Am vergangenen Samstag stand eine Menschenschlange vor den drei Postschaltern. Ich habe über sechzig Wartende gezählt, die Warteschlange reichte wahrhaft bis zur Straße raus.
Ich muss vorwegschicken, die Angestellten der Post konnten nichts dafür, die haben wirklich schnell, kompetent und freundlich die Schlange abgearbeitet. Sie machen ihren Job wirklich gut. Der freundliche Angestellte, der mir nach einer guten Stunde Wartezeit mein Paket übergab, erklärte: „Das ist am Samstagmorgen öfter so“, und nahm den Stress recht gelassen.
Nicht so gelassen jedoch waren die Kunden, die eigentlichen Verursacher des Auflaufes. Die einen zeterten vernehmlich und schimpften, die anderen standen nur kopfschüttelnd da, wirkten genervt und wieder andere kehrten um und liefen wieder weg. Es gab aber auch welche, die miteinander ins Gespräch kamen, nett miteinander plauderten und zufrieden waren. Da war aber noch einer, offensichtlich aus den neuen Bundesländern hinzugezogen: „Also ich habe da kein Problem mit der Wartezeit, da bekomme ich fast nostalgische Erinnerungen. Bei uns hieß so ein Menschenauflauf nämlich ‚sozialistisches Wartekollektiv‘ und war an der Tagesordnung.“ Da kann man doch in Sachen Geduld glattweg noch Tugenden übernehmen.
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