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Weingarten Viola sorgt als Knabe für Verwirrung

08.08.2011


Shakespeare-Komödie „Was ihr wollt“ begeistert Zuschauer bei Klosterfestspielen in Weingarten

Sich unsterblich verlieben, sich nach der Angebeteten verzehren und sich vor lauter Liebe zum Narren machen – die Spielarten des größten Gefühls sind Thema in William Shakespeares unterhaltsamer Komödie „Was ihr wollt“ bei den Klosterfestspielen in Weingarten.

„Sie werden auch in diesem Stück entdecken, dass da einer 1603 das Menschliche beschrieben hat, das 2011 noch immer gilt“, schrieb der kurz vor der Premiere verstorbene Regisseur Klaus Wagner im Programmheft. Dazu trug neben der gelungenen Inszenierung, die Wagners Frau Madeleine Lienhard vollendete, die Wahl der Schauspieler bei, denen die Rollen auf den Leib geschrieben schienen.

Ganz nah dran am Geschehen entging den Zuschauern keine der fein herausgearbeiteten mimischen Regungen. Mit heiterer Leichtigkeit, mal mit spitzbübischem, mal mit derbem Humor unterfüttert, nimmt die Komödie ihren Lauf: Ein Schiffbruch wirft Viola (Eva Krujissen) an den Strand Illyriens. Hier herrscht Herzog Orsino (Brian Lausand), der um die schöne Gräfin Olivia (Undine Schmiedl) wirbt.

In maßloser Trauer um ihren verstorbenen Bruder weist Olivia den Herzog immer wieder ab. Doch dann erscheint ein neuer Bote des Herzogs, der Jüngling Cesario, der in Wahrheit niemand anderes als die verkleidete Viola ist. Olivia verliebt sich Hals über Kopf in Cesario, während die junge Frau in Männerkleidern ihren Herrn liebt, der sie ja für einen Knaben hält.

„Oh Geist der Liebe, du bist wankelmütig“, heißt es schon im ersten Aufzug. Wenn Eva Krujissen auch noch in der Rolle von Violas Zwillingsbruder Sebastian die Bühne betritt ist die Verwirrung perfekt.

Die Nebenfiguren treiben die Handlung weiter voran, und der Hoffnarr (Alexander Kurzwernhart) kommentiert das Geschehen. Der herrlich blasierte Haushofmeister Malvolio (Günter Schoßböck) begehrt die Gräfin ebenso wie der alberne Junker Christoph (Nils Habermacher), der jeder kindischen Regung nachgibt. Auch Kammermädchen Maria (Theresa Hanich) und Junker Tobias (Michael Rast), der nichts mehr liebt als den Suff, treiben das Verwirrspiel voran.

Dazu bevölkern ein Schiffshauptmann (Alexander Altomirianos), diverse Diener, Pfarrer und Kavaliere (alle gespielt von Johannes Pfeifer) die Bühne. Wie gern und wie leicht lassen sich alle täuschen von ihrer eigenen Sehnsucht, die das sehen lässt, was man eben sehen will.

Im Akademiehof hat Regisseur Klaus Wagner extra einen englischen Garten für „Was ihr wollt“ anlegen lassen. Aus der Linde lässt sich den Nebenbuhlern herrlich hinterher spionieren und natürlich ist auch die Fassade des Akademiehofs wieder Teil des Bühnenbilds. Bisher meinte es das Wetter nicht gut mit den Klosterfestspielen und der größte Teil der Aufführungen fand im Haus statt.

Aber das sollte kein Grund sein, sich die Klosterfestspiele entgehen zu lassen. Die Szenerie ist zwar schlichter, aber das Spiel der Akteure ist so dicht, dass die Shakespeare-Komödie ist auf jeden Fall ein Erlebnis ist. Das Publikum honorierte das rasante Spiel zu Recht mit anhaltendem Applaus.

„Was ihr wollt“ wird bis zum 26. August bei den Klosterfestspielen in Weingarten aufgeführt.

Informationen im Internet:

www.klosterfestspiele-weingarten.de

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