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Bad Säckingen Bahnfahren am Hochrhein – ein Abenteuer

29.06.2012
Bad Säckingen -  An der Hochrhein-Strecke ist ein Interregio-Zug bei 32 Grad eine Dreiviertelstunde auf offener Strecke liegengeblieben. Ein Bericht mitten aus der schwitzenden Menge.

An der Hochrhein-Strecke ist ein Interregio-Zug bei 32 Grad eine Dreiviertelstunde auf offener Strecke liegengeblieben (Archivbild).  Bild: sk

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Der Interregio mit Start um 16.43 Uhr ab Basel mit Ziel in Richtung Ulm ist voll besetzt. Kunstfreunde, die in Basel Ausstellungen besucht haben, mischen sich mit Jugendgruppen, die zum Zelten fahren und mit müden Pendlern, die nach der Arbeit nach Hause wollen. Dann, um kurz nach 17 Uhr, kurz vor Säckingen: Ein Ruck, der Zug bleibt abrupt stehen. Ein paar Minuten vergehen, dann die Durchsage: „Die Weiterfahrt des Zuges verzögert sich auf unbestimmte Zeit.“

Wie bitte? Die Leute brechen in ungläubiges Gelächter aus. Ansonsten tut sich wenig. Die Bahn-Mitarbeiter hetzen durch den Zug und draußen am Gleis entlang, sind sichtlich bemüht, den Zug wieder flott zu machen, aber weitere Informationen gibt es nicht. Die Minuten verstreichen, es wird wärmer, aber die Klimaanlage läuft noch ein bisschen. Ein paar Leute steigen aus, trotz der Durchsage, dass das auf offener Strecke lebensgefährlich sei.

Die Minuten verrinnen, der Zug steht mitten auf freier Strecke. Das Unbehagen der Menschen wird fühlbar. Noch einmal die zuvor belachte Durchsage, dann fährt der Zug ruckelnd an, bleibt wieder stehen. 20 Minuten, eine halbe Stunde. Die Stimmung ist freundlich, man hört wenig Gemoser. Aber man hört auch Unwillen, warum die Informationen der Bahn nicht besser sind.

Nach einer Dreiviertelstunde fährt der Zug erneut an und erreicht den Bahnhof Bad Säckingen. Ein Mann steht den Tränen nahe am Ausgang. Er wollte zu einem Vorstellungsgespräch, das er nun versäumt. Das Bahnpersonal entschuldigt sich für die Verzögerung. Im vorderen Zugteil ist auch noch die Klimaanlage ausgefallen. Und das bei 32 Grad Außentemperatur.

Ein Bahn-Mitarbeiter, der an Bord, aber nicht im Dienst ist, versucht die spärlichen Informationen zu erklären: Oft wüssten die Bahn-Mitarbeiter am Anfang selbst nicht, was kaputt sei. Der Zugführer könne einfache Arbeiten erledigen, sei aber kein Mechaniker. Man versuche dann, die Rechner rauf und runter zu fahren, aber viel mehr könne der Zugführer häufig nicht tun.

In Bad Säckingen steigen einige aus: Sie wollen dem Zug, der noch bis nach Waldshut weiterfahren soll, nicht mehr vertrauen. Lieber warten, bis der nächste Zug aus Basel kommt. Verpflegung wird gebunkert, man unterhält sich bei Bier, Currywurst und Laugenstange. Das gemeinsame Ungemach schweißt zusammen. Am übelsten dran ist eine junge Frau, die noch nach München muss. Sie hätte in Ulm umsteigen wollen. Für sie wird es spät heute Abend. Sie nimmt’s aber gefasst: „Mit dem Auto kann auch was passieren“, sagt sie.

Ab Säckingen geht es dann mit dem Nachfolgezug weiter. Eindreiviertel Stunden beträgt die Verspätung auf der Strecke Basel-Radolfzell am Ende. Am nächsten Morgen klärt sich, was den Zug auf offener Strecke gestoppt hat: Bremsen, die auslösten und sich dann zunächst nicht mehr öffnen ließen, wie ein Bahnsprecher in Stuttgart berichtet.

Die Hitze sei nicht schuld gewesen, auch die Neigetechnik nicht. Moderne Züge seien komplexe Gebilde, bei Störungen sei es „schwer abzuschätzen“, wie lange diese dauern. Der Zugführer stehe in telefonischem Kontakt mit Bahntechnikern, die Tipps geben, wie der Fehler zu beheben sein könnte.

Eine bockende Bremse: Schwitzen und Stress für 300 Bahnfahrer und Zugbegleiter. Und die Erkenntnis, dass Zugfahrten, die reibungslos und pünktlich verlaufen, viel weniger in Erinnerung bleiben als solche, in der die Technik richtige Überraschungen bietet.

Mit der Bahn...
...ist das nun schon seit Jahren ein Trauerspiel bzw. schildbürgerliches Theater. mehr ...
Früher war alles besser ;-)
Die Züge technisch weniger anfällig - solide Mechanik und weniger Elektronik. mehr ...
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