound of Johnny Cash“ punktgenau die Vorstellungen des Publikums. Die Bonndorfer Kleinkunstinitiative hat damit die Palette der künstlerischen Vielseitigkeit um ein weiteres Genre erweitert und damit offensichtlich ins Schwarze getroffen. Countrymusic hat einen großen Fankreis und so füllte sich das Stadthallenfoyer wieder im Handumdrehen. Viele der Zuhörer entpuppten sich im Verlauf des Konzerts als veritable Kenner der Szene, die genau wussten, was sie hier hören wollten – und genau das auch bekamen.
Tatsächlich kann man Bandleader und Sänger Andreas Matthes attestieren, dass er den Altmeister der Countrymusic ganz nah am Original interpretiert, und zwar nicht allein aufgrund der tiefen Stimme, die pure Männlichkeit, Abenteuer und Sehnsucht nach Freiheit suggeriert, sondern auch mit einem instrumentalen Hintergrund, bei dem sich jeder der Akteure als Meister seines Fachs erweist. Bodo Martin am Kontrabass lockert die Szenerie zudem als Kaugummi kauendes, spaßiges Bühnentalent auf, der sein Instrument im Stehen, Sitzen und Liegen gleichermaßen souverän beherrscht.
Aber auch Markus Lang an der Rhythmusgitarre sowie Oliver Sachs am Schlagzeug sorgen für den richtigen Groove. Als der Bandleader gar noch zwei Mundharmonikas auspackt und darauf täuschend echt ein durch die Prärie dampfendes Stahlross imitiert, flippt das Publikum restlos aus.
Andreas Matthes singt nicht nur Johnny Cash, man hat das Gefühl, er lebt die Legende. Seit einem Johnny-Cash-Konzert im Jahr 1997 ließ ihn dieser nicht mehr los, er reiste seinem Idol in der Vergangenheit sogar schon hinterher. Kaum sind die letzte Töne verklungen, setzt der Bandleader schon zum nächsten Song an, lässt dabei keinen Hit der Countrylegende aus und vermittelt beinahe den Eindruck, dass diese Musik für ihn zur Obsession geworden ist.
Das Publikum darf spontan Wünsche äußern, die alle prompt erfüllt werden, gleichsam einem Nonstop-Ritt durch die Prärie. Die im Folktreff übliche Veranstaltungszeit reicht Bandana nicht aus, mit zunehmender Spielfreude reicht ihre Bühnenshow bis Mitternacht und selbst dann hat der Zuhörer das Gefühl, dass Bandleader Andreas immer noch nicht genug hat.
Die Reihe der Songs hier aufzulisten, wäre in Anbetracht der hervorragenden Programmfolge abgeschmackt. Selbstverständlich fehlte keiner der großen Hits wie etwa „Ring of fire“, „I walk the line“, der „Folsom Prison Blues“, „Tennessee Flat Top Box“, „A boy named Sue“ oder „Hey Porter“. Mit Sängerin Miriam Spranger erfuhr auch June Carter ihr Revival und im Duett brachte „Bandana“ unter anderem mit „Jackson“ oder „Give my love to Rose“ das Publikum eins ums andere Mal zum Toben.
In diesen Songs von Liebe, Treue, Freiheit, Gerechtigkeit findet „Mann“ sich wieder, die für Countrymusic so typisch harmonischen Klangbilder tragen ein Weiteres dazu bei, dass man sich bei dieser kernigen Musik wohl fühlt, die nichtsdestotrotz auch durchaus tiefsinnige Inhalte birgt, wie etwa bei der mütterlichen Sorge „Don't take your guns to town“.
„Bandanas“ verstehen ihr Handwerk, mitsamt ihrer mitreisenden Tontechnikerin, schafften sie doch ohne Soundcheck eine glänzende Bühnenperformance. Auf die technische Vorabstimmung musste die Band nämlich verzichten, da ein Verkehrsunfall ihre pünktliche Ankunft verhinderte und Musiker wie Publikum gemeinsam einströmten. (hel)