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Bad Säckingen Abzocke mit Anzeigen: Opfer aus Bad Säckingen

10.12.2008
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Die Masche dieser Unternehmen ist einfach: Sie besorgen sich offizielle Broschüren und rufen die Inserenten an. Unter Verweis auf neue oder Folgeaufträge faxen sie einen „Korrekturabzug". Der entpuppt sich als Auftrag. Murger und Bad Säckinger sind betroffen.

Bad Säckingen – In der Bad Säckinger Stadt-Apotheke herrscht Hochbetrieb. Mitten im Stress des Wochenendgeschäftes klingelt das Telefon. Apothekerin Rosemarie Boos-Baumgartner erinnert sich noch gut an den Anruf an jenem Juli-Tag, der sie über 1300 Euro kosten sollte. „Eine Frau Schubert von einer Schweizer Firma rief an wegen meiner Anzeige in einer Bürgerinfobroschüre Umwelt. Ich sollte einen Datenabgleich der Anzeige per Fax bestätigen für eine Veröffentlichung“, erzählt die Apothekerin. Sie habe die Frau zunächst abgewimmelt. Doch die Anzeigenverkäuferin ruft wieder an, macht ungeduldig Druck. „Sie hatte so eine dunkle Stimme und sagte, dass es wegen dem Redaktionsschluss eile. Ich solle nur schnell die Angaben und das Logo überprüfen und per Fax bestätigen“, beschreibt Boos-Baumgartner.

Die Daten waren ja in Ordnung und die Anzeige sei ja auch für einen guten Zweck, dachte sich die Apothekerin und fragte nicht weiter nach. Was ihr nicht deutlich erläutert wurde und nur im Kleingedruckten auftauchte: Nicht einmalig, sondern vier Mal würden Folgekosten von jeweils rund 1300 Euro anfallen. So überwies Boos-Baumgartner zunächst den Betrag, ein Belegexemplar erhielt sie jedoch nie. Mitte November erreichte jedoch ein Mahnschreiben der Schweizer Firma den Briefkasten der Stadt-Apotheke, Anfang Dezember kam das zweite. Da suchte sich die Apothekerin Hilfe: „Ich erhob Widerspruch und erstattete Anzeige bei der Polizei. Auch informierte ich die IHK und die gab meinen Fall an den Deutschen Schutzverband gegen Wirtschaftkriminalität weiter.“ Die IHK riet ihr, eine „Anfechtungserklärung wegen arglistiger Täuschung“ an die Schweizer Firma zu schicken. Überhaupt sei diese schwer zu erreichen – Telefon- und Faxnummern würden wechseln. Selbst die Bankverbindung sei auf der Mahnung eine neue gewesen.

Paul Wißler, Sprecher der Polizeidirektion Waldshut-Tiengen, bestätigte den Eingang einer Betrugsanzeige gegen dieses Unternehmen. Es werde ermittelt. „Betrug ist, wenn Geld für eine Leistung verlangt wird, die nicht erbracht wurde“, erklärt er. Bereits der Versuch eines Betruges sei strafbar.

In mehreren Inseraten im deutschsprachigen Internet bezeichnet sich diese Schweizer Firma als „Verleger der auflagenstarken Bürgerinfobroschüre Umwelt“, der behördenunabhängig arbeite. Zu den Vorwürfen war die Geschäftsführung jedoch nicht zu einer Stellungnahme zu erreichen.

Die Kantonspolizei St. Gallen ist für den Ort des Firmensitzes zuständig. Pressesprecher Hans Eggenberger wollte zum Fall keine Angaben machen. Die Masche des Anzeigenschwindels generell sei der Schweizer Polizei aber bekannt: „Solche Betrugsversuche kommen bei der Dienststelle ‚Wirtschaftskriminalität' der Kripo zur Anzeige. Wir warnen die Öffentlichkeit immer wieder, aufmerksam zu sein.“ Das Untersuchungsamt Uznach, einem Außenbetrieb der St. Gallener Staatsanwaltschaft, könnte deutsche Ermittlungen unterstützen. Dort liegen aber noch keine Unterlagen zu diesem Fall vor, wie dem SÜDKURIER auf Anfrage mitgeteilt wurde.

Ähnliche wie Rosemarie Boos-Baumgartner ging es Manfred Kumpf, dem Besitzer der Murgtal-Apotheke, und anderen Murgern Geschäftsleuten. Ebenfalls eine Schweizer Firma hatte versucht, im Namen der offiziellen Info-Broschüre der Gemeinde Murg Geld mit angeblichen erneuten Anzeigen zu machen (wir berichteten). Gezahlt hat der Apotheker nicht: „Besonderes Highlight war, dass sie auch noch eine Einzugsermächtigung wollten.“ Auch er hat Anzeige erstattet, rät Kollegen von Abschlüssen am Telefon dringend ab.

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