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Bogen von Barock bis Pop

30.11.2004
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Einen weiten Bogen von der Barockmusik bis zu einem "Pop-Oratorium" spannten der Kammerchor Bad Säckingen und der Gospelchor des Scheffelgymnasiums bei ihrem sehr gut besuchten Adventskonzert in der Heilig-Kreuz-Kirche.

Der von Wolfgang Haller geleitete Kammerchor hatte sich Bachs frühe Kantate "Nun komm, der Heiden Heiland" ausgesucht. Das kleine Streichorchester fand im Largo nach anfänglichen minimalen Unsicherheiten rasch zu einem beweglichen und transparenten Spiel.

Die Chorstimmen setzten nacheinander ein, bevor sie im Mittelteil die Führung übernahmen und in reichen Koloraturen die Geburt Christi besangen. Wie auch in dem heiteren Schlusssatz bewies der Chor seine technische Sicherheit und dezente, einfühlsame Charakterisierungskunst, die Stimmen klangen sauber und unangestrengt, die Stimmlagen waren recht ausgewogen besetzt. Karl-Heinz Brandt war ein Bach-Tenor wie man ihn sich vorstellt: Seine schlanke Stimme sprach mühelos bis in die Höhenlagen an und wirkte sehr einheitlich und angenehm zurückhaltend timbriert.

Josef Robrecht erwies sich in dem von Pizzicato-Akkorden begleiteten Rezitativ als ein sehr kultivierter Bassist. Die lyrische Sopranistin Dorothea Rieger legte in die "Öffne dich"-Rufe ein kleines Crescendo und unterstrich so den innigen Charakter dieser Arie.

In seinem "Magnificat" bediente sich Vivaldi einer Fülle von Chiffren barocker musikalischer Rhetorik. Ein durch gezielt eingestreute Dissonanzen spannungsreicher Einleitungssatz mündete in ein Solistenquartett, in dem reiche Koloraturgirlanden das Frohlocken des Geistes versinnbildlichten. Zu den bewährten Solisten trat mit Barbara Ostertag eine Altistin von großer, wenngleich sorgsam gebändigter Stimmfülle.

Eine großartige Wirkung entfalteten der vierte und fünfte Abschnitt, in denen durch expressiv-flackernde Streichertremoli und ein machtvolles Unisono des Chores die Strafgewalt Gottes besungen wurde. Der Schlusssatz war wieder ein Musterbeispiel komplexer Musikarchitektur, die ein langsam abfallendes Motiv auf "Amen" mit dem leidenschaftlich bewegten Hauptthema verknüpfte. Ein kleiner Ausschnitt aus Mendelssohn-Bartholdys Oratorium "Christus" stand Pate für die romantische Literatur.

Der Gospelchor des Gymnasiums hat sich zu einer festen Größe im Musikleben gemausert. Begleitet von Stefan Kreutz (Klavier), Stefan Becker (Schlagzeug) und Harald Tröndle (Bass) führten die Schüler unter Leitung von Volker Weidt vier Gospels auf, die dank eingängiger Melodien und des spontan wirkenden Wechsels zwischen Vorsängern und Chor offenbar auch die heutige Jugend für religiöse Lieder begeistern können, auch wenn dem Chor beinahe eine Männerquote zu wünschen wäre. In den Ausschnitten aus dem Pop-Oratorium "Eversmiling Liberty" fand sich eine ganze Riege Mutiger, die aus der Anonymität der Masse ins Rampenlicht hervortraten.

Zum Schluss wagte sich der Gospelchor zumindest halbwegs auf barockes Terrain, indem er das bekannte "Halleluja" aus Händels "Messias" in einer rhythmisch und harmonisch modernisierten Fassung aufführte.

Bad Säckingen
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