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Uhldingen-Mühlhofen Unterwasserarchäologen wollen Schätze unter Wasser besser schützen

Unterwasserarchäologen aus 16 Ländern kommen in diesen Tagen im Pfahlbaumuseum in Unteruhldingen zur Internationalen Jahrestagung „In Poseidons Reich XIX“ der Deutschen Gesellschaft zur Förderung der Unterwasserarchäologie (Deguwa) zusammen.

Dabei geht es nicht nur um den wissenschaftlichen Austausch in einem umfangreichen Vortragsprogramm am Samstag und Sonntag, wie Vizedirektor Hanz Günter Martin betont. Ganz wichtig sei insbesondere auch der Austausch von praktischen Erfahrungen und neuen Techniken in Gesprächen am Rande.

Von der Tagung soll zugleich ein Signal nach Berlin gehen, wie auch Gastgeber und Museumsdirektor Gunter Schöbel betonte, dass die Bundesregierung „endlich“ die schon 2001 in Kraft getretene Unesco-Konvention zum Schutz des kulturellen Erbes unter Wasser ratifizieren möge. Der Großteil der vorhandenen Schätze hat nämlich nicht den bevorzugten Status eines Weltkulturerbes wie die 111 historischen Fundstätten von Pfahlbauresten rund um die Alpen.

Unter anderem durch kommerzielle „Schatztaucher“ könnten sie mehr und mehr gefährdet werden, wie Hanz Günter Martin deutlich machte. Während Unterwasserarchäologen die Funde in der Regel lediglich dokumentieren und an Ort und Stelle belassen, ja dort eher für die Nachwelt konservieren, wenn sie nicht von enormen wissenschaftlichen Interesse seien. „Wir haben schon Tausende Amphoren“, sagt Martin: „Wir brauchen nicht noch einmal hundert.“ Er könne die „Erregung“ und den „Stolz“ von Schatztauchern durchaus verstehen, wenn sie auf sie auf so ein Fundstück stießen. Doch später verstaube es oft im Keller. Im Rahmen der Tagung wird daher ein Komitee gegründet, das der Forderung nach einer Ratifizierung Nachdruck verleihen soll.

In Litauen und Kroatien ist dies zum Beispiel längst geschehen, wie Elena Pranckenaite aus Vilnius und Igor Miholjek vom Department für Unterwasserarchäologie des kroatischen Instituts für Denkmalschutz berichteten. Dies ist umso wichtiger, als die italienische Küste weitgehend „abgeräumt“ sei, wie Hanz Günter Martin betonte, in Dalmatien dagegen noch viele Schätze verborgen seien. Teilweise werden sie dort inzwischen mit Eisenkäfigen geschützt, betonte Miholjek. Die russische Föderation habe die Konvention ebenfalls noch nicht unterzeichnet, erklärte Sergey Okhovskiy, offiziell, weil sie aus Sicht der Regierung mit dem Seerecht von 1980 kollidiere. Doch habe das Kultusministerium gesetzliche Regelungen erlassen, die den Ideen der Unesco-Konvention nahe kämen.

Schon am Mittwoch hatten einzelne Teilnehmer die Gelegenheit, in Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Denkmalpflege einen Tauchgang zu dem so genannten „Lehmschiff“ zu unternehmen, einem im 18./19. Jahrhundert gesunkener Frachter. Gestern ging es im Museum zunächst um moderne Vermittlungsmethoden und pädagogische Ansätze, wie wissenschaftliche Erkenntnisse fundiert einem breiten Publikum nahegebracht werden können. Im Rahmen der experimentellen Archäologie konnten sich die Teilnehmer unter anderem am Bau eines Einbaums oder am Setzen eines Pfahles mit Methoden aus der Bronzezeit erproben. Am heutigen Freitag steht eine Exkursion nach Hemmenhofen, nach Eschenz, zur Insel Werd und nach Frauenfeld auf dem Programm, wo die Denkmalämter die internationalen Gäste über ihre aktuellen Arbeiten zum Welterbe Pfahlbauten informieren.
 

Deguwa

Die Deutsche Gesellschaft zur Förderung der Unterwasserarchäologie (Deguwa) ist ein Zusammenschluss von professionellen Archäologen, Wissenschaftlern verwandter historischer Disziplinen und anderer Fachbereiche sowie Laien und Sporttauchern. Ihr Ziel ist es, die Belange der Unterwasserarchäologie in Forschung und Lehre zu unterstützen und „den Schutz des Kulturerbes unter Wasser zu mehren“, wie es in der eigenen Darstellung heißt. Die Mitglieder arbeiten in der Gesellschaft ausschließlich ehrenamtlich. Diesem Zweck dient die Zusammenarbeit mit Universitätsinstituten, Ämtern der staatlichen Denkmalpflege, Museen und nicht kommerziellen Organisationen von Privatleuten und Sporttauchern auf nationaler und internationaler Ebene. Seit drei Jahren hat die Gesellschaft einen Beraterstatus bei der Unesco.

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