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Überlingen Varroamilbe: Imker zeigt Methoden zur Bekämpfung

Bienenliebhaber und Imker Siggi Wehrle zeigt andere Methoden bei der Bekämpfung der Varroamilbe

Sie ist der Schrecken der Imker: Nur 1,1 Millimeter lang, aber sehr vermehrungsfreudig und hartnäckig, befällt die Varroamilbe Honigbienen und kann ganze Völker vernichten. Vielfältig sind die Methoden, den Parasit loszuwerden – oft mit nur mäßigem Erfolg und nicht artgerecht, sagt Siegfried Wehrle, Vorsitzender des Überlinger Imkervereins. Er stellt die bisherigen Methoden und Empfehlungen, denen er selbst lange gefolgt war, in Frage: „Die Behandlungsmethode wird zum Glaubenskrieg. Wir behaupten, die Misere in den Griff zu bekommen, doch wir behandeln nur die Symptome, nicht die Ursachen, und viele haben für die Biologie der Bienen keinen Blick.“

Da bringt es den Bienenliebhaber auf die Palme, wenn der Bienenschutz-Ausschuss des Landkreises einen Referenten der chemischen Industrie einlädt, der zwei hauseigene Produkte im jährlichen Wechsel zur Bekämpfung der Varroamilbe empfiehlt. Das, obwohl Imkern von der Verwendung des einen schon lange abgeraten werde, da es Resistenzen verursache, der Wirkstoff sich im Wachs anreichere und eventuell auch im Honig. Zudem glaubt Wehrle, dass Rückstände der chemischen Mittel auf Dauer auch im Honig verbleiben. Daraufhin angesprochen habe der Firmen-Vertreter dies verneint. Doch Wehrle erinnerte ihn, dass man das auch über andere Chemikalien gesagt habe, was sich im Nachhinein als falsch erwiesen habe.

Umso mehr freute es ihn, dass der Präsident des Badischen Imkerbunds Ekkehard Hülsmann gegen den Präsidenten Peter Maske von Dachverband Deutscher Imkerbund durchgesetzt hat, dass die Firma die Werbematerialien – Blumensamen mit ihrem und dem Logo des Deutschen Imkerbundes, das Gleichheit im Denken und Handeln suggerieren sollte – vernichten musste.

„Ich bin mit meiner Meinung oft angeeckt, es ist unbequem, aber ich kann nicht anders“, meint der 62-jährige gelernte Landwirt, späterer Krankenpfleger und heutiger Rentner, der gegen eine „chemie-hörige Politik“ kämpft, die keine anderen Wege zulasse. Deshalb gehörte er auch zu den Demonstranten gegen die industrielle Landwirtschaft während der Grünen Woche in Berlin. „Es war bitterkalt, aber die 25 000 Menschen sind zwei Stunden bis vors Kanzleramt gelaufen.“

Er habe nie Politik machen wollen, aber mit dem Vorsitz habe er Verantwortung für die Gemeinschaft übernommen. „Es gibt derzeit keine chemische Lösung zur Bekämpfung der Varroamilbe, die man verantworten kann“, sagt Wehrle und erläutert seinen Weg, den er vom Verhalten der asiatischen Honigbiene „Apis Cerana“ ableitet: Die Königin zieht mit ihrem Volk – monsunbedingt und wegen Dauerregens ohne Futter – aus, die von Milben befallene Brut lässt die Sippschaft zurück und baut anderswo ein neues Volk auf. „80 Prozent der Milben sind in der Brut, nur 20 Prozent im Bienenvolk, deshalb ist die Milbenbelastung im neuen Volk sehr gering. Wenn wir hier bei uns einen Bienenschwarm einfangen, ist das genauso“, so Wehrle. Aufgrund dieses Verhaltens nimmt er im Juli zwei Drittel der Bienen und die Königin von den Brutwaben weg, setzt sie auf frische Waben und bringt die Kästen an einen Standort mit geringer Bienendichte. Besprüht mit 15-prozentiger Milchsäure zur Ausrottung der Milben und mit Bereitstellung hochwertigen Futters in Ermangelung ihrer eigenen Vorräte, könne sich das Bienenvolk gesund entwickeln.

Allerdings sei in hiesiger Region die Bienendichte ein großes Problem, räumt er ein. Trotz Re-Invasion der Milben will er bei diesem Weg „weg vom Gift und von aggressiver Säure, die Tiere quält“ bleiben und die Methode in einem allgemeinen Bienenkurs für angehende Imker vermitteln, der am 21. Februar mit einem unverbindlichen Schnupperabend beginnt. Zudem sieht Wehrle die Notwendigkeit, gemeinsam mit anderen Imkern und Landwirten Plätze mit für die Bienen nahrungsreichen Blühpflanzen und geringer Bienendichte zu erkunden. Um Zusammenhänge zu begreifen, empfiehlt er den derzeit im Überlinger Kino gezeigten Film „More than honey“ – „Mehr als Honig“, der einen Einblick in die faszinierende Welt der Honigbienen und das naturverachtende Verhalten der Menschen gegen diese fantastischen Tiere gibt. Kinobesuchern, die nach dem Film Fragen haben, bietet er nach einer kurzen Meldung unter www.imker-überlingen.de eine Informationsveranstaltung an. „Ich muss die Natur, Pflanzen und Tiere fragen, ob es ihnen gut geht, dann geht es auch uns gut“, sagt Siggi Wehrle abschließend.

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