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Bad Säckingen Der Landarzt als bedrohte Art

27.03.2010


Der Landarzt als bedrohte Art: 54 Prozent der niedergelassenen Mediziner in der Region sind über 55 Jahre alt. Ihr Problem: Sie finden so gut wie keinen Nachfolger.

Bad Säckingen/Hochrhein – Der Landarzt als bedrohte Art: 54 Prozent der niedergelassenen Mediziner in der Region sind über 55 Jahre alt. Ihr Problem: Sie finden so gut wie keinen Nachfolger. „Mit 38 Euro pro Patient im Quartal lässt sich eine Praxis nicht betriebswirtschaftlich führen, und schon gar nicht durch einen jungen Nachfolger, der die Übernahme abbezahlen muss“, sagt Landarzt Rolf Joist aus Willaringen, 60. Joist schildert die Situation krass: „Heute kriegen Sie keinen Nachfolger für eine Praxis mehr, nicht einmal geschenkt.“ Seit drei Jahren ist Rolf Joist auf der Suche nach einem jungen Arzt, der einsteigt und die Praxis später allein führt. Joist selbst hat vor zwölf Jahren eine sechsstellige Summe für seinen Arbeitsplatz aufwenden müssen. Der Arzt: „Die Lage ist dramatisch.“

Besonders genau hat sich der Landarzt Olaf Boettcher aus Herrischried mit seiner Situation und der seiner Kollegen befasst. Als Vorsitzender des Medizinischen Regioverbunds (MRV), in dem sich bisher 139 Praxen organisiert haben, macht er eine einfache Rechnung auf: Mehr Menschen werden immer älter, also auch behandlungsbedürftiger. Die Zahl der Ärzte aber gehe schnell zurück. 32 Prozent in der Region hören demnächst auf und haben keinen Nachfolger. Boettchers Vorwurf: Die Politik habe „die medizinische Versorgung auf dem Land zerstört“.

Als Inhaber einer Lehrpraxis hat Olaf Boettcher, mit 52 Jahren einer der jüngeren Ärzte in der Region, rund 50 junge Ärzte weitergebildet. „Nur zwei wollten Allgemeinarzt werden“, erzählt Boettcher. Rund 60 Patientenkontakte habe ein Landarzt am Tag. „Wenn der Doktor auf dem land wegfällt, wer deckt die Hausbesuche ab? Wie kommen die Patienten ins Versorgungszentrum?“

Zentrale Praxen, so genannte Medizinische Versorgungszentren, wären ein – allerdings schmerzhafter – Weg aus der Landarzt-Krise. Die Patienten müssen weite Wege in Kauf nehmen, wenn der Doktor im Ort wegfällt. Doch, so Boettcher: „Für solche Großpraxen, vielleicht mit Filialen, brauchen wir Geld.“

Besonders deutlich wird die Situation bei den Notärzten, von denen Olaf Boettcher („Ich bin gerne Notarzt“) einer ist. Eine sogenannte „zweite Linie“, also ein Ersatz-Notarzt, wenn der erste im Einsatz ist, ist kaum zu finden. Auch das Bad Säckinger Krankenhaus beteilige sich hier personalbedingt immer weniger und könne oft nicht einmal die erste Notarzt-Schiene bedienen. „Eine Katastrophe“, sagt Olaf Boettcher, der mit seinen Notarzteinsätzen seine Praxis finanziell stützt. Von einer „katastrophalen Entwicklung“ spricht auch der Bad Säckinger Allgemeinarzt Christoph Baumgartner. Er hat 2007/8 die Praxis von Rainer Kaskel übernommen und gehört mit 49 Jahren zu den jungen Ärzten.

Speziell das Bad Säckinger Krankenhaus ist bei einem zunehmenden Rückgang der Ärztezahl stärker gefordert. Laut Olaf Boettcher muss dazu angesichts von mehr Patienten auch das Personal wachsen. Der Medizinische Regioverbund (MRV) arbeitet derzeit an einem Konzept. Dazu gehört auch, die Arbeitsbedingungen für Ärzte von außerhalb atttrakiv zu machen.

Der Befürchtung Olaf Boettchers, das Bad Säckinger Kreiskrankenhaus werde geschlossen, trat jetzt Landrat Tilman Bollacher entgegen. Er gab, unter Berufung auf das Sozialministerium, auf Anfrage eine Bestandsgarantie.

Siehe Interview

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