Mein

UhldingenMühlhofen Ein Amerikaner wird deutsch

26.10.2011


Kabarettist John Doyle zeigt seinem Publikum die Schwachstellen im Land auf

Uhldingen-Mühlhofen (mbs) Die Bühne ist noch leer. „Good evening! The United States presents John Doyle“, tönt es plötzlich aus den Lautsprechern wie früher im Kintopp. Und gleich auf Deutsch: „Die USA sind froh, John Doyle nach Deutschland exportiert zu haben. Nehmen Sie die rechte Hand ans Herz, aufstehen, und stimmen Sie ein in die amerikanische Nationalhymne!“ Tatsächlich – die meisten stehen stramm, Hand am Herzen. Jetzt ertönt klangvoll „Born in the USA“.

Mit allen Fettnäpfchen, die es gibt, hält Kabarettist John Doyle seinen Zuhörern in Mühlhofen als eingewanderter Amerikaner den Spiegel vor, verzerrt die banalen Alltäglichkeiten buchstäblich unter der Lupe. Sein neuestes Programm trägt den Titel „Don't worry – be German“ und ist gespickt mit erfrischend bissigem Humor, voller Witz und Charme.

Nach seiner Frühgeburt 1963 in New Jersey in den USA kam er vor 20 Jahren als Amerikaner über Österreich nach Deutschland, wo er versuchte, die deutsche Sprache zu erlernen, die er mit leichtem Akzent hervorragend meistert. Die ersten Auftritte an deutschen Bühnen und im Fernsehen folgten. Nun lebt er bereits seit 20 Jahren mit seiner deutschen Frau und Sohn Joshua unter uns – genügend Zeit, sich die Eigenheiten der Deutschen anzuschauen.

Der Sunnyboy hat sofort Kontakt zum Mühlhofener Publikum. „Ihr seid gut. Darf ich Du sagen? Ich bin echt deutsch geworden. Bei meinen Besuchen in Amerika merke ich das sehr stark.“ Wenn ihn dort jemand fragt „Wie geht es Dir?“ bekomme er ganz klar zur Antwort „good, very good“. Hier in Deutschland gebe man ihm richtig medizinische Antworten. Beispiel: Doyle fragt: „Geht es Ihnen gut?“ Antwort des Deutschen: „Ja, doch ich habe eine Blasenschwäche.“ Ein anderer deutscher Freund von ihm wurde gar noch deutlicher: „Ja, aber ich bin nicht so glücklich über meinen Stuhl.“ „Warum? wackelt der?“ Es habe eine Zeit gedauert, bis er begriffen habe. Die Deutschen seien eben in allem „sehr direkt“ und machten alles „sehr ordentlich“.

Ordnung ist nach Angaben des Kabarettisten ein wichtiges deutsches Wort. An einer Bushaltestelle zeigte ihm mal ein deutscher Mann, wie man mit Beckenbodenübungen „ordentlich“ Kreuzschmerzen vertreibe. Es sei toll, dass man solche Dinge in der Öffentlichkeit hier machen könne. „In den USA wird man deswegen sofort verhaftet“, sagt Doyle.

Zurzeit habe er Stress mit seiner Frau. Er müsse abnehmen. Er sei zu dick. „Wenn du, John, nicht eine Diät machst, mußt du in Zukunft beim Sex unten liegen.“ „Hmm? Das ist doch kein Anreiz für eine Diät. Ist doch gut. Keine Arbeit, nur liegen und ein paar Knöpfe am Sender drehen.“

Dem Publikum gefällt's. Auch wenn Doyle nach der Pause etwas tiefer in die Intimitäten eines Zusammenlebens rutscht. Am Ende verspricht der Deutsch-Amerikaner sogar, dass er gerne wiederkommen würde.

zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden
Schreiben Sie Ihre Meinung
Überschrift
Text


noch 1000 Zeichen


Informiert bleiben:
Bei jedem neuen Kommentar in dieser Diskussion erhalten Sie automatisch eine Benachrichtigung
Unsere Community-Regeln