Mit dem Motorrad von Überlingen nach Kenia fuhr Dennis Schmitt, Erdkunde- und Biologielehrer am Gymnasium Überlingen. Dafür hat er sich ein so genanntes Sabbatjahr genommen. Am kommenden Freitag schildert er in einem Vortrag im Gymnasium seine Reise und Eindrücke.
Seit 2000 unterrichtet Dennis Schmitt am Gymnasium Überlingen. Im Schuljahr 2008/2009 nahm er sich ein Sabbatjahr und fuhr mit dem Motorrad nach Kenia. Fünf Monate war er unterwegs. Er hat eigens dafür den Motorradführerschein erworben und sich zwei bis drei Jahre vorher eine neue Geländemaschine der Marke „Honda Transalp, Reise-Enduro“ gekauft. Denn er wollte für die 15 000 Kilometer, gut 5000 Kilometer auf Schotter und Sand – gut vorbereitet sein. Von Pannen blieb Schmitt in der Tat verschont. Er hatte auch immer genügend Benzin. Bei Knappheit, etwa in Äthiopien, hieß es: „Psst, ich habe zu Hause noch“ – allerdings zum dreifachen Preis gegenüber der Tankstelle. Das war's Dennis Schmitt wert.
Ursprünglich peilte er Indien an, doch im Winter durch Asien? Er disponierte um und wählte Ostafrika, „die Wiege der Menschheit“, als Ziel. Südafrika schien ihm zu weit, was er allerdings heute anders sieht und bereut, dass er nicht weiter gefahren ist.
Aufgebrochen ist Dennis Schmitt mit zwei Gleichgesinnten, die via Internet ihre Absicht kundtaten. Von Überlingen ging's zuerst in Italiens Hafenstadt Genua. Der Landweg nach Israel hätte drei bis vier Wochen in Anspruch genommen, der Seeweg nach Ashdod mit dem Frachtschiff, auf dem zwölf Passagiere inklusive Autos oder Motorräder mitgenommen wurden, nur sechs Tage. Von hier knatterten Dennis Schmitt und seine Bekannten mit ihren Motorrädern über Jordanien, Ägypten, den Sudan und Äthiopien nach Kenia.
Dennis Schmitt hängte eine Rundreise durch Uganda, Ruanda und Tansania an und flog samt Motorrad, für das er vierfach mehr als für sich selbst berappen musste, mit dem Flieger zurück. Die Einreiseformalitäten konnten, bis auf den Sudan, alle vorher geregelt werden. In Kairo erst war absehbar, für welche Zeit das 30-Tage-Visum für den Sudan gelten sollte.
„Spannend und kommunikativ ist die Begegnung mit den Menschen geworden“, sagt Schmitt. Wenn die Biker nach dem Weg gefragt hätten, seien daraus mal zehn Sekunden aber auch mal bis zu zehn Stunden inklusive Einladung zum Mittagessen in einem kleinen Dorf mit 100 Einwohnern geworden. Schmitt: „Aufregend war das absolute Freiheitsgefühl.“ Morgens aufs Motorrad, gefahren bis zur Dämmerung und dann nach einem preiswerten Hotel gefragt. Das hieß auch, dass das Motorrad im Hinterhof oder gar in der Küche sicher stand.
Gefährlich waren zwei Stürze innerhalb einer Stunde auf ganz schlechter Straße in Äthiopien. „Ein schwarzer Tag, es hätte mehr passieren können“, blickt er zurück. Beeindruckt hat ihn die Schönheit der Frauen in Äthiopien, in deren Größe, Schlankheit und hübschem Aussehen in Verbindung mit bunten Kleidern sich arabisch-afrikanische Einflüsse widerspiegeln.
Dennis Schmitt hat viel dazu gelernt und meint, dass Europa oft eine verzerrte Wahrnehmung von Afrika habe. Von zehn Begriffen für Afrika seien neun negativ. „Wer dort war, schwärmt. Ich auch“, sagt Schmitt. Jedes Land sei komplett verschieden vom anderen. Auch innerhalb des betreffenden Landes gebe es Unterschiede, mehr als in den Industrieländern. Das falsche Bild von Afrika könne nur durch eigenes Erleben korrigiert werden.
Ja, er würde diese Reise nochmals antreten, denn er habe weiter gelernt, betont Schmitt. In einem größeren Dorf in Äthiopien trafen er und seine Begleiter mit ihrer Frage nach einem Hotel auf einen Schulleiter, wie sich erst zeigen sollte. Die Übernachtung erfolgte dann auf dem Schulgelände im Zelt. Aus ihm krochen sie heraus, als morgens schon ein großer Teil der 800 Schüler da war, der vor allem die Motorräder bestaunte.
Der Reisevortrag von Dennis Schmit findet am Freitag, 11. Dezember, um 20 Uhr im Gymnasium Überlingen statt. Eintritt frei.