Mein
 

Überlingen Was für ein Theater!

Noltes Theater stellt das Programm 2016 vor und überzeugt engagiert, packend, provokant und in hohem Maße professionell!

30 Zentimeter höher ist nun die neue Bühne der Noltes, aber kein „von oben herab“ oder ein „von unten hinauf“, die Noltes sind ihrem Publikum näher denn je, was sie bei der Präsentation ihrer neuen Projekte 2016 vergangenen Sonntagabend beeindruckend unter Beweis gestellt haben. Vor einem begeisterten Publikum in ihrem ausverkauften Theater im Gunzoweg 1 brachten sie jeweils Ausschnitte ihres neuen Programms auf die Bühne. Was können die beiden eigentlich nicht, fragt man sich, und ist hingerissen von Birgit Noltes Gesang, seien es Chansons von Hildegard Knef oder Songs von Billy Holiday, lauscht gebannt Oliver Nolte, wenn er aus Martin Walsers Roman „Die Zimmerschlacht“ vorliest oder spontan improvisierend Gefühle von aggressiv, depressiv bis hypersensibel über die Bühne jagt.

Ab dem 26. Februar schlüpft Birgit Nolte in die Rolle von Hildegard Knef, der legendären Filmdiva und Chansonsängerin. Im Dialog mit Oliver Nolte als Interviewpartner streift man durch das Leben der Knef, Birgit Nolte singt die berühmten Lieder, begleitet von Michael Lauenstein am Akkordeon und Klavier. Sie geht ganz auf in den Liedern, Texte, die satt im Leben schwelgen, ob es nun „Rote Rosen regnet“ oder von Puff, Suff und Beschiss handelt. Novocento, ein Monolog des italienischen Schriftstellers Alessandro Baricco, gelesen von Oliver Nolte und begleitet von Michael Lauenstein am Klavier, kommt ab dem 31. März zur Aufführung. Erzählt wird die Geschichte eines Jungen mit Namen Novocento, der auf der Fahrt mit einem Auswandererschiff nach Amerika als Baby zurückgelassen wird, anonym an Bord aufwächst und schließlich nach acht Jahren den Behörden übergeben werden soll. Der Junge versteckt sich aber erfolgreich im Schiff, lernt Klavier spielen, unterhält Mannschaft und Passagiere und entwickelt sich schließlich zu einem gefeierten, virtuosen Pianisten. Wenn Oliver Nolte liest verringert sich der Abstand zu den Zeilen des Buches dramatisch, Erleben ist angesagt mit Haut und Haaren, messerscharf artikuliert, emotional, unkonventionell, ein „ich scheiß auf die Vorschriften“, wie es der kleine Novocento auf einem Klavier sitzend ausdrückt.

Mit einigen Songs von Billie Holiday gab dann Birgit Nolte einen Vorgeschmack für einen Konzertabend, geplant für Oktober – „Lady sings the Blues“, begleitet von Michael Lauenstein am Klavier, mit dem Saxofonisten Wolfgang Fuhr und im Herbst auch mit Sven Götz mit seiner Gitarre. Was sich dann zwischen Wolfgang Fuhr, seinem Saxophon und einem völlig durchgeknallten Oliver Nolte abspielte, wird im neuen Programm als Schauspiel-Jazz bezeichnet. Freie, experimentelle Improvisation bemächtigt sich der Bühne, inhaltlich, szenisch und musikalisch, ohne jede vorgegeben Struktur. Es kann um alles gehen, um Nudelsalat, Horst Seehofer und abgrundtiefen Hass, möglich auch, dass das Ganze im Chaos endet, weswegen auch die Premiere am 29. Februar für alle Besucher kostenlos ist. Und dann ist da noch Martin Walser aus Überlingen und sein Buch „Zimmerschlacht“ (1981), im Untertitel „Übungsstück für ein Ehepaar“. Birgit und Oliver Nolte lesen aus dem Buch im Stil eines Dialogs, schlüpfen schließlich selbst immer mehr in die Rolle eines streitenden Ehepaares. Felix und Trude sind bei einem Freund eingeladen und es sind Banalitäten, die einen Konflikt auslösen, der sich zu einer fundamentalen Ehekrise entwickelt. „Sei endlich einmal ein richtiger Mann“, provoziert Trude ihren Felix, der schließlich von ihr genötigt wird, eine harmlose Maus im Zimmer zu jagen und zu erschlagen, was ihm aber nicht gelingt. „Aus die Maus“ für Felix! Lebenslügen zerplatzen in einem heillosen Showdown, bis sich schließlich beide geschlagen geben und doch gemeinsam zur Party ihres Freundes gehen. Die Premiere ist für Oktober dieses Jahres vorgesehen. Die Noltes haben sich mit ihrem Theater inzwischen weit über die Grenzen Überlingens hinaus einen Namen gemacht, engagiert, packend, provokant und in hohem Maße professionell!

Neuvorstellungen 2016

26. Februar (Premiere/20 Uhr): „Ich möchte am Montag mal Sonntag haben“, im Dialog mit Hildegard Knef (Gesang: Birgit Nolte, Interviewpartner: Oliver Nolte, musikalische Begleitung: Michael Lauenstein)

29. Februar (Premiere/20 Uhr): kostenloser Eintritt, Schauspiel-Jazz. Freie Improvisation (Experiment). Oliver Nolte und Wolfgang Fuhr mit Saxofon

31. März (Premiere/20 Uhr) „Novocento – die Legende vom Ozeanpianisten“ (von Alessandro Baricco) mit Oliver Nolte und Michael Lauenstein am Klavier.

Oktober 2016: (in Vorbereitung) „Zimmerschlacht“ von Martin Walser (Birgit und Oliver Nolte)

Oktober 2016: (in Vorbereitung) „Billie Holiday“ – Lady sings the blues“. Konzertabend mit Birgit Nolte, Michael Lauenstein (Klavier), Wolfgang Fuhr (Saxofon), Sven Götz (Gitarre)

Informationen im Internet: www.noltes.biz

 

Regionale Produkte von Bodensee, Schwarzwald und Hochrhein auf SÜDKURIER Inspirationen. Gleich Newsletter abonnieren und sparen!
Erlesene Bodenseeweine jetzt bei SÜDKURIER Inspirationen!
Korrekturhinweis
Neu aus diesem Ressort
Überlingen
Überlingen
Überlingen
Überlingen
Überlingen
Überlingen
Die besten Themen
Kommentare (0)
    Jetzt kommentieren