Sie hatten keinen leichten Job, die beiden Studentinnen Madeleine Breining und Anke Nitsche von der Hochschule Heilbronn, als sie in Überlingen unter widrigen Bedingungen Stimmen für ihre Umfrage zur „Initiative Kennzeichenliberalisierung“ sammelten. Soll das alte Autokennzeichen „ÜB“ wieder zugelassen werden, wenn es Autofahrer wünschen? Das war die Frage, die Passanten beantworten sollten.
Die Studentinnen selbst halten die Initiative ihres Professors Ralf Borchert für eine „süße Idee“ und eine interessante Facette der touristischen Identifikation und des Marketings. Doch nicht alle Befragten wollen diesem Gedanken folgen. „Ich bin gegen diesen Lokalpatriotismus“, sagt Gerhard Frey, lange Jahre für die Liegenschaften bei der Überlinger Stadtverwaltung verantwortlich. „Wir haben uns doch jetzt seit Jahren bemüht, dass der Kreis zusammenwächst und sehen ihn jetzt mehr und mehr als Einheit. Da kann man doch jetzt nicht anfangen, das wieder auseinander zu reißen.“
Doch darum geht es den Initiatoren nicht. Sie wollen vor allem die Chance, auf bürgerfreundliche Weise und ohne Zwang stärkere Identität zu stiften. Der Überlinger Kurt Splitthof würde gerne ein „ÜB-Schild“ haben und hat eigens seine Frau Barbara losgeschickt um seinen Wunsch zu Protokoll zu geben. „Dann wissen die Leute, woher man kommt“, sagt sie.
Schon beim Anblick des Musterschilds ÜB-HN 123 wurde eine andere Überlingerin ganz gerührt, die ihren Namen allerdings nicht nennen will. „Ich war damals sehr traurig und enttäuscht, als es abgeschafft wurde“, erinnert sie sich noch gut. Gerne wäre sie die Erste mit einem neuen ÜB-Schild.
Gut, ein bisschen lässt der Heilbronner Initiator Ralf Borchert auch diesen Aspekt nicht außer Acht. Doch die, die das Thema vor zwei Jahren auf die Tagesordnung gebracht hatten, können gar nichts daran verdienen. Allenfalls die Landratsämter sind es, die von den Gebühren für Wunschkennzeichen profitieren könnten. Auf diese Einnahmequelle weist Borchert zwar auch explizit hin, doch schon jetzt sind Wunschkennzeichen ganz im Trend und viele Autofahrer sind gerne bereit, die – bundeseinheitliche – Gebühr von 12,80 Euro zu bezahlen, um ihre Initialen, oft kombiniert mit dem Geburtsjahr auf ihrem Fahrzeug zu publizieren. Auch die Renaissance des „ÜB“ soll nur auf freiwilliger Basis erfolgen. Wer will, der könnte seine Heimatstadt in die Welt hinaus transportieren.
