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Bad Säckingen Zivis schwer zu ersetzen

18.12.2010
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Sozialverbände setzen nur noch wenige Zivis ein. Mini-Jobber und Langzeitpraktikanten sollen Zivildienstleistende langfristig ersetzen.

Bad Säckingen – Die vom Bundetsag beschlossene Umwandlung der Bundeswehr in eine Berufsarmee und die Aussetzung der Wehrpflicht wird nicht nur für das Militär Folgen haben. Betroffen ist auch der soziale Bereich, der bisher für viele Aufgaben auf Zivildienstleistende zurückgegriffen hat.

Unterschiedlich gehen die Sozialverbände und sozialen Einrichtungen mit der neuen Situation um. „Es ist bedauerlich, dass der Zivildienst wegfällt“, findet Rolf Steinegger, stellvertretender Geschäftsführer des Caritas-Verbandes Hochrhein. „Keiner hat den Mut, ein verpflichtendes Jahr einzuführen.“ Dabei habe der Zivildienst viele junge Männer an soziale Berufe herangeführt. Bei der Caritas werden Zivildienstleistende im Fahrdienst bei der Versorgung alter Menschen, in Werkstätten für Menschen mit Behinderung und beim „Essen auf Rädern“ eingesetzt. „Bei manchen Diensten wie der Tagespflege und der Sozialstation sind Engpässe zu erwarten. Aber wir werden das schaffen.“ Der Caritasverband setzt dabei auf ehrenamtliche Mitarbeiter. Außerdem gibt es ein Programm „Engagiert plus“. Es ist vergleichbar mit einem verkürzten Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) und dauert vier Monate. Sicher werde man auch den Bundesfreiwilligendienst anbieten.

Beim DRK sind die Strukturen schon vor Jahren verändert worden. Petra Hauser, Geschäftsführerin des DRK-Kreisverbandes Bad Säckingen, berichtet, dass man die Zivildienststellen im Fahrdienst generell heruntergefahren habe. Einige wurden in hauptamtliche Stellen umgewandelt. „Als klar war, dass der Zivildienst stark verkürzt wird, wussten wir, dass die Struktur nicht mehr trägt.“ Außerdem würden FSJler in Krankentransporten eingesetzt. Im Landesverband gelte der Beschluss, dass ehrenamtliche Kräfte nicht in der Notfallrettung eingesetzt werden. Den Bundesfreiwilligendienst werde man nutzen. Allerdings befürchte sie, dass die Bindung der Dienstleistenden weniger eng sein werde. Petra Hauser bedauert, dass manch ein junger Mann durch den Wegfall des Zivildienstes die Chance verpasst, einen sozialen Beruf kennen zu lernen.

Dies bestätigt Christian Schöntaube, der seit Februar Zivi beim DRK ist. Er hat eine Ausbildung zum Rettungshelfer begonnen. Seinen Zivildienst will er um drei Monate verlängern. „Eigentlich möchte ich Toningenieur werden. Aber die Ausbildung kann nicht schaden.“ Ohne den Zwang, sich für Wehr- oder Zivildienst zu entscheiden, hätte er sich wohl nicht mit einer sozialen Tätigkeit beschäftigt. Peter Griesbaum, Pflegedienstleiter im ambulanten Pflegedienst bei der Arbeiterwohlfahrt (AWO) spricht ebenfalls von einer Reduzierung der Kräfte. „Wir hatten immer etwa zehn Zivis, haben diese aber zunehmend ersetzt. “ Jetzt würden in der Tagespflege im Josefshaus in Säckingen verstärkt 400-Euro-Kräfte eingesetzt. Das wirft auch Probleme auf: „Ein Zivi war Vollzeit anwesend, eine Minijob-Kraft nur ein Viertel der Zeit.“ Grundsätzlich hoffe er, dass der Bundesfreiwilligendienst für junge Menschen attraktiv sein werde.

Auch Uwe Lorenz, Geschäftsführer am Krankenhaus Waldshut und ab 1. Januar auch für das Krankenhaus Bad Säckingen zuständig, äußert Bedauern: „Ich finde es traurig, dass der Zivildienst wegfällt. Er hat vielen jungen Männern einen Schubs zu einem sozialen Beruf gegeben.“ Derzeit sind noch fünf Zivis im Krankenhaus tätig und verrichten leichte pflegerische Aufgaben in der Notaufnahme. Künftig sollen die Zivildienstleistenden durch Langzeitpraktikanten ersetzt werden. „Wir haben gute Erfahrungen gemacht, sie bleiben neun Monate oder ein Jahr lang.“ Die Chance auf einen Ausbildungsplatz in der Pflege sei für die Praktikanten sehr hoch.

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