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Bad Säckingen Förderverein Spital kritisiert geplante Krankenhausfusion

Die Diskussion um die Krankenhausreform im Landkreis legt an Schärfe zu. Thorsten Brotz, Vorsitzender des Fördervereins Spital Bad Säckingen, kritisiert in deutlichen Worten die geplante Schließung des Bad Säckinger Krankenhauses. Waldshuts Oberbürgermeister Martin Albers kontert mit Deutlichkeit.

In einem offenen Brief an Landrat Martin Kistler und den Waldshuter OB Martin Albers, auch Vorsitzender der Gesellschafterversammlung der Spitäler Hochrhein GmbH, schreibt Brotz, der Förderverein sei „geschockt“ von der Nachricht, die beiden Spitäler Bad Säckingen und Waldshut an einem neuen Standort zu fusionieren. OB Martin Albers antwortete binnen weniger Stunden ebenso deutlich. Die Kritik von Brotz und die Antworten von Albers hier in Auszügen.

1. Zusammenlegung der Spitäler: Der Förderverein bezweifelt den Sinn einer Spitälerfusion, schreibt Thorsten Brotz. Er verweist auf die Erfahrungen durch die Schließung der Geburtenstation in Bad Säckingen. Die Geburtenzahlen in Waldshut seien damit nicht wie erwartet gestiegen. Ergebnis sei nur eine „Verschlechterung der Gesundheitsversorgung für Schwangere im westlichen Landkreis“. Martin Albers wirft Brotz vor, dem Förderverein gehe es nicht um einen Dialog, sondern darum, dass eine Stellungnahme des Vereins in der Zeitung steht. „Sie bezweifeln den Sinn der zur Diskussion gestellten Lösung, ehe Sie Landrat Kistler oder mich angehört haben“, so Albers.

2. Transparenz: Deutlich kritisiert der Förderverein auch das nicht-öffentliche Vorgehen. Thorsten Brotz: „Wir sind sehr besorgt darüber, dass die Bürgermeister Thater und Guhl als gewählte Vertreter der größten Gemeinden im westlichen Landkreis von den Socken waren, als sie von dem Gutachten erfahren haben.“ Gleichermaßen wundert sich Brotz, dass Volksvertreter nicht von Beginn an in das Verfahren eingebunden worden seien. Auch zwischenzeitlich angesprochene Kreisräte hätten eingeräumt, dass ihnen das Gutachten bislang nicht zur Verfügung gestellt worden sei.

Es liege derzeit nur eine „Folienpräsentation“ des Gutachtens vor, antwortet Martin Albers – sowohl dem Landrat als auch ihm. Die Bürgermeister Thater und Guhl seien als Mitglieder der Gesellschafterversammlung aber informiert gewesen. Deren Vorgänger in der Gesellschafterversammlung, Dietmar Sutter und Peter Weiß, hätten im vergangenen Jahr die Beauftragung des Gutachters mitbeschlossen. Laut Albers habe man die Ideen des Gutachters zunächst in den Ausschüssen beraten wollen, dann mit der Ärzteschaft der beiden Spitäler und mit den betreffenden Gemeinderäten, um dann an die Öffentlichkeit zu gehen.

3. Das Zweitgutachten: „Warum soll nun ein weiteres Gutachten erstellt werden“, fragt Thorsten Brotz, „das sich mit der Möglichkeit des Erhalts der Standorte Bad Säckingen und Waldshut befasst.“ Und er stellt gleichzeitig die Frage, ob diesem Aspekt im ersten Gutachten womöglich zu wenig Beachtung geschenkt oder Fehler gemacht wurden“. Die gutachterliche Untersuchung zum Erhalt beider Standorte sieht zumindest Martin Albers als ausreichend an. „Aber eine Mehrheit möchte doch lieber, dass ein zweiter Gutachter der Frage noch einmal nachgeht“, so Albers. Er habe dafür Verständnis, „weil viele Kollegen nicht so in der Materie drin sind.“ Dieser Umstand sei aber kein Grund, das erste Gutachten abzuqualifizieren.

4. Wirtschaftlichkeit: Den enormen Kostendruck und die personellen Probleme sieht Thorsten Brotz durchaus auch. Er fragt sich allerdings, ob man darauf nur mit marktwirtschaftlichen Instrumenten reagieren darf. Im Landkreis ähnliche Maßstäbe anzusetzen wie in Ballungsräumen führe zwangsläufig zur Benachteiligung des ländlichen Raumes, so Brotz. Die Diskussion um die Zusammenlegung der beiden Standorte Waldshut und Bad Säckingen sei ein weiteres Zeichen verfehlter Gesundheitspolitik. Martin Albers rät Brotz, sich in dieser Sache an die Bundestagsabgeordneten zu wenden, macht ihm aber wenig Mut. Es stehe schlichtweg nicht ausreichend Personal zur Verfügung, um an beiden Standorten weiterhin die gewünschten Leistungen zu erbringen. Der Fachkräftemangel sei zudem eines der „tragenden Argumente der Ärzte für ein gemeinsames Haus“, so Albers. Im Übrigen wundert sich der OB, dass der Förderverein eine Stellungnahme abgebe, ohne dies zuvor mit der Ärzteschaft im Spital diskutiert zu haben.

5. Weiteres Verfahren: Der Förderverein hält die angedachte Lösung für eine klare Fehlentwicklung. Thorsten Brotz: „Unsere Aufgabe ist es, darauf hinzuweisen.“ Er fordert die Verantwortlichen im Weiteren zu einer offenen Diskussion auf. Die Bürger sollen nicht vor vollendete Tatsachen gestellt werden. Martin Albers macht in seiner Entgegnung deutlich, dass er kaum einen anderen Weg als die Zusammenlegung sieht. „Wir werden für diese Idee werben“, so Albers, sonst werde am Ende nur noch der Standort Waldshut als Portalkrankenhaus übrig bleiben.

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