Überlingen Umdenken in der Forschung gefordert
28.04.2009
Überlingen – Einen noch stärkeren Akzent auf einer „gentechfreien Landschaft“ als Qualitätsmerkmal einer Region, die sich den Themen Ernährung und Gesundheit besonders verpflicht fühlt, wünschen sich Landwirte, Saatgutzüchter und aktive Mitstreiter. Biobäuerin Anneliese Schmeh vom Hagenweiler Hof korrigierte die Darstellung eines Kollegen, dass die Selbstverpflichtung der Landwirte inzwischen nicht mehr gelte. Zumindest im Gebiet der Stadt Überlingen und ihrer Teilorte hätten die Bauern ein Jahr nach dem Start der Aktion ihre Solidarität ausdrücklich verlängert, ohne zeitliche Befristung. „Nur wer ausdrücklich kündigt, steigt aus“, erklärte Schmeh und dies habe bis heute keiner der Überlinger Landwirte getan.
„Doch wir müssen hier weiter wachsam und aktiv am Ball bleiben“, betonte die Landesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL). Dazu müsse man alle Bauern persönlich ansprechen, sagt Cornelia Wiethaler, die mit ihrem Projektbüro Agravivendi vor fünf Jahren viel Motivationsarbeit geleistet hatte. „Das ist sehr mühsam und kostet viel Zeit“, erklärt Wiethaler, die sich für die aktuelle Aktion noch einmal engagiert hatte, an der Saatgut-Züchter Bertold Heyden vom Salemer Keyserlingk-Institut und Musiker Jens Lachenmayer mitwirkten.
„Die Stadt steht nach wie vor voll dahinter“, gab Bio-Landwirt und LBU-Gemeinderat Martin Hahn vom Helchenhof nach besorgten Stimmen Entwarnung. Das Signal, das mit den Beschlüssen vom März 2004 und März 2008 gegeben worden sei, gelte für die Verwaltung nach wie vor. Oberbürgermeisterin Sabine Becker, die sich wegen eines anderen Termins entschuldigt hatte, habe sich in ihrem Wahlprogramm ausdrücklich zu der „gentechfreien Landschaft“ bekannt, betonte der Landwirt, und der erkrankte Thomas Vogler stehe voll dahinter. So waren zumindest am Samstag die Biobauern und ihre Mitstreiter unter sich.
„Das sind Signale, die wir brauchen“, sagt Züchter Bertold Heyden, der sich auf ökologische Weise an den Qualitätsverbesserungen der Getreidesorten forscht. „Wir bekommen keinerlei öffentliche Gelder, sondern arbeiten nur mit Spenden“, beklagt Heyden die Ungleichheit gegenüber der Gentechnik, die mit riesigen Summen gefördert würden. „Es macht doch keinen Sinn, Milliarden in gentechnische Pflanzen- und Tierzüchtung zu versenken, wenn die Menschen die Produkte nicht wollen“, sagt er und forderte eine neue Ausrichtung der Forschungspolitik. Auch der aktuelle Weltagrarbericht der UNO habe erstmals ausdrücklich deutlich gemacht, dass von einer energieintensiven industrialisierten Landwirtschaft keine Lösung des Hungers zu erwarten sei. Viel mehr Hoffnung setzten die Experten auf die Nachhaltigkeit ökologischer Landwirtschaft.
Wenig Hoffnung dagegen machte Kreisrat Martin Hahn allerdings auf einen vom Kreistag proklamierten und unterstützen gentechfreien Bodenseekreis, wie ihn sich Cornelia Wiethaler wünschte. Am bayerischen Ufer, im Allgäu, in Vorarlberg und in der Schweiz sei man hier schon einen Schritt weiter. Die Absage des Kreises vom Frühjahr 2008, eine internationale gentechnikfreie Region rund um den See zu unterstützen, sagte Hahn jetzt, sei nicht so schnell zu revidieren: „Da hat sich Landrat Wölfle als schwarzer Wolf entpuppt.“
