Bad Säckingen Das schwierige Coming-Out

Bad Säckingen – Die Phase, in der ein junger Mensch entdeckt, dass er sich zum eigenen Geschlecht hingezogen fühlt, ist oft mit Unsicherheiten und Ängsten behaftet. In dieser Zeit der Identitätsfindung brauchen Jugendliche reale oder auch fiktive Vorbilder, an denen sie sich orientieren können.

Unter Anleitung von Falk Steinborn (hinten links) drehten die Jugendlichen einen Kurzfilm zum Thema Homosexualität.
Unter Anleitung von Falk Steinborn (hinten links) drehten die Jugendlichen einen Kurzfilm zum Thema Homosexualität. | Bild: Bild: Gottstein

Diese finden sie beim Fernsehmagazin „Queerblick“ aus Dortmund, dessen Mitarbeiter Falk Steinborn am Wochenende zu Gast im Jugendhaus war, um mit jungen Erwachsenen einen schwul-lesbischen Kurzfilm zu drehen.

Weil das Jugendhaus alle 14 Tage ein schwul-lesbisches Café anbietet und nach den Ferien ein Schulprojekt zum Thema Umgang mit Homophobie veranstaltet, war Jugendhausmitarbeiterin Katja Glaus auf Recherche im Internet und stieß dabei auf das Dortmunder Fernsehmagazin. Spontan sagte der 24-jährige Falk Steinborn, der in Dortmund Germanistik, Journalistik und Filmwissenschaft studiert und ehrenamtlich bei Queerblick arbeitet, zu, in den „Wilden Südwesten“ zu kommen.

Die vier jungen Erwachsenen Uria Eckhardt, Nina Schwab, Andreas Bühler und Simon Schäfer aus Wehr, Bad Säckingen und Rheinfelden hatten sich zu dem Projekt angemeldet, fachlich begleitet wurden sie von den Jugendhausmitarbeitern Katja Glaus und Andreas Dickerhof sowie der Praktikantin Marion Homburger. Die vier Teilnehmer haben ihr Coming-out bereits hinter sich und berichteten übereinstimmend, dass sie in ihrem Umfeld nicht auf Ablehnung gestoßen seien. Damit widerlegten sie das Klischee, dass Homosexuelle im ländlichen Raum auf besonders viele Vorurteile stoßen und ihre Neigungen verstecken müssen, um nicht geächtet zu werden.

Von der leicht morbiden Atmosphäre des Alten Gefängnisses zeigte sich Falk Steinborn begeistert: „Die historische Architektur, die dunklen Gänge, der Geruch sprechen die Sinne an und sind wie geschaffen für eine Filmkulisse.“ Schnell war klar, dass der Kurzfilm im Gefängnis spielen soll, wobei der Kerker als Symbol für die Gefangenheit in Konventionen dient. Doch Kreativität erfordert auch handwerkliches Rüstzeug, daher mussten die Teilnehmer erst lernen, wie man mit der Kamera umgeht, wie man Licht, Farben und Ton einsetzt und welche Aussagen mit bestimmten Kameraeinstellungen verbunden sind. Am Samstagvormittag entwarfen sie das Drehbuch, anschließend machten sie sich Gedanken über die szenische Umsetzung, und der Dreh der ersten Szenen zog sich bis nach 21 Uhr hin. „Es war im positiven Sinne anstrengend“, meinte Falk Steinborn.

Am Sonntag drehten sie die letzten Szenen, anschließend wurde der Film geschnitten. Das dreiminütige Werk zeigt einen jungen Mann, der mit seiner Freundin an der Bar des Jugendhauses sitzt. Sein Blick fällt auf zwei homosexuelle Männer, und die suggestive Nahaufnahme seines Gesichts macht deutlich, dass er mehr als nur platonisches Interesse für einen von ihnen hegt. Seine innere Problematik wird in einem Tagtraum gespiegelt: Er befindet sich in einer Gefängniszelle und rüttelt verzweifelt an der Tür. Durch das Fenster reicht ihm der schwule Mann einen Schlüssel, so dass er das Schloss öffnen und seinem Angehimmelten um den Hals fallen kann. Die in der Fantasie vorweg genommene Befreiung von den Konventionen und das Bekenntnis zu seiner sexuellen Identität setzt er anschließend in der Realität um und verlässt seine Freundin.

Die Teilnehmer hatten Spaß an dem Film. „Wir hoffen, dass wir damit Jugendliche erreichen und ihnen in der Phase ihres Coming-outs Denkanstöße geben können.“

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