Bad Säckingen Musikalische Grüße aus Rußland
24.03.2010
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Bad Säckingen (mig) Die akademische Ausbildung in Osteuropa, speziell die Musikausbildung, genießt einen sehr guten Ruf. Davon konnten sich die Besucher am Montag im voll besetzten evangelischen Gemeindesaal überzeugen, als Studenten aus Minsk ein Benefizkonzert gaben.
Organisator war der Albbrucker Verein „Zukunft für Ritschow“, der nicht nur Kindern aus strahlenbelasteten Gegenden Ferienaufenthalte vermittelt, sondern auch die Ausbildung junger Menschen in Weißrussland fördert. Die Studenten sind rund 20 Jahre alt, wirken aber schon sehr erwachsen, künstlerisch fortgeschritten und höchst motiviert. Die meisten haben die Staatliche Michael-Glinka-Akademie bereits absolviert und vervollkommnen ihre Ausbildung am Konservatorium in Minsk. Begleitet wurden sie von der Gesangsprofessorin Olga Luckjanonock und der Klavierprofessorin Tatjana Glasinina.
Die Geigerinnen Alexandra Kolatschowa, Valentina Gontscharuk, Anna Meljanez und die Cellistin Tatjana Chanezkaja übernahmen den Instrumentalpart im ersten Teil, der dem europäischen Barock gewidmet war. Dies ist das ideale Repertoire für Countertenöre.Ein Countertenor kann im ungünstigsten Fall etwas schrill klingen, doch in dieser Hinsicht brauchte man sich bei Roman Vereshagin keine Sorgen zu machen. In einer langsamen Scarlatti-Arie zelebrierte er die Kunst des Belcanto und nahm die Zuhörer durch einen weichen, mühelosen Ansatz und einen ganz natürlichen Fluss der Stimme für sich ein. Daneben hatte er Arien aus den Opern „Orlando furioso“ von Vivaldi und Händel mitgebracht, in denen er der Virtuositätsverliebtheit des Barocks ausgiebig frönen durfte.
Ebenso beeindruckend war die Vorstellung von Alisa Miseva: Ihre reich timbrierte Stimme verfügt über die volle Mittellage eines Mezzosoprans und die Höhensicherheit eines Soprans. Die Bach-Arie aus dem „Magnificat“ erfüllte sie in fast opernhafter Manier mit Ausdruck. Mit großem Einfühlungsvermögen und hoher Intensität gestaltete sie die lyrische Händel-Arie aus der Oper „Xerxes“ und das „Amen-Halleluja“. Wie gut die Stimmen bei aller Unterschiedlichkeit harmonierten, war in den Duetten aus Pergolesis „Stabat Mater“ zu hören. Im zweiten Teil standen russische Kompositionen auf dem Programm. Tatjana Glasinina war für die perfekt ergänzende Klavierbegleitung verantwortlich. Mit viel Emphase sang Alisa Miseva ein melancholisch getöntes Liebeslied und eine Romanze von Glinka, und sie kostete die Steigerungen von Tempo und Lautstärke im Volkslied „Katjuscha“ genüsslich aus.
