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Bad Säckingen Tanktouristen auf der Jagd nach billigem Diesel

Der Ölpreis ist in den vergangenen Monaten extrem gefallen. Das hat auch Auswirkungen auf den Benzin- und Dieselpreis - und damit auch auf die Grenzregionen.

Lange Schlangen sind an den Tankstellen in der Grenzregion derzeit keine Seltenheit. Besonders begehrt ist Diesel, speziell von der Schweizer Kundschaft. Kein Wunder, denn hier ist die Preisdifferenz zwischen den deutschen und Schweizer Tankstellen besonders groß. Zu Wochenanfang lag der Literpreis für Diesel in Bad Säckingen und Laufenburg morgens bei etwa 1,08 Euro, bis zum Abend gab der Preis noch einmal leicht nach. In der Schweiz kostete der Liter teilweise deutlich mehr als 1,40 Franken. Das bedeutet eine Preisdifferenz und damit eine Ersparnis für die Schweizer Autofahrer von rund 25 Cent pro Liter – mindestens.

Für den bei Aarau wohnenden Stev Liers ist das ein gutes Argument, in Deutschland zu tanken. Liers fährt täglich mehr als 100 Kilometer zu seinem Arbeitsort bei Basel. So kann er im Monat einen satten dreistelligen Betrag sparen. „Ich habe zudem auf meinem iPhone eine App, die mir die aktuellen Preise an den Tankstellen anzeigt. Wenn es nicht zu weit entfernt ist, tanke ich dann an der günstigsten“, sagt Stev Liers, der mit einem weiteren Preisrückgang beim Öl und damit auch bei Benzin und Diesel rechnet.

Damit ist er sich einig mit einem Tankstellenpächter bei Bad Säckingen, der auch für 2016 mit eher fallenden als steigenden Preisen rechnet, nicht zuletzt, weil der Iran nach jahrelangem Embargo seit diesem Jahr wieder Öl auf den Weltmarkt liefern darf – und dies nach allgemeiner Expertenmeinung auch in großen Mengen tun wird.

Gabriele Radke, Pressesprecherin von Esso Deutschland, wollte sich dagegen nicht festlegen, was die weitere Entwicklung angeht. Allerdings kann sie bestätigen, dass der Wettbewerb der Tankstellen untereinander deutlich härter geworden ist – nicht zuletzt mit den bundesweit abrufbaren aktuellen Spritpreisen für die jeweiligen Tankstellen. „Der Preis wird morgens kalkuliert. Im Laufe des Tages senken einige Tankstellen in der Region den Preis, und die anderen müssen mitziehen. Die Pächter beobachten die Preise der anderen Tankstellen ganz genau“, berichtet sie. Das kann in Ballungsgebieten bis an die Schmerzgrenze gehen, bei der überhaupt noch Geld beim Verkauf verdient wird.

„Große Center bieten oft sehr niedrige Preise als Lockvogelangebote. Denn wenn die Leute beim Einkaufscenter erst einmal an der Tankstelle sind, gehen sie auch gleich noch ins Center zum Einkaufen“, so ihre Erfahrung. Dies bestätigt sich auch an hiesigen Tankstellen. Giuseppe Ilmolo ist hierfür ein Beispiel: „Ich komme von Zürich und kaufe in Laufenburg und Bad Säckingen ein. Dann verbinde ich das immer noch mit dem Tanken.“

Nicht so groß wie beim Diesel ist die Preisspanne beim Benzin, was die beiden Nachbarländer betrifft. Ein Liter Super kostet in Deutschland knapp 1,30 Euro und ist damit deutlich teurer als Diesel. Dies lässt sich erklären, weil der deutsche Staat im Gegensatz zur Schweiz Diesel weniger stark besteuert als Benzin – aus Umweltgründen, wird argumentiert.


Ölpreis weiter im freien Fall

 

Der Ölpreis gibt derzeit weiter stark nach. Das hat auch für die Verbraucher positive Auswirkungen, was den Heizölpreis betrifft.

Heizöl: Nicht nur Autofahrer können sich momentan über niedrige Benzin- und Dieselpreise freuen, auch der Heizölpreis sinkt aufgrund der derzeitigen Überproduktion an Rohöl immer weiter – im Sinne der Verbraucher.

Weiterer Preisrückgang: Am gestrigen Donnerstag brach der Ölpreis erneut stark ein. Zum einen wird der Konflikt zwischen Saudi-Arabien und dem Iran dafür mitverantwortlich gesehen, zum anderen große Lagermengen in den USA. Auch die wirtschaftliche Krise in China wird unter anderem mit verantwortlich für den Preisverfall gemacht. „Der heutige Preisrückgang dürfte nochmals einen Bestellschub auslösen, wobei auch das winterliche Wetter von dieser Woche unterstützt. Nach diesem Preisrückfall sollte man sich jetzt zumindest bestellbereit machen. Der momentane Kaufzeitpunkt ist rückblickend toll“, meldet beispielsweise das Unternehmen „Tecson“ auf seiner Homepage. Die weiteren Aussichten sollen zwar zunächst günstig bleiben, es dürfte aber mehr Schwankungen geben, prognostiziert die Firma, die mit ihren Vorhersagen in den vergangenen Monaten im Wesentlichen richtig lag.

Zur Erinnerung: Im Oktober 2014 mussten pro Liter noch weit über 80 Cent am Hochrhein bezahlt werden, jetzt wird der Liter teilweise unter 50 Cent angeliefert. Bei einer Bestellung von 3000 Litern kann das schon mal eine Ersparnis von rund 1000 Euro ausmachen.

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