Die Unterschrift unter den Vertrag für die Klinikfusion im Kreis Konstanz ist kaum trocken, da holt den Hegau-Bodensee-Hochrhein-Klinikverbund (HBH) die Vergangenheit ein: Vergangenes Jahr hatte der HBH die hoch verschuldete Hochrhein-Eggberg-Klinik Bad Säckingen an die Deutsche Kliniken Holding (DKH) verkauft. Dabei sollen laut einem Bericht der Stuttgarter Zeitung mehrere Millionen Euro geflossen sein – und zwar an den Käufer.
Die Stuttgarter Zeitung berichtet von einem „Verkauf zu Traumkonditionen“. Peter Paul Gardosch von Krosigk, Hauptgesellschafter der DKH, habe nicht nur die Klinik für einen Euro übernommen. Zusätzlich habe die HBH-Klinikum GmbH Singen rund 20 Millionen Euro oben drauf gelegt – unter anderem zur Entschuldung des Hauses sowie für weitere Investitionen.
Peter Paul Gardosch von Krosigk gibt zu den Darstellungen der Stuttgarter Zeitung mit Verweis auf eine Verschwiegenheitserklärung, die alle Beteiligten vor Beginn der Verkaufsverhandlungen unterzeichnet hatten, keinen Kommentar ab. Nur so viel: Seit der Übernahme der Klinik durch die DKH habe sich einiges zum Besseren gewandt: „Die Mitarbeiter arbeiten hart und mit großem Engagement. Nach Jahren der Verunsicherung schöpfen wir allmählich wieder Zuversicht.“ Die Zahl der Betten-Belegungen sei ebenso gestiegen wie die Attraktivität der Hochrhein-Eggberg-Klinik als Arbeitsplatz: „Wir sind auf einem guten Weg, aber es steht noch viel Arbeit bevor“, so Gardosch.
Der Aufsichtsratsvorsitzende des HBH-Klinikverbunds und Oberbürgermeister von Singen, Oliver Ehret, hält dagegen: Es seien nicht 20 Millionen Euro als Beigabe zum Verkauf seitens des HBH-Verbunds geflossen. Stattdessen wurden knapp 16 Millionen Euro an Krediten und Instandhaltungskosten übernommen, so Ehret. Das Geld hatte der HBH-Verbund allein aufgebracht, wie Ehret sagt. Die Tourismus GmbH als fünfprozentiger Gesellschafter der Klinik hatte zusätzliche Zahlungen strikt, und letztlich mit Erfolg, abgelehnt.
Dennoch wittert Oliver Ehret hinter den jüngsten Berichten eine Art verspätete Retourkutsche seitens des St. Vincentiusvereins Bad Säckingen (siehe neben stehenden Beitrag). Denn: Während der Verkaufsphase hatte der Verein, Betreiber des Marienhauses und des Rehaklinikums Bad Säckingen, ebenfalls für eine Übernahme der Hochrhein-Eggberg-Klinik interessiert. Wie der Geschäftsführer des St. Vincentiusvereins, Eberhard Wolf, auf SÜDKURIER-Nachfrage erklärt, habe der Verein sogar ein Konzept vorgelegt. Ein konkretes Angebot habe es jedoch nicht gegeben: „Die Kosten haben uns abgeschreckt.“ Wenn er jedoch die Zahlen sehe, die in der Stuttgarter Zeitung genannt werden, sei er durchaus erstaunt: „Das wäre für uns sicherlich auch interessant gewesen. Wir hätten auch zu weniger guten Bedingungen ja gesagt.“
Für die Tourismus GmbH Bad Säckingen war der Verkauf der Anteile der Hochrhein-Eggberg-Klinik laut Tourismusdirektor Bernhard Mosandl „eine sehr gute Geschichte“. Mit Tourismus hätte diese Beteiligung an einer Klinik ohnehin nichts zu tun gehabt, außerdem fallen die finanziellen Lasten weg: „Wir sind froh, dass wir aus dem Klinikgeschäft draußen sind“, so Mosandl.
Der Landkreis Waldshut, bis Ende 2010 Minderheitsgesellschafter des HBH-Klinikverbunds, hatte mit dem Verkauf der Hochrhein-Eggberg-Klinik nach Angaben von Landrat Tilman Bollacher nichts zu tun. „Wir waren zum Zeitpunkt des Verkaufs schon aus dem HBH draußen“, erklärte der Landrat gestern. Der Verkauf der Reha-Kliniken ist erst im Februar 2011 in der Gesellschafterversammlung beschlossen worden und im Mai über die Bühne gegangen. Der Landkreis Waldshut gehörte dem Verbund als Gesellschafter seit 2004 an und war zum 31. Dezember 2010 ausgeschieden.
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