Bodenseekreis/Ravensburg Kein Wohnheim-Platz für Rufaro: Quote begrenzt Angebot für Nicht-EU-Studenten

Die WG-Plätze im Studentenwohnheim an der Briachstraße 2 in Weingarten sind begehrt. Olti Cano aus Albanien zog mitten im Semester zu seiner Freundin und wollte seinen Platz an Rufaro aus Zimbabwe weitergeben. Geht nicht, sagte das Studentenwerk "Weiße Rose", denn es gibt Quote von 30 Prozent der Wohnheimplätze für Studenten aus Afrika oder Asien.

Knapp 3300 junge Leute studieren in Weingarten, doch nur für 500 gibt es einen Wohnheimplatz. Alle anderen müssen sich auf dem privaten Wohnungsmarkt eine Bleibe suchen, was den internationalen Studenten besonders schwerfällt. Ein WG-Zimmer mit zehn Quadratmetern für 400 Euro warm inklusive Strom und Internet sind nach Aussage von Studenten keine Seltenheit.

Umso schwieriger sind Regeln zu vermitteln, die beispielsweise das Studentenwerk "Weiße Rose" aufgestellt hat. Regeln, von denen Olti Cano aus Albanien zum Beispiel nichts wusste, bis er sich selbst damit konfrontiert sah. Er hatte bislang einen der begehrten WG-Plätze im Wohnheim an der Briachstraße 2, zog aber mitten im Semester zu seiner Freundin. Die vorzeitige Kündigung hatte das Studentenwerk akzeptiert – unter der Bedingung, dass er einen Nachmieter bringt. Nichts leichter als das, dachte der Student: Allein in seiner Studiengruppe suchen Studenten aus aller Herren Länder spätestens mit Beginn des Wintersemesters im Oktober händeringend ein neues Zuhause in Weingarten. Bei den meisten verlängern die Privatvermieter die Mietverträge nur von Jahr zu Jahr – wenn überhaupt. Als er dieser Tage zuerst mit seinem Kommilitonen Nipuma aus Sri Lanka und danach mit Rufaro aus Zimbabwe im Büro den Mietvertrag regeln wollte, lehnte die Mitarbeiterin des Studentenwerks beide potenziellen Nachmieter allerdings ab. Man nehme keine "Internationalen" mehr auf, nur noch Studenten aus Europa und Deutschland, habe sie erklärt. Die Quote von 30 Prozent sei im neuen Wohnheim des Studentenwerks bereits ausgereizt.

Mit Diskriminierung habe das nichts zu tun, erklärt Philipp Stäbler, Geschäftsführer der "Weißen Rose", der diese Quotenregelung aber bestätigt. 30 Prozent der Wohnheimplätze seien für Studenten aus Afrika oder Asien reserviert. "Ich weiß, dass es schwierig ist, so eine Quote festzulegen und durchzusetzen. Aber das hat sich als guter Kompromiss erwiesen", sagt Stäbler, der den Ärger der Studenten im Einzelfall nachvollziehen kann. Bei zu vielen internationalen Studenten im Wohnheim werde aber nur noch englisch gesprochen, und Probleme wegen kultureller Unterschiede gebe es mit der Quote in Zweier- und Vierer-WGs deutlich weniger, so die Erfahrung. Abgesehen davon wollten auch die Studenten aus Deutschland günstig wohnen, und die machen gut 90 Prozent der Studenten in der Stadt aus.

Während bei der "Weißen Rose" deutsche und internationale Studenten einen Mietvertrag für zunächst ein Jahr bekommen, der ohne Kündigung um ein weiteres Jahr verlängert wird, erhalten beim Studierendenwerk Bodensee "seezeit" die Ausländer nur einen Jahresvertrag und müssen dann definitiv ausziehen und sich selbst etwas suchen. Pressesprecherin Elke Vetter erklärt dieses Vorgehen mit einer Vereinbarung, die "seezeit" mit der Hochschule Ravensburg-Weingarten abgeschlossen habe. "25 Wohnheim-Plätze pro Semester sind für neue Studenten aus dem Ausland reserviert, also 50 pro Jahr. Wir haben aber nur 204 Plätze in Weingarten", erklärt sie den notwendigen Wechsel, um den Neuankömmlingen einen Platz garantieren zu können. Zwölf bis 15 Plätze seien zudem für neue ausländische Studenten an der Pädagogischen Hochschule reserviert.

Darüber hinaus greift auch hier eine Quote; maximal 40 Prozent der Wohnheimplätze werden an ausländische Studenten vergeben. Etwas besser sei die Platzkapazität in Ravensburg, aber "da wollen viele Studis aus Weingarten wegen der langen Wege nicht hin".

Auch Elke Vetter bestätigt, dass es für Studenten immer schwerer werde, bezahlbaren Wohnraum in der Region zu finden, der Preisdruck sei enorm. "Wir können nur an private Vermieter appellieren, auch an internationale Studenten zu vermieten", sagt sie. Die "seezeit" versuche zu helfen, so beispielsweise mit einer privaten Zimmerbörse. Gestern gab es zur Suchanfrage in Weingarten "keine Treffer".

Wenige Wohnheime

In der Region Bodensee gibt es an den vier Hochschul-Standorten viel zu wenig Plätze in Wohnheimen, obwohl es zumindest in Konstanz im bundesweiten Maßstab eine der höchsten Versorgungsquoten gibt. Hier boten im vergangenen Jahr alle Träger zusammen für jeden fünften Studenten einen Wohnheim-Platz an (20,32 Prozent), hat der Dachverband der Studentenwerke in Deutschland ermittelt. In Zahlen ausgedrückt: Für 16 269 Studenten gab es mehr als 3000 Wohnheim-Plätze. In Weingarten lag die Quote bei 15,96 Prozent (3277 Studenten), in Friedrichshafen bei 15,57 Prozent (1272 Studenten) und in Ravensburg nur bei 4,73 Prozent (6043 Studenten). (kck)

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