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Uhldingen-Mühlhofen Die Mädchen und Jungen sind im Waldkindergarten Uhldingen-Mühlhofen den ganzen Tag draußen

Der Wald ist ihr Spielplatz: 28 Mädchen und Jungen besuchen den Waldkindergarten Uhldingen-Mühlhofen. Sie erleben die Natur ganz unmittelbar und profitieren davon.

Man hört die fröhlichen Stimmen der Mädchen und Jungen schon von Weitem. Sie reden aufgeregt durcheinander und schwenken ihre Eimer. Morgens sind sie losgezogen, um im Wald oberhalb von Uhldingen-Mühlhofen Brombeeren zu sammeln. Sie waren offensichtlich sehr erfolgreich. Die Eimer sind gut gefüllt mit den leckeren Früchten.

Das Ziel der Kinder ist eine Lichtung im Wald. Sie ist umgeben von Laubbäumen, die im Sommer für Schatten sorgen und im Winter mangels Blättern genug Licht durchlassen. Untergebracht sind die Kleinen dort in einer Hütte und in einem ehemaligen Bauwagen. Ein Klettergerüst gibt es. Das war es dann aber auch schon fast an Spielzeug. Das ist aber auch durchaus so gewollt, wie die Lena Ruther erzählt. Die Kinder, so die Erfahrung von Ruther, lernen schnell sich selbst zu beschäftigen und erfinden eigene Spiele. Wenn ihnen mal nichts einfällt, „dann helfen wir ihnen aber auch ins Spiel zu kommen“, erklärt Ruther.

Wenn man sich mit Ruther und ihrer Chefin Renate Dworak über das Konzept des Kindergartens unterhält, dreht sich das Gespräch mal ausgesprochen, mal unausgesprochen um die Freiheit und Autonomie der Kinder und darum, möglichst viele Erfahrungen machen zu können. Zu diesen Erfahrungen gehören auch die Vögel, die in diesem Jahr zum ersten Mal in die Nistkästen auf der Lichtung eingezogen sind und die die Kinder bei der Brutpflege beobachtet haben. „Die Kinder lernen hier völlig anders“, erklärt Dworak. „Das geht hier alles über die Sinne.“ Sie sind der Natur einfach viel unmittelbarer ausgesetzt.

Eine Frage müssen die vier Mitarbeiter des Waldkindergartens ganz oft beantworten: Sind die Kinder tatsächlich jeden Tag draußen? Ja. Das sind sie in der Tat. Wenn es stürmt, oder die Temperaturen weit unter null Grad fallen, dann können sich die Kinder in die beheizten Unterkünfte zurückziehen. Dort gibt es sogar seit einiger Zeit Strom.

Weil Hygiene auch im Wald sein muss, stellen sich die Kinder zum Händewaschen an. Das Wasser dafür stammt aus einem großen Kanister. Über ein eigenen Wasseranschluss verfügt der Kindergarten nicht. Das stört aber weder Kinder noch die Erzieherinnen. Wenn die Kinder mal müssen, setzen sich auf eine Art Plumpsklo und die Erzieherinnen vergraben hinterher ihre Hinterlassenschaften.

Bevor aus den Früchten Marmelade wird, ist aber Zeit für ein ausführliches zweites Frühstück. Die Kinder packen Lunchboxen aus. Die Suche im Wald nach den Brombeeren hat sie hungrig gemacht. Das Treiben beobachtet Kindergartenhündin Palü aufmerksam. Sie hofft nämlich, dass für sie etwas abfällt. Die sehr gelassene Hündin ist der Liebling der Kinder. Sie dürfte zu den meist gestreichelten Hunden der Gegend gehören.

Nach dem Frühstück holt Erzieherin Renate Dworak einen Topf, lässt die Brombeeren hineinfallen und schüttet Zucker hinein. „Jetzt müsst ihr die Brombeeren zerquetschen.“ Dieser Aufgabe nimmt sich Rebekka Michel an. Mit ernster Miene drückt sie mit einem Schneebesen auf den Beeren herum. Ihre Freundinnen Franziska Solfrank und Lisa Argus schauen interessiert zu, wie aus den Beeren und Zucker ein Brei wird. Die Mädchen wechseln sich beim Rühren ab, als die Marmelade auf einem gasbetriebenen Campingkocher steht und sachte vor sich hinköchelt.

Eine Stunde zuvor hatte Lena Ruther den Besucher vom SÜDKURIER empfangen. Statt des fröhlichen Stimmengewirr war da nur das Singen der Vögel und das Rauschen der Blätter zu hören. Ruther hat ihr Anerkennungsjahr als Kinderpflegerin im Waldkindergarten absolviert. Sie hat ab September 2013 ihr Anerkennungsjahr im Waldkindergarten absolviert. Ab dieser Woche arbeitet sie als 80-Prozent-Kraft in der Spielgruppe für die Zwei- bis Dreihjährigen. Eines wird schnell klar, wenn man sich mit der jungen Frau unterhält: Die Arbeit mit den Kindern ist für sie nicht nur irgendein Job, sondern Berufung. „Mit Kindern zu arbeiten, dass war immer mein Ding“, erzählt sie.

Für Ruther war die Entscheidung für den Waldkindergarten auch eine für ihr eigenes Wohlbefinden. In „normalen“ Kindergärten spielen, lachen, toben und lernen viele Kinder auf kleinem Raum. „Da ist der Lärmpegel extrem hoch.“ Ruther war schnell klar, dass sie damit nur schwer würde umgehen können. Der Waldkindergarten, so viel ist schon nach einigen Minuten der Unterhaltung klar, tut sowohl den Kindern, als auch den Erzieherinnen gut.

 

Mitgliedschaft benötigt

Der Waldkindergarten Uhldingen-Mühlhofen bieten zwei Gruppen und beschäftigt vier Mitarbeiterinnen

 

Der Waldkindergarten Uhldingen-Mühlhofen wird betrieben von dem gleichnamigen, gemeinnützigen Verein. Aktuell besteht der Kindergarten aus zwei Gruppen. Die Drei- bis Sechsjährigen besuchen den Kindergarten täglich von 7.45 bis 12.30 Uhr. Für die Zwei- bis Dreijährigen bietet der Kindergarten eine Spielgruppe an, die Montag, Donnerstag und Freitag geöffnet hat.

 

 

 

Bei den Gebühren orientiere sich der Waldkindergarten an denen, die die Gemeinde in ihrem Kindergarten verlangt, so der Kassierer des Vereins Martin Lorenzen. Aktuell sind das für die Spielgruppe 65 Euro und für die Halbtagesgruppe 77 Euro je Kind und Monat.

 

 

 

Die Voraussetzung dafür, dass das eigene Kind den Kindergarten besuchen kann, ist die Mitgliedschaft im Trägerverein. Die aktuell 60 Mitglieder zahlen 30 Euro pro Jahr. „Von ihnen erwarten wir auch eine Beteiligung an der Gemeinschaft“, erklärt Lorenzen. Soll heißen, die Eltern sollen mithelfen, wenn Reparaturen anstehen, oder ein Fest organisiert werden muss.

 

 

 

Für den Kindergarten arbeiten drei Erzieherinnen, eine Kinderpflegerin und eine Praktikantin. Um die zu finanzieren reichen die Mitgliedsbeiträge und die Gebühren bei weitem nicht aus. Der Verein ist auf Spenden angewiesen, vor allem aber auf die Unterstützung durch die Gemeinde. Das ist auch der Grund dafür, dass Kinder aus Uhldingen-Mühlhofen bei der Aufnahme bevorzugt werden. Ansonsten gelte, erklärt Lorenzen, wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Außerdem sollen künftig

 

 

Weitere Informationen

 

über den Waldkindergarten gibt es im Internet unter: www.waldkindergarten-uhldingen-muehlhofen.de

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