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07.07.2012  |  von  |  0 Kommentare

Überlingen Zahl der jungen Täter besonders hoch

Überlingen -  Die Jugendkriminalität in Überlingen bereitet nach wie vor Sorge: Zwar ist die Zahl der straffällig gewordenen Kinder (unter 14) gesunken, die Anzahl der delinquenten Jugendlichen und vor allem der Heranwachsenden (bis 21) habe 2011 aber einen Höchststand innerhalb der vergangenen fünf Jahre erreicht, sagt der Überlinger Polizeichef Andreas Breuning. Das bedeute aber nicht, dass all die Anstrengungen, die man für die Jugendlichen unternommen hat, nicht fruchteten, beeilt sich Oberbürgermeisterin Sabine Becker zu ergänzen.Nachdem Überlingen 2008 einen traurigen Spitzenplatz in der Kriminalitätsbelastung des Bodenseekreises eingenommen hatte und die Jugendkriminalität damals schon recht hoch war, hatte die Stadt einen Jugendbeteiligungsprozess ins Leben gerufen, um mehr auf die Wünsche der jungen Leute einzugehen.

"Allein durch die Präventionsarbeit an den Schulen trauen sich Opfer eher, das Schweigen zu brechen und bringen Delikte häufiger zur Anzeige. Diese schlagen sich dann wiederum in der Kriminalstatistik nieder." Peter Köstlinger, Präventionsbeamter



Außerdem wurde mit Juan Diabuno ein zusätzlicher Stadtjugendpfleger eingestellt.

Peter Köstlinger, Kriminalhauptkommissar und Präventionsbeamter, bestätigt die Einschätzung der Oberbürgermeisterin. Dass die Anzahl der jungen Straftäter auf dem Papier steige, sei eine logische Folge dieser intensiven Arbeit, erläutert er. Allein durch die Präventionsarbeit an den Schulen trauten sich die jungen Opfer der jugendlichen Delinquenten eher, das Schweigen zu brechen und brächten Delikte häufiger zur Anzeige, die sich dann in der Statistik niederschlügen. Auch Bernhard Allgaier, Jugendsachbearbeiter der Polizei, sagt: „Da werden viele Dunkelfelder aufgehellt und Anzeige erstattet.“

Auf jeden Fall erfolgreich sei das Konzept, Jugendliche intensiv in die Organisation einer von ihnen gewünschten Party einzubinden, sagt Sabine Becker. „Wenn man selbst an etwas beteiligt ist, dann schlägt man es auch nicht kaputt.“ Auch die Freunde der Helfenden verhielten sich dann ruhiger, beobachtet Polizei-Jugendsachbearbeiter Dieter Nagy. „Wenn das die Kumpels von denen sind, die mitorganisiert haben, wollen sie deren Fest nicht kaputt machen.“ Nicht gewappnet sei man allerdings gegen Einflüsse von außen, betont Bernhard Allgaier. Manch ein Störenfried komme aus einer anderen Gemeinde und da greife die Respektschiene nicht. Störung könne es auch von anderen Überlinger Gruppen geben, die sich nicht eingeladen fühlen, sagt Nagy.

Den Rückschluss zu ziehen, besser keine Partys zu veranstalten, damit es gar nicht erst zu Unruhen kommen kann, sei aber falsch, meint Sabine Becker. „Man würde die bestrafen, die nichts dafür können – und das sind die Meisten.“ Außerdem, sagt Dieter Nagy, fänden die Treffen trotzdem statt. Nur eben unorganisiert, das heißt auch ohne Kontrolle. „Kürzlich haben sich im Stadtgarten 300 Jugendliche getroffen und Alkohol konsumiert. Wir hatten die ganze Nacht Theater.“ Doch selbst wenn es organisierte Veranstaltungen gibt: Die wirklichen „Schwergewichte“ kämen dann nicht, sondern bereiteten woanders Probleme. Irgendwie, meint Nagy, müsse man erreichen, dass diese Jugendlichen auch zu den Partys kommen und damit unter Kontrolle sind. Aber würde man sich damit nicht Konfliktpotential auf die Veranstaltungen holen? „Nein“, sagt Köstlinger. „Gewalt entsteht da, wo keine Gegenwehr ist. Wenn die zu einer geregelten Geschichte kommen, verhalten sie sich ruhiger.“

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