Bei Takeda sollen schnelle Entscheidungen fallen, welche 700 Mitarbeiter allein am Standort Konstanz gehen müssen. Am Freitag beginnen die Gespräche mit dem Betriebsrat.
– In der E-Mail wird von einer „Einladung“ die Rede sein, doch in Wirklichkeit ist es eine Vorladung. Gebeten werden die Mitarbeiter zu dem, was Personalchefs Trennungsgespräch nennen. Wann die Aufforderung dazu kommt, weiß noch niemand bei Nycomed/Takeda. In den nächsten Tagen und Wochen wird es kaum sein. Trotzdem lähmt die Angst vor diesem einen entscheidenden Gespräch viele Mitarbeiter in der Byk-Gulden-Straße. Öffentlich mit Namen will niemand hinstehen in dieser Situation. Denn wer mit den Medien redet, hat Angst, auf der Liste ganz oben zu stehen.
Ein von Konstantin von Alvensleben, einem der beiden Deutschland-Chefs des Unternehmens, unterzeichnetes Rundschreiben hat viele Mitarbeiter jedenfalls ziemlich überrascht. „Die weiterhin guten Marktzahlen in beiden Organisationen zeigen, dass Sie mit Engagement Ihrer Arbeit nachgehen“, heißt es darin. Empfänger des Schreibens empfinden ihre Lage anders. Man sitze da „wie das Kaninchen vor der Schlange“, sagt eine Forschungs-Mitarbeiterin. Ein anderer Angestellter hofft nur noch, dass er „wenigstens bald Klarheit über die Bedingungen bekommt“.
Diesen Wunsch immerhin könnte ihm das Unternehmen erfüllen. Am heutigen Freitag, dreieinhalb Wochen nach Bekanntgabe des Stellen-Kahlschlags in Konstanz, beginnen nach Informationen des SÜDKURIER die „Gespräche zur Betriebsänderung“. So heißt das im Fachjargon. Dafür fordern die Arbeitnehmervertreter vor allem umfassende Informationen ein, dann soll über einen so genannten Interessenausgleich und die Verbesserung des bestehenden Sozialplans verhandelt werden. Zentrale Forderung bleibt, wie auch Landrat Frank Hämmerle als Sprecher der regionalen Politiker immer wieder betonte, die noch nicht gesicherte Transfergesellschaft, also eine Auffang-Firma für die Entlassenen mit Angeboten zur Weiterqualifizierung.
Wie gut die Voraussetzungen für solche Gespräche sind, darüber gehen die Meinungen weit auseinander. Jürgen Schneider, Pressesprecher des Unternehmens, bekräftigt, man wolle „die Sozialpartnerschaft fortsetzen“. Mitarbeiter berichten eher davon, dass sie von der Teilnahme an der Protestkundgebung am 24. Januar abgehalten wurden. Die Zeit sei für das Schreiben von Bewerbungen besser investiert, hatten ihre Vorgesetzten ihnen gesagt. Und der Betriebsrat hat ebenfalls Angst vor Behinderungen. Über die Mahnwachen, die jeden Mittwoch von 17 bis 18 Uhr vor dem Werkstor abgehalten werden, informiert er lieber nicht über das Firmen-Intranet: Zu groß ist die Furcht, wegen eines Missbrauchs der Unternehmenstechnik angreifbar zu werden.
Betriebsratsvorsitzender Rolf Benz geht also mit sehr gemischten Gefühlen in die anstehenden Gespräche: „Wir werden“, erklärte er vor dem Auftakt, „bald wissen, ob wir eine offene und konstruktive Verhandlungsatmosphäre herstellen können oder es rauer zur Sache gehen wird.“ Eine Kritik, dass es derzeit nicht offen und konstruktiv zugehe bei Nycomed/Takeda, kann Firmensprecher Schneider aus Benz' Aussage nicht lesen. Es bleibe aber bei dem Ziel, den Großteil der „Personalmaßnahmen“ noch 2012 über die Bühne zu bringen. Auch Konstantin von Alvensleben stimmte die Mitarbeiter auf kurze Verhandlungen mit dem Betriebsrat ein, „eine Einschätzung zur Dauer wäre heute aber Spekulation“, heißt es in seinem Rundschreiben. Wann die „Einladungen“ also verschickt werden, weiß keiner. Allen aber ist klar: Sie werden kommen, und zwar in großer Zahl.
Konstanz