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Überlingen Undurchsichtige Firma sammelt alte Kleider

In Überlingens Straßen sammelte im Dezember eine namentlich nicht näher genannte Firma Altkleider und Schuhe. Die Spenden sind mitnichten für karitative Zwecke bestimmt.

Diese jungen Leute suchen in einem Altkleidercontainer nach Brauchbarem. Sie machen dies, weil sie sich keine neue Kleidung leisten können, also bedürftig im Sinne vieler Spender sind. Doch dienen nicht alle Altkleiderspenden gemeinnützigen Zwecken.
Diese jungen Leute suchen in einem Altkleidercontainer nach Brauchbarem. Sie machen dies, weil sie sich keine neue Kleidung leisten können, also bedürftig im Sinne vieler Spender sind. Doch dienen nicht alle Altkleiderspenden gemeinnützigen Zwecken. | Bild: ArchivBild: Hilser

Ein Rot wie beim Roten Kreuz, auch eine ähnlicher Schrifttyp wie beim DRK: Mit solchen Zetteln warb ein namentlich nicht benanntes Sammelbüro im Dezember in Überlingen um die Abgabe von Altkleidern. Dahinter steckte mitnichten ein karitatives Unternehmen, sondern, wie es im Kleingedruckten hieß, „ein kommerzieller Sammelbüro“. Eine spezielle Genehmigung benötigt die Firma hierfür nicht. Sie muss es nur vermeiden, den Eindruck zu erwecken, als sei sie gemeinnützig oder mildtätig unterwegs. Ob der beschriebene Handzettel diesen Eindruck erweckt, liegt im Auge jedes Betrachters. Wer sich daran stört, kann bei der Polizei bitten, die Sammlung zu untersagen. Wer nur versucht herauszufinden, welche Firma konkret hinter dieser Aktion steckt und was mit den gesammelten Gütern passiert, kommt in diesem Fall nicht weit.

Auf dem Handzettel steht eine Mobilfunk-Nummer. Wer sie wählt, bekommt, sofern er Hartnäckigkeit mitbringt, einen gewissen Herrn K. an den Apparat. Herr K. gibt an, als selbständiger Fahrer und im Auftrag einer in der Gemeinde Pfullingen bei Reutlingen ansässigen Firma die Handzettel auszugeben und die Altkleider einzusammeln. Er wisse nur, wo die Pfullinger Firma ihren Sitz hat, wie der Chef dort heißt und dass die Ware weiter nach Rumänien gehe. Warum Rumänien? „Das“, so Herr K. , „sehe ich an den Autokennzeichen.“ Die Adresse besagter Firma nennt er, auch den Namen des Firmeninhabers, eine Telefon-Nummer habe er aber nicht, weil er ja öfter dort vorbei komme und deshalb nicht telefonieren müsse. Auf die Bitte, dass sich sein Auftraggeber in der SÜDKURIER-Redaktion für Rückfragen melden möge, ist weder von Herrn K., noch von der angeblich in Pfullingen sitzenden Firma etwas zu hören. Die Firma ist dort auch nicht bekannt. Beim Gewerbeamt kenne man sie nicht, heißt es im Rathaus. Fehlanzeige auch bei der zuständigen Stelle des Landratsamtes Reutlingen.

Es ist bekannt und auch nicht verboten, wenn mit den gesammelten Altkleidern Geld gemacht wird. Die guten kommen zurück in den Handel, die schlechten in den Schredder, beziehungsweise in die stoffliche Wiederverwertung. Auf dem im Dezember in Überlingen verteilten Handzettel heißt es: „Ihre Altkleider sind kein Müll, sondern werden für andere Länder sortiert.“ Was auch immer das heißt. Jedenfalls macht das „kommerzielle Sammelbüro“ deutlich, dass es der neue Eigentümer der gesammelten Ware sei, indem es die Spender darum bittet, Diebstahl zu melden. Wer ihn beobachtet, möge sich besagter Handynummer von Herrn K. melden. Egal, ob der Dieb in diesem Fall eine bedürftige Person ist, für die (und das ist die Ironie in diesem Fall) so mancher Spender seine Altkleider eigentlich hergegeben hat.

Altkleidersammlungen des Roten Kreuzes beispielsweise dienen ausschließlich sozial-karitativen Zwecken. Das versichert der Kreisverband Bodensee. Im westlichen Kreis werden gut erhaltene Kleider in der Kleiderkammer Mühlhofen ausgegeben, für 50 Cent pro Stück (mittwochs 9 bis 12 Uhr und 13 bis 16 Uhr). In Friedrichshafen gibt es den DRK-Kleiderladen, in dem Menschen in prekären finanziellen Situationen zu entsprechenden Preisen einkaufen dürfen (Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag von 10 bis 18 Uhr, Samstag von 10 bis 13 Uhr). Aussortierte Kleider und Stoffe werden weiterverkauft. Der Erlös fließt nach Angaben des DRK voll in die sozial-karitative Arbeit des DRK.

Reiner Kommerz

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