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20.08.2010  |  von  |  0 Kommentare

Bad Säckingen Solarstrom als Gefahrenquelle

Bad Säckingen -  Bei Bränden drohen Stromschläge. Feuerwehr hofft auf besseren Schutz

Solaranlagen sind mittlerweile auf vielen Gebäuden zu finden, wie hier auf dem Dach des Lohgerbe-Parkhauses in der Bad Säckinger Innenstadt. Im Brandfall können die stromerzeugenden Solarzellen bei Wassereinsatz gefährlich werden.  Bild: Bilder: archiv



Bad Säckingen – Solaranlagen sind ein günstiger und vor allem umweltfreundlicher Energielieferant. Auch die staatliche Förderung lässt Hausbesitzer sich mehr und mehr für Solaranlagen entscheiden. Doch im Fall eines Brandes kann sich eine Photovoltaikanlage auf dem Dach zu einer tödlichen Gefahr für die Einsatzkräfte der Feuerwehr entwickeln. Wenn die Feuerwehr im Brandfall ein mit Solarzellen bestücktes Dach löschen will, droht unter Umständen ein tödlicher Stromschlag.

Im Einzelnen erklärt Ferdinand Beisinger, Diplom-Ingenieur, Energie- und Fördermittelberater die Gründe: „Die Photovoltaikanlagen produzieren Strom sobald eine Lichtquelle gegeben ist. Auch dann, wenn der Wechselregister bereits abgeschaltet ist.“ Allerdings produzieren die Solarzellen die Energie entsprechend der Stärke der Lichtquelle. „Eine Vollmondnacht und sogar die Scheinwerfer der Wehr selbst reichen aus, um das Leben der Einsatzkräfte zu bedrohen“, fügt er hinzu. Deshalb ist bei den Feuerwehrleuten dann äußerste Vorsicht geboten. „Wir müssen sehr umsichtig arbeiten und den Sicherheitsabstand einhalten, um uns nicht selbst zu gefährden“, erklärt Klaus Felber, Stadtkommandant der Wehrer Feuerwehr. Denn schließlich gibt es noch keine Möglichkeit zu testen, wie viel Spannung noch auf der Anlage ist.

„Mit dem nötigen Abstand können wir Solaranlagen mit bis zu 1000 Volt löschen“, erklärt Christian Dröse, Gesamtkommandant der Feuerwehr Herrischried. Doch daraus ergibt sich schon das nächste Problem: „Die Leitungen sind vor möglicher Sachbeschädigung sicher geschützt. Dadurch wissen die Einsatzkräfte jedoch nicht, wo sich die Leitungen genau befinden“, erklärt Architekt Franz Michler. So kann, je nachdem, wo sich der Brandherd befindet, die Isolierung der Leitung schmelzen und die Einsatzkräfte könnten einen tödlichen Schlag erleiden.

Ein weiteres Manko ist die Position des Wechselregister denn es gibt keine Vorgaben, wo dieser zu platzieren ist. In den meisten Fällen befindet er sich im Keller. „Es wäre optimal, wenn sich der Wechselregister unter dem Dach befinden würde, so wäre zumindest sicher gestellt, dass der größte Teil des Hauses nicht mehr mit Strom versorgt wird“, beschreibt Felber.

Die Feuerwehren proben schon seit mehreren Jahren den Ernstfall und sind entsprechend ausgebildet. „Es wird schon in der Grundausbildung trainiert“, so Felber. Ebenfalls wurde schon versucht, die Solarzellen mit Schaum oder einer feuerfesten Plane abzudecken. „Das funktionierte allerdings nicht, denn die Anlagen sind so heiß, dass der Schaum innerhalb von zwei Minuten schmilzt. Das Problem bei der Plane ist, dass sich die Hitze darunter staut,“ erklärt Dröse. Mittlerweile sind die Einsatzkräfte so sensibilisiert, dass sie einem solchen Brand nur mit äußerster Vorsicht und Respekt begegnen.

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