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Überlingen Wenn die Ideen beim Tee sprudeln

24.09.2012
Überlingen -  Dichtgedrängt saßen die Zuhörer in der See-Buchhandlung in der Münsterstraße und lauschten den mysteriösen Details, die ihnen die Überlinger Journalistin Eva-Maria Bast aus ihrem Krimidebüt „Vergissmichnicht“ offenbarte. Es war gleichsam spannende wie kurzweilige Kost – gerade recht für einen Herbstabend, an dem die Dämmerung bereits angebrochen ist, man sich wohlig mit einer warmen Decke, einer Tasse Tee und einem spannenden Buch auf die Terrasse zurückzieht oder eben die heimelige Atmosphäre bei einer Lesung in der gemütlichen Buchhandlung genießt.Bodenseekrimis gibt es mittlerweile wie Sand am Meer.

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Eva-Maria Basts Debutkrimi sticht aus der Vielzahl der Werke wohltuend heraus: Dies liegt zum einen am genauen Blick der Autorin für Details und Stimmungen, dem ausgeprägten Lokalkolorit sowie dem Gespür, die Welt ihrer Protagonisten voller Zwischentöne zu zeichnen. Neben der Besonderheit, dass eine Journalistin hier Polizeiarbeit betreibt, sind es die real existierenden Schauplätze, die die Zuhörer in ihren Bann ziehen. Verhaltenes Schmunzeln macht sich breit, als Bast ein zänkisches Wahlgespräch im seealemannischen Dialekt vorträgt. Mit ungemein wandelbarer, prägnanter Stimme liest sie die ersten fünf Kapitel des Krimis, nicht ohne abschließend die Geschichte des tragischen Liebespaares Lies Bauer und Karl Eberhardt aus den Überlingern Geheimnissen nachzuschieben, die sie zu „Vergissmichnicht“ inspiriert hat. Insgesamt sind drei „Geheimnisse der Heimat“ aus Überlingen in den aktuellen Krimi mit eingeflochten.

Moderiert wurde die Lesung von SÜDKURIER-Lokalchef Martin Baur, der an die Zeit vor zehn Jahren zurückdachte, als Eva-Maria Bast sich als freie Mitarbeiterin beim SÜDKURIER bewarb und ihm relativ schnell klar wurde, dass man dieser jungen Frau viel zutrauen kann. „Ein Mord“, schmunzelte Baur, „fiel jedoch nicht darunter.“ Auf die Frage, wie viel von der ermittelnden Journalistin Alexandra Tuleit in ihr selbst stecke, erläutert Bast: „Ich habe die Journalistin gewählt, weil ich mit ihrem Alltag vertraut bin; mir war die Authentizität der Geschichte wichtig. Alles Weitere ist rein fiktiv.“

Was Baur zudem interessierte, war das Wechseln vom journalistischen auf das fiktive Schreiben. „Der Anfang fiel schwer“, so Bast. „Der erste Entwurf geriet recht journalistisch und kurzatmig. Zunächst war es nicht so einfach, zu begreifen, dass man im Krimi die Fäden erst langsam entwirrt. Beim Schreiben entstanden dann richtige Welten. Wenn ich mich morgens an meinen Rechner setzte, wusste ich noch nicht, was dort zwei Stunden später stehen würde.“ Zehn Seiten entstehen an einem produktiven Tag. Aber es gab auch die „Null-Seiten“-Tage. „An solchen Tagen lass ich´s einfach“, meint Bast achselzuckend und lacht. „Bisweilen habe ich aber auch einfach nur einen leeren Kopf, setze mich hin und es sprudelt.“

Die Tasse Earl-Grey-Tee mit Süßstoff und Milch, riesige Fellhausschuhe und eine Kerze, wenn es morgens noch dunkel ist, gehören zum Schreib-Ritual. Basts Krimidebut schreit nach mehr. Und es soll weitergehen: „Jedes Jahr werde ich die „Geheimnisse der Heimat“ von drei neuen Städten erzählen. Geplant ist, dass ebenfalls in jedem Jahr ein Krimi mit den beiden Protagonisten Alexandra Tuleit und Ole Strobehn erscheint, der diese Städte verbindet. Die Handlung findet weiterhin am Bodensee statt, jedoch führen Spuren auch in andere Städte. Die Fortsetzung von „Vergissmichnicht“ ist bereits in Arbeit und spielt neben Überlingen und Konstanz in Friedrichshafen und Aalen.

Zur Lesung in der See-Buchhandlung waren auch Verleger Armin Gmeiner und die Programmleiterin des Gmeiner-Verlags Claudia Senghaas aus Meßkirch angereist. Am heutigen Montag, 20 Uhr, liest Eva-Maria Bast in der Osiander'schen Buchhandlung in Konstanz aus „Vergissmichnicht“.

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