Bonndorf „Gewisse Distanz ist nötig“
Bei Kaffee und Brezeln berichtet Jochen Schäuble der SÜDKURIER-Mitarbeiterin Gudrun Deinzer vom Alltag eines Polizisten in Bonndorf. Als Vorteil sieht er, dass er viele Leute in der Stadt kennt. Bild: privat
Auf einen Kaffee mit…
Jochen Schäuble. Seit 1998 ist er als Polizist in Bonndorf tätig. Hier leitet er den Polizeiposten.
Herr Schäuble, Sie haben uns zum Kaffee Brezeln besorgt. Ist das Standard bei der Bonndorfer Polizei?
Das ist eigentlich guter Brauch bei uns. So um neun Uhr, wie es das Geschäft halt zulässt, haben wir immer eine Pause, zu der wir uns zusammensetzen.
Welche Schwierigkeiten birgt Ihr Posten hier in Bonndorf?
Schwierigkeiten ist eigentlich das falsche Wort. Das sind eher Besonderheiten. Es birgt große Vorteile. Die Leute von Vereinen, Firmen, Feuerwehr, Rotem Kreuz, der Gemeinde, also alle mit denen man in einer Gemeinde zusammenarbeitet, kennen sich recht gut, stehen sich im Wesentlichen wohlwollend gegenüber. Da gibt es keine großen Berührungsängste.
Haben Sie immer genügend Abstand?
Ja. Eine gewisse professionelle Distanz braucht man in diesem Beruf immer.
Was macht Ihnen an der Polizeiarbeit Spaß?
Der Polizeiposten Bonndorf ist eine Dienststelle, die ein ganz breit gefächertes Aufgabenspektrum hat: von Verkehrsunfallaufnahme, bis hin zu Schlägereien, Betrugsdelikten, Suchaktionen und natürlich auch das Einschreiten im ersten Zug bei schwereren Delikten. Dann gibt es die Zusammenarbeit mit anderen Spezialdienststellen, beispielsweise der Kriminalpolizei. Durch diese Vielfältigkeit der Aufgaben ist das eine interessante Sache.
Gibt es in der Gemeinde Bonndorf besondere Problematiken?
Bonndorf hat alles, was größere Städte auch haben an Delikten, nur nicht so konzentriert. Wir haben Drogendelikte genauso wie andere. Ordnungsstörungen durch Jugendliche gibt es natürlich auch, aber wenn ich den kreisweiten Vergleich anstelle, ist Bonndorf noch relativ überschaubar.
Wie groß sind hier die Probleme mit Sachbeschädigung?
Diese Probleme kommen sicher nicht überdurchschnittlich oft vor. Aber übers Jahr gesehen entstehen an den öffentlichen Einrichtungen, in Parks, an Verkehrszeichen, also an allem, was man so benutzen kann, um seine Wut abzulassen, Schäden, die doch einiges kosten. Das geschieht sehr oft aus einer Gruppendynamik heraus, aus einer Wut heraus, auch in alkoholisiertem Zustand. Wir haben hier aber eine recht gute Aufklärungsquote.
Sie haben selber zwei Söhne im Alter von neun und zwölf Jahren. Was tun Sie in der Erziehung als Vater präventiv gegen Wutattacken?
Wichtig ist für mich, dass ich das Verhalten, wenn sie etwas anstellen, sofort zur Sprache bringe. Die Rückmeldung, glaube ich, muss schnell und zeitnah kommen.
Sind die Jugendlichen, mit denen Sie beruflich umgehen, schwieriger geworden im Laufe der Jahre?
Der ganz große Teil der Jugendlichen, mit denen wir zu tun haben, ist ganz in Ordnung. Die sind in der Familie, in Vereinen integriert und gehen ihren Weg, sind vielseitig interessiert, so wie man sich das vorstellt und wünscht. Die Jugendliche, die Probleme bereiten, sind eigentlich Einzelfälle.
Was hat Sie bewogen, zur Polizei zu gehen?
Ich habe eine Tätigkeit gesucht, in der ich mit vielen Menschen zusammenkomme, bei der man nicht nur im Büro sitzt. Ich habe gewusst, was auf mich zukommt, weil mein Vater Polizist war.
Sind Sie stolz auf Ihren Vater?
Stolz, das ist so ein pathetisches Wort. Ich habe meinen Vater gern. Und ich finde es gut, wie er seinen Dienst gemacht hat.
Haben Sie ihn noch als Kollegen erlebt?
Ich habe ihn erlebt, da war ich im Streifendienst in Waldshut als Dienstgruppenleiter, da war er Leiter des Polizeipostens in Stühlingen. Aber wir haben keine größeren Berührungspunkte gehabt.
Haben Sie hier mehr Probleme, als man sie in einer Stadt hat, in der die Polizei rund um die Uhr besetzt ist?
Das kann ich schlecht einschätzen. Man vergleicht natürlich gerne. Aber diese Vergleiche hinken einfach. Diese gefühlte Kriminalität ist eine ganz schwierige Sache.Von den Belastungszahlen ist natürlich Bonndorf oder der ländliche Raum besser dran als eine Stadt, in der es anonymer zugeht.
Haben die neuen Reformen direkt Einfluss auf Bonndorf?
Nein, die Pläne für die Reformen, die veröffentlicht worden sind, betreffen die Polizei vor Ort eigentlich nicht.
Was wäre denn aus polizeilicher Sicht ein Rat für die Bürger?
Eine gesunde Vorsicht ist grundsätzlich sinnvoll und dann, sich nicht ganz so schnell aufzuregen, also etwas Gelassenheit an den Tag zu legen. Wenn ich zum Beispiel an den Straßenverkehr denke, sollte man einplanen, dass jeder einmal einen Fehler machen kann.
