Uhldingen-Mühlhofen Pfahlbauten Unteruhldingen: Steinzeithäuser als Besuchermagnet

Urlaub in der Heimat: Im Pfahlbaumuseum in Unteruhldingen können die Besucher in die Geschichte des Bodensees abtauchen – das Archaeorama macht's möglich.

Ferienzeit in Baden-Württemberg. Nicht jeder kann oder will in den Urlaub fahren. Warum auch? Schließlich wohnen wir in einer Region, in der viele Menschen Urlaub machen. Hier gibt es touristische Ziele, die Tausende Urlauber aus dem In- und Ausland anziehen. Doch wie sehen Einheimische diese Sehenswürdigkeiten? Nutzen sie die Möglichkeiten, die ihnen die Region bietet?

Der SÜDKURIER besuchte zusammen mit Gabi Meesman und ihrer Tochter Lara die Pfahlbauten in Unteruhldingen. Die Viertklässlerin war erst vor Kurzem zusammen mit den französischen Austauschschülern aus der Meersburger Partnerstadt Louveciennes in dem Museum. Zu Ehren der Gäste wurden die Führungen und Erklärungen damals allerdings in französisch gehalten, sodass die Zehnjährige nicht viel verstanden hat. Sie war froh, diesmal die Erläuterungen in Deutsch zu hören und die Hintergründe zu verstehen.

Pfahlbauten im Jahr 2017: Besucherführerin Sabine Schlott gibt einleitende Informationen.
Pfahlbauten im Jahr 2017: Besucherführerin Sabine Schlott gibt einleitende Informationen. | Bild: Lorna Komm

Mutter Gabi war das letzte Mal vor vier Jahren in den Pfahlbauten anlässlich der Eröffnung des Archaeoramas. In diesem startet seit 2013 auch der Rundgang durch das Museum. Gruppenweise geht es hinein in die nachgestellte Tauchbasis. Die Besucher tauchen virtuell in den Bodensee ein und die beiden Meersburgerinnen sind verblüfft über den Teppich, der perfekt die Illusion des wabbligen, weichen Seebodens imitiert. Tür für Tür eröffnet sich eine andere Welt und Lara ruft begeistert: „Hör mal, wie das laut knackt“, als die Multimediaschau im 360-Grad-Panorama mit dem Ende der Eiszeit beginnt. Die Bilderschau endet im virtuellen Pfahlbaudorf und im fließenden Übergang öffnen sich die Türen zum realem Museumsdorf.

Wieder draußen im Freien staunt Gabi: „Jedes Mal, wenn ich hierher komme, stehen hier mehr Häuser.“ Nach einer kurzen Einführung durch einen der zahlreichen Besucherführer zu den wichtigsten Fakten des Pfahlbaudorfs trennt sich die zusammengewürfelte Gruppe und jeder Besucher kann seinen Rundgang eigenständig fortführen. In einigen der Hütten vermitteln Museumsangestellte Grundlagen zu Themen wie Ernährung oder Werkzeugbau in der Stein- oder Bronzezeit. Die kompetenten Mitarbeiter beantworten aber auch Fragen, die nicht thematisch auf ihr Haus beschränkt sind. Zu den 50 am häufigsten gestellten Fragen der Besucher bietet eine plakatierte Wandzeitung im „Haus der Fragen“ die Antworten zum Nachlesen.

Charlotte Thrien bei einer Führung durch das Freilichtmuseum in Unteruhldingen im Jahr 1960. <em></em>
Charlotte Thrien bei einer Führung durch das Freilichtmuseum in Unteruhldingen im Jahr 1960. | Bild: Archiv Pfahlbaumuseum

Auf die Frage, warum sie nicht schon früher Mal wieder in die Pfahlbauten gegangen sei, antwortet Meesman, dass die Gründe dafür vielfältig seien. Zum einen war man ja schon mal da, habe das Thema sozusagen abgehakt. Zum anderen habe sie während der Saison oftmals nur wenig Zeit und „wenn ich dann mal frei habe, dann will ich was anderes sehen. Einen Ausflug weg vom See und den vielen Menschen, einfach mal einen Tapetenwechsel. Außerdem sind unsere Sehenswürdigkeiten ja vor der Haustür, da kann man ja immer hin“, sagt sie lachend.

Altersgemäß fand Lara den Rundgang punktuell interessant. Kleine Gucklöcher in den Häusern, hinter denen sich Szenen aus dem Steinzeitalltag verbergen, zogen ihre Aufmerksamkeit besonders an. Auch die lebendigen Darstellungen mit Tiermodellen gefielen ihr. Überrascht waren Mutter und Tochter gleichermaßen über die echten Ziegen auf der Terrasse vor dem Steinzeithaus. Der Film zur Sendung mit der Maus und der Steinzeitspielplatz weckten das kindliche Interesse mehr als die geschichtlichen Hintergründe. „Aber als Experiment würde ich gerne mal ein zwei Tage so leben, wie die Menschen damals“, sagt die Schülerin abschließend.


Fazit: Obwohl man vermeintlich über die heimatlichen Sehenswürdigkeiten wie die Pfahlbauten informiert ist, eröffnen sich auch dem einheimischen Besucher noch Fragen und auch er hat dort die Möglichkeit, wieder mal was Neues zu entdecken.

 

Pfahlbaumuseum

Die Pfahlbauten Unteruhldingen sind zugleich Freilichtmuseum und Forschungsinstitut. Die Adresse lautet Strandpromenade 6, 88609 Uhldingen-Mühlhofen. Die Öffnungszeiten sind in der Sommersaison von April bis September von 9 bis 18.30 Uhr sowie von Oktober bis 5. November von 9 bis 17 Uhr. Das Museum ist weitgehend barrierefrei und mit Kinderwägen zugänglich. Es können Museumsführer in Braille-Schrift ausgeliehen werden. Während der Ferienzeiten bietet das Museum spezielle Ferienprogramme. Die Pfahlbauten wurden zum dritten Mal in Folge vom Landeswettbewerb „Familien-Ferien Baden-Württemberg“ als familienfreundliche Einrichtung ausgezeichnet.

Das Museum wurde 1922 gegründet. 2011 wurden die „Prähistorischen Pfahlbauten rund um die Alpen“ von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärt. Am 1. August dieses Jahres wurde das Museum 95 Jahre alt. Jährlich zählt es rund 300 000 Besucher, darunter 100 000 Schüler. Seit seiner Gründung besichtigten es rund 14,5 Millionen Menschen. Weitere Informationen finden Sie unter: www.pfahlbauten.de

 

Die Serie

Einheimische erklären für Einheimische die Top- Urlaubsziele aus unserer Region. Oftmals liegt das Gute vor der Haustüre, nur geht unser Blick dafür verloren. Wir begleiten Menschen bei einem Besuch in den Pfahlbauten in Unteruhldingen, in der Burg Meersburg oder im Schloss Salem und in Heiligenberg sowie am Affenberg Salem und gehen der Frage nach, warum sie so lange selbst nicht mehr hier waren – und was sie jetzt mit neuen Augen entdecken, oder warum sie besonders oft herkommen.

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