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Überlingen Wohnzimmer für Wildbienen: Grethaldeninitiative baut zweites Insektenhotel

Die Grethaldeninitiative installiert ihr zweites Insektenhotel auf einer Streuobstwiese. Der Naturschutzbund bietet am 22. April in Salem einen Kurs zum Bauen von Insektenhotels an.

Sie brauchen einander wie die Luft zum Atmen: Insekten und Blütenpflanzen. Gemeinsam haben sie in den vergangenen Jahrzehnten viel von ihrer Existenzgrundlage verloren. Den Insekten fehlen geeignete Biotope und Blüten, den Pflanzen vielfach der notwendige Raum und oft die bestäubenden Tiere. Schmetterlinge muss man heutzutage geradezu suchen, manche findet man überhaupt nicht mehr. Gleiches gilt auch für die zahlreichen Arten von Wildbienen.

Dabei haben gerade blütenbesuchende Insekten wie Honigbienen, Wildbienen, Schmetterlinge und Schwebfliegen eine zentrale Funktion in unseren Ökosystemen. 80 Prozent der heimischen Wildpflanzen und 84 Prozent der europäischen Kulturpflanzen sind auf Bestäubung durch Insekten angewiesen. Der Wert der Bestäubung für die europäische Landwirtschaft wird auf 22 Milliarden Euro pro Jahr geschätzt, erklärt die Bodenseestiftung, die mit ihrem internationalen Projekt "Blühendes Bodenseeland" und den Partnern aus Baden-Württemberg, Bayern, Vorarlberg, Liechtenstein und der Schweiz mehr Lebensräume und ein größeres Nahrungsangebot für bestäubende Insekten schaffen will.

Quasi Nägel mit Köpfen hat die Überlinger Grethaldeninitiative schon vor drei Jahren gemacht und auf der Streuobstwiese zwischen Werner-Haberland-Weg und Primelweg ein erstes großes Insektenhotel aufgebaut. Jetzt haben die Aktiven um Joachim Büchelmeier, der dort in Absprache mit der Stadt auch die Bäume pflegt, und Dietmar Koepsell ein zweites aufwendiges Domizil für Wildbienen erstellt. "Mindestens 40 Arbeitsstunden waren erforderlich, um das robuste Gerüst zu erstellen, und mit den neuen Wohnzimmern zu füllen", sagt Büchelmeier.

Insektenhotel bauen

Die Nabu-Gruppe Überlingen veranstaltet am Samstag, 22. April, zusammen mit der Heilpflanzenschule Engelwurz auf deren Gelände in Salem-Neufrach (In Oberwiesen, Gewerbegebiet Neufrach) einen Aktionsnachmittag (14 bis 18 Uhr). Interessenten können hier selbst Hand anlegen und Insektenhotels bauen. Geeignet ist der Kurs auch für Familien mit Kindern, für Jugendliche und alle, „die ein Werkzeug in die Hand nehmen können“, wie der Nabu formuliert. Die Arbeiten finden unter sachkundiger Anleitung statt; Geräte und Materialien werden zur Verfügung gestellt. Wer selbst geeignete Hölzer, Ziegelsteine mit kleinen Öffnungen, Röhren aus Schilf oder Bambus hat, kann diese auch mitbringen. 

Die Wildbienen bekommen hier Wohnröhren angeboten, die zwischen zwei und acht Millimeter Durchmesser haben und rund 18 Zentimeter tief sind. In verschiedene Harthölzer müssen die Löcher gebohrt werden, auch Bambusrohre sind dafür geeignet. "Das Bohren ist sehr mühsam", erklärt Dietmar Koepsell: "Das Holz darf nicht heiß werden, deshalb muss man mit niedrigster Drehzahl arbeiten." Sonst werden die Röhren von den Insekten nicht angenommen.

"Ganz wichtig ist, dass die Front nach Süden ausgerichtet ist", betont Joachim Büchelmeier. Kaum dass die Röhren von der Sonne beschienen werden, sind die ersten Bienen auch schon da. Sie legen ihre Eier in die passenden Röhren und verkleben die Öffnung. Damit sie es einfach haben, steht ein Blumentopf mit dem erforderlichen Baumaterial gleich nebendran. Auch Dachziegel mit Öffnungen sind geeignet Wohnröhren für manche Arten. Ein echtes kleines Dach aus Ziegeln schützt die Röhren vor dem Regen.

Auch der Naturschutzbund Überlingen rät, die ersten schönen Tage zu nutzen und Wildbienenhotels im Garten oder auf dem Balkon aufzuhängen. "Wildbienen sind unverzichtbar für die Bestäubung vieler Pflanzen – und dadurch mitverantwortlich, dass wir Obst und andere Früchte ernten können", sagt Vorsitzender Hartmut Walter. "Leider verlieren sie Stück für Stück ihren natürlichen Lebensraum." Es gebe über 450 Arten von Wildbienen, die alle keinen Honig machen, aber Gartenblumen und Wildpflanzen bestäuben.

Damit die Wildbienen ausreichend Nahrung finden, könne man gerade auf dem Balkon gut Küchen- und Gewürzkräuter wie Basilikum, Schnittlauch, Salbei oder Thymian säen. "Wer nur einen Teil für sich erntet und den Rest blühen lässt, tut Wildbienen Gutes." Wildblumenmischungen bieten ebenfalls einen gedeckten Tisch – wenn darauf geachtet wird, dass die Arten heimisch sind. Wenn es auf dem Balkon oder im Garten summt und brummt, muss man keine Stiche befürchten. Denn Wildbienen sind im Allgemeinen friedlich.

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