Überlingen Überlinger Produktionsfirma dreht Video über Asyl, Flucht und Freiheit

Eine kleine Überlinger Produktionsfirma dreht ein Musikvideo zum Thema „Asyl, Flucht und Freiheit“. Bei dem Clip handelt es sich um einen Beitrag für einen internationalen Wettbewerb, bei dem Menschlichkeit statt Politik im Mittelpunkt stehen soll.

Weil die norwegische Gruppe „Røyksopp“ einen internationalen Wettbewerb für ein Musikvideo gestartet hat, sitzen jetzt in Überlingen unterschiedliche Nationen in einem ausgebrannten Bus. Dabei steht statt Politik die Menschlichkeit im Mittelpunkt. „Im Songtext geht es um Asyl und Flucht und Freiheit“ fasst Alexander Bergmann zusammen. „Mathis hat die Ausschreibung im Internet entdeckt und wir beschlossen spontan, da mitzumachen.“ Innerhalb von zwei Wochen war die Handlung der Geschichte entstanden und alles organisiert. „Ich hab meine kleine Filmproduktionsfirma schon länger. Wir sind alle Überlinger und ein eingespieltes Team“, erklärt der 19-Jährige. Zum Team gehören Nicolai Rissmann (Kamera), Phil Nylund (Licht), Benjamin Tomoff (Produktion), Felix Angermaier (Produktion und Technik) und Mathis van Den Berg, der für Regie, Drehbuch und Schauspiel verantwortlich ist und durch Nachhilfestunden die Schauspieler entdeckte.

Das Filmteam und die Darsteller vereint auf dem Gruppenfoto
Das Filmteam und die Darsteller vereint auf dem Gruppenfoto | Bild: privat

Gibbi und Mbye Sillah, Jammeh Ousmann und Lamin Travally sind Asylbewerber aus Gambia. „Sie waren sehr offen, sehr interessiert“ freut sich Bergmann. Deutsch und englisch und kreativ und spontan wurde einige Tage lang gedreht. Dabei ging es nicht ohne eine Kamera für Spezialeffekte, ohne den Respekt für die Einhaltung der Gebetszeiten und ohne eine Drehgenehmigung des Landratsamtes. „Die Situation in der Ottomühle wollten wir nicht ausklammern“, erklärt der Überlinger. „Diese Problematik beschäftigt mich schon lange, vielleicht werde ich mit dem Thema auch weitermachen.“

Der Videoclip zeigt eine Mischung aus Alltag und Integration. „Die Situation in der Ottomühle wollten wir nicht ausklammern“, so Alexander Bergmann.
Der Videoclip zeigt eine Mischung aus Alltag und Integration. „Die Situation in der Ottomühle wollten wir nicht ausklammern“, so Alexander Bergmann. | Bild: privat

Die Chance auf die Siegerprämie teilt sich das Team mit vielen Mitbewerbern – die Chance der menschlichen Bereicherung gehört ihnen alleine. „Die Jungs sind in unserem Alter, haben aber einen komplett anderen Lebensweg. Was man aus dem Fernsehen kennt, ist plötzlich ganz nah. Unser Hauptdarsteller, der Gibbi, ist vor einem Jahr mit einem dieser Boote gekommen, hat den Cousin verloren, die Schwester ist noch in Lampedusa. Das berührt einen, solche Erfahrungen, sind uns fremd.“ Eine Überlinger Nachtszene wurde mit Jugendlichen aus der Waldorfschule gedreht, man wird im Film auch den Burgberg und Deisendorf erkennen. „Wir haben auch in einem ausgebrannten Bus beim Schrottplatz gedreht, da hatten wir zufällig etwas Pyrotechnik dabei, das ist dann eine echt surreale Szene geworden.“ Weil das Lied „Running to the Sea“ heißt, gibt es auch eine Seeszene in Sipplingen. Dort tat sich eine völlig neue Erlebniswelt auf, weil sich Gibbi vor dem Wasser fürchtete. „Gibt es da wirklich keine Krokodile drin?“, versicherte er sich ein ums andere mal und erzählte, dass er als Kind erlebte, wie neben ihm ein Jugendlicher vom Krokodil gefressen wurde. „Das hat ihn nie losgelassen – und schwimmen kann er auch nicht“ berichtet Bergmann und man spürt, wie ihm das zusetzt.


Der Videoclip wird momentan geschnitten und zeigt eine Mischung aus Alltag und Integration, Glücksmomenten und Erinnerungen. Der Gewinn ist unsicher und beinah ein wenig nebensächlich. „Das Wichtigste ist, dass wir gemeinsam etwas gemacht haben“, sagt Alexander Bergmanns, der eine ereignisreiche und emotionale Zeit resümiert.

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