– Moderner, bunter und poppiger – der diesjährige Narrenspiegel der Narrenzunft Bad Säckingen setzte in vielerlei Hinsicht neue Akzente. Bemerkenswert vor allem, wie reibungslos es den vielen Akteuren auf der Kursaalbühne gelang, Tradition und Neues miteinander zu verbinden.
Heraus kam ein ausgesprochen facettenreiches Programm, gespickt mit frechem und respektlosem Witz und Gags. Das kam beim Publikum hervorragend an. So konnten sich die Narren nicht nur über volles Haus freuen, sondern in erster Linie auch über hervorragende Stimmung bei den Besuchern.
Besonders profitierte das Programm von der immer stärkeren weiblichen Präsenz auf der Bühne. Erstmals wurde sogar die Traditions-Figur „Paukenmann“ von einer Frau verkörpert. Josephine Butz machte ihre Sache richtig gut. Beim Publikum kam die Premiere der „Paukenfrau“ ausgezeichnet an. Und der Traditionsnummer tat diese Frischzellenkur sicherlich gut.
Ein Renner waren auch wieder die „Wäschwiiber“ (Beate Lauber und Wally Jehle), die diesmal sektschlürfend an der modernen Waschmaschine über die Vorzüge des Bad Säckinger Gesundheitswesens sinnierten, wo es für jedes Wehwehchen den passenden Spezialisten gibt. Freunde Schwarzen Humors kamen bei den beiden „Altstadtschnallen“ (Carola Plaßmann und Karina Weiß) auf ihre Kosten. Die boten unter dem Motto „Wir turnen in die Urnen“ ein Best-of aus den vergangenen fünf Jahren. Die „Seminarleiterin“ (Jessica Zimara) gab schon mal aus der Perspektive des „Shopping-Profis“ Tipps, was in einem möglichen Einkaufszentrum auf der „Denk'schen Tiefebene in der Kurstadt“, dem Brennet-Areal, alles zu beachten ist.
Und das „Heidewiible“ (Kevser Sagkol) nutzte die Gelegenheit, um verdiente Bad Säckinger Promis für ihre Leistungen mit dem „Goldenen Schweinchen“ auszuzeichnen – von „Geistige Verwirrung“ über „Saudumm Gelaufen“ bis zum „Behüt' dich Gott“-Preis für den rechtzeitigen Abgang aus Amt und Würden.
Aber natürlich waren auch echte Männer mit von der Partie. Allen voran Ex-Bürgermeister Martin Weissbrodt, der mit ordentlich Krach zu den Klängen von „Born to be Wild“ mit seiner Harley Davidson auf die Bühne bretterte – als Verstärkung der Tanzgruppe „Susy Sisters“. In lederner Biker-Kluft machte er eine gute Figur – und fühlte sich als Hahn im Korb sichtlich wohl.
Die gerade abgehakte Bürgermeisterwahl bot für die Narren ohnehin viel Anlass für ihre Späße. Mehlmarti (Michael Jehle) und Entenkarle (Stephan Harsch) veranlasste der Kandidatenreigen dazu, ein Märchen rund um die Wahl zu schreiben, in dem sich das „tapfere Schneiderlein Alexander“ letztlich beim Ritterturnier gegen Kronprinz, Schwarzen Ritter und eine ganze Schar „Gaukler und Hofnarren“ durchzusetzt. Der „Kater Hiddigeigei“ (Joachim Butz) meinte in seiner Wahlanalyse, die Säckinger wären ja auch blöd gewesen, wenn sie den Tourismusdirektor zum Bürgermeister gewählt hätten, nachdem der so viele tolle Sachen versprochen hatte. Überhaupt seien beinahe mehr Kandidaten angetreten als es Wähler gab, so der bissige Kater.
Ärztliche Hilfe in jeder Lebenslage bot schließlich Dr. Sommer (Franz Isele), seines Zeichens erster Mieter des im Bau befindlichen Ärztehauses und Kenner aller wichtigen Fragen des Lebens. Garniert wurde das Programm mit viel Musik der Narrenband und mit Tänzen der Maisenhardt-Joggele sowie des Country und Western Clubs Bad Säckingen. Und als das „Narrenchörle“ am Ende sein „Wer hat an der Uhr gedreht“ anstimmte, musste man sich verwundert fragen: „Ist es wirklich schon so spät?“