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Bad Säckingen Hinter den Kulissen eines Integrationskurses

Volkshochschule bietet seit 2005 Integrationskurse an. Voraussetzung für deutsche Staatsbürgerschaft. Teilnehmer der 20. Auflage schildern ihre Beweggründe und Erfahrungen.

Wie definiert sich Integration: Wann genau ist ein Ausländer integriert? Wenn er oder sie in Deutschland zur Schule gegangen ist? Sobald er die deutsche Sprache beherrscht oder einen deutschen Pass besitzt? Und trifft dies alles zu, hat er sein neues Leben als Deutscher dann bereits verinnerlicht? Für manchen Migranten bedeutet der Entschluss, nach Deutschland zu kommen, ein komplett neues Leben zu führen, als hätte das alte nie existiert.

Die Volkshochschule Bad Säckingen bietet seit 2005 Integrationskurse für Ausländer an. Im jetzigen Kurs, es ist mittlerweile der 20., sind 20 Teilnehmer aus aller Herren Länder. Für einen von ihnen bedeutet das Leben hier, in Sicherheit zu sein. Der Mann aus Schanghai, China – von Beruf Automechaniker – möchte nicht, dass sein Name genannt wird. Er wurde politisch verfolgt und ist nur knapp dem Gefängnis entronnen. Er konnte sich durch eine abenteuerliche Flucht nach Deutschland retten. Hier fühlt sich der gebürtige Chinese sicher. Sein Asylantrag wurde genehmigt und er hat jetzt eine Aufenthaltsgenehmigung. Nach dem Kurs möchte er sich hier eine Arbeit suchen, zurück nach China würde er nur gehen, wenn es dort demokratisch werden würde. Seiner Schwester, die ebenfalls in Schanghai lebt, konnte er aus Sicherheitsgründen nichts von seiner Flucht sagen, und sie weiß bis heute nichts davon, dass er hier lebt.

Die Gründe, warum die einzelnen Teilnehmer einen Integrationskurs besuchen, sind vielschichtig. Viele machen ihn freiwillig, weil sie die deutsche Sprache lernen wollen, aber die meisten besuchen ihn, weil sie es müssen. Ausländer ohne deutsche Sprachkenntnisse sind auf dem Arbeitsmarkt nur schwer vermittelbar. Nur Kursteilnehmer mit der sogenannten B1-Prüfung mit anschließendem Einbürgerungstest sind berechtigt, einen deutschen Pass zu beantragen.

Gladys Zelaya de Wendt (36) aus Paraquay, von Beruf Verkäuferin, ist aus Liebe hier, denn sie ist dem Mann ihres Herzens, der in ihrem Heimatort gearbeitet hat, gefolgt. Mit Hilfe des Kurses möchte sie wieder einen Job finden, sie hat zuvor in einem Hotel gearbeitet. Manchmal lernt eine Ausländerin aber auch bei einem Verwandtenbesuch in Deutschland ihren Zukünftigen kennen, so wie Hanae Ray (23) aus Marokko, als sie ihre Schwester besuchte. Die Freundin ihrer Schwester war eine Arbeitskollegin ihres zukünftigen Mannes, als alle zusammen ausgingen, hat es gefunkt.

Die Integrationskurse, die von September bis Juli dauern, sind immer gut besucht. Susann Khawaya (46), die Kursleiterin, deren Mann aus Pakistan stammt, hat zwei Jahre in China gelebt. Sie findet es schade, dass nicht mehr Kursstunden zur Verfügung stehen, denn das Wissen, das sich die Kursteilnehmer aneignen müssen, ist immens. Die jüngeren Kursteilnehmer schaffen es eher als die älteren. Die Lehrerin bedauert: „Es bestehen nie alle, nur rund 50 bis 60 Prozent.“ Wer die Prüfung nicht schafft, bekommt nochmals 300 Stunden. „Immer mehr junge Leute aus Europa, speziell aus Osteuropa, sind hier und versuchen ihr Glück.“

Antonia Kaal (31) aus Russland, von Beruf Grundschullehrerin, lernte ihren deutschen Mann, der selbst bereits 20 Jahre in Russland gelebt hatte, in ihrer Heimat kennen, als er dort arbeitete. Antonia möchte hierbleiben, sie schätzt an Deutschland besonders die Mülltrennung und die Sauberkeit. Sie sagt: „Ich finde die vielen Regeln und die Disziplin super.“ Ist sie schon integriert, hat sie die typisch deutschen Tugenden schon verinnerlicht?

Samarn Kabatek (51) aus Thailand, ist seit 23 Jahren mit einem Deutschen verheiratet. Sie besuchte damals ihre Schwester und ihren Neffen und hatte ihren Zukünftigen auf einem Sommerfest in Bad Säckingen kennengelernt. Samarn spricht kein Englisch, ihr Mann kein Thai. Sie hat sich daher entschlossen, den Integrationskurs zu besuchen, um endlich richtig Deutsch zu lernen und vielleicht auch einen Job zu finden. Dass Integration funktionieren kann, wenn der Wille vorhanden ist, zeigt sich laut Monika Uhrig, Leiterin der Geschäftsstelle Bad Säckingen, immer wieder. So bekamen Teilnehmer aus Kolumbien und Afrika, die erst seit kurzem hier waren, die Möglichkeit, eine Ausbildung zu machen. Eine Kenianerin aus dem letzten Kurs macht jetzt eine Lehre als Krankenschwester, erzählt Monika Uhrig. Ihrer Meinung nach bewähren sich die Kurse, da viele dadurch einen Job finden konnten.

VHS-Leiter kritisiert bürokratische Hürden

Die Integrationskurse der Volkshochschule sind immer komplett ausgebucht. Um den vielen Anfragen der Ausländer nachzukommen, müsste die VHS einen zweiten Kurs anbieten. Dies wird jedoch laut Winfried Schidlo, dem Leiter der VHS, vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge in Würzburg erschwert. Dozenten für Integrationskurse müssen Deutsch als Fremdsprache studiert haben. Zusätzlich müssen sie Lehrgänge absolvieren. Laut Schidlo gibt es eine Dozentin, doch für das Bundesamt erfüllt sie nicht alle Kriterien. Nach deren Anforderungen müsste die Wunschkandidatin noch an einer sogenannten „unverkürzten Zusatzqualifizierung“ teilnehmen. Schidlo ist frustriert über die „bürokratischen Hürden“. Schidlo argumentiert: „Wir sollen die Leute mit offenen Armen empfangen und geben uns alle Mühe, diese Kurse auch durchzuführen.“ „Mangels Dozenten müssen wir die Leute vertrösten und das Ergebnis ist, dass sie nicht eingegliedert werden können, sondern zu Sozialhilfeempfängern werden.“ Als Beispiel nennt Schidlo eine Putzfrau, die wegen mangelnder Sprachkenntnisse entlassen wurde, da sie die Erklä rungen ihres Chefs nicht verstand.

Integrationskurse

Die Volkshochschule Bad Säckingen bietet seit neun Jahren Integrationskurse an. Außer dem B1-Kurs, einem Sprachkurs, müssen Ausländer zusätzlich noch einen Orientierungskurs besuchen, in dem sie alles über ihre Rechte und Pflichten in Deutschland, über die Geschichte, Politik, Geographie und Kultur erfahren. Die B1-Prüfung findet schriftlich und mündlich statt. Beim Einbürgerungstest werden aus 300 Fragen über Deutschland und zehn Fragen über Baden-Württemberg 33 Fragen gestellt, von denen 17 richtig beantwortet werden müssen.

Kontakt: VHS Bad Säckingen, Friedrichstraße, 33, Telefon 07761/21 01. Leiterin der Geschäftsstelle: Monika Uhrig. VHS-Leiter: Winfried Schidlo. E-Mail: verwaltung@vhs-bad-saeckingen.de

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