Wanders ist Kult. Der Schauspieler Ernie Reinhardt, Deutschlands bekanntester Travestiekünstler, hat die Kunstfigur Ende der 80er Jahre ins Leben gerufen. Lilo Wanders ist Mitbegründerin des Hamburger Schmidt Theaters, von 1994 bis 2004 moderierte sie als „Sexpertin der Nation“ das TV-Erotik-Magazin „Wa(h)re Liebe“.
Mit falschen Wimpern und blauem Lidschatten, die Kette farblich aufs Kleid abgestimmt, plauderte die üppige Blondine kurzweilig mit frivolen Sprüchen über die Unterschiede zwischen Mann und Frau. Erotik, Liebe und Sex waren schon immer Wanders bevorzugte Themen; auf der Bühne der Alten Fabrik präsentiert sie diese ungehemmt und gut gelaunt. Mit dem Song „Ich bin die Wanders“, frei nach „The Wanderer“ von Dion, stellt sie sich dem Publikum vor, um Verwechslungen auszuschließen. „Ich bin Lilo Wanders und ich betone das, da man mich schon einige Male für Sabine Christiansen gehalten hat. Und in Hamburg begegnete mir kürzlich ein Radfahrer, der sich den Kommentar ,ich dachte, Heidi Kabel sei tot' nicht verkneifen konnte.“
Schnell hat die Wanders das Publikum auf ihrer Seite. Unverhohlen lasziv, mit einem tiefen, kehligen Lachen berichtet sie vom Jahrestreffen der Dresdner Travestiten mit Ehefrauen, referiert über Oxytocin und Viagra. Die ehemalige TV-Ikone spricht über zeitgemäßes Liebesspielzeug und offenbart: „Das wahre Lustzentrum einer Frau ist nicht ihr Schuhschrank.“ Mittels einer Orange und einer Erbse testet sie das Fingerspitzengefühl der männlichen Zuschauer, „ihr müsst so viel Druck auf die Apfelsine ausüben, dass die Erbse weiterrollt“, was ausgelassene Lacher zur Folge hat. Auch kann Wanders sich die Bemerkung: „Jeder Mann glaubt, er sei Experte in Sachen Auto und Sex. Um dies zu bestätigen, schlägt der Experte die Bettdecke zurück, als öffne er die Motorhaube“, nicht verkneifen. Am Ende des Abends hatte die androgyne Diva das Publikum im charmant-liebenswürdigen Plauderton ganz für sich eingenommen.
