Überlingen Überlinger Filmteam holt Jugendfilmpreis für bestes Musikvideo

Im Frühsommer drehte ein Team junger Überlinger in Überlingen einen Film mit fünf jungen Bewohnern der Asylbewerberunterkunft Ottomühle. Jetzt wurde der Beitrag mit dem Jugendfilmpreis für das beste Musikvideo bei der Filmschau Baden-Württemberg ausgezeichnet.

Alexander Bergmann ist einer der jungen Überlinger, die in Überlingen einen Film mit fünf Bewohnern der Ottomühle drehten. Der Film wurde mit dem Jugendfilmpreis für das beste Musikvideo bei der Filmschau Baden-Württemberg ausgezeichnet.

Zuerst natürlich herzlichen Glückwunsch zu diesem neuerlichen Erfolg – und dann die Frage nach dem Anlass und der Entstehung?

Das war im Rahmen eines Internationalen Wettbewerbs der norwegischen Band Royksopp zu ihrem Song „Running to the Sea“. Die Lyrics haben Mathis Van Den Berg und mich inspiriert, das Drehbuch zu schreiben. Nach zwei Wochen Vorbereitung haben wir im Juni drei Tage lang an Locations in Überlingen gedreht.

Wer rennt an den See? Ein Jogger?

Nein, es geht um Menschen, die zu uns nach Deutschland kommen, um die aktuellen Geschehnisse der Flucht und Vertreibung der Menschen. Der Film konzentriert sich auf die menschliche Seite und die Situation des Wartens und der Aufarbeitung des Erlebten, denn Politik versagt. Das sehen wir nicht nur in unserem Land, sondern schon seit langen Jahren auch auf internationaler Ebene. Wir hätten nicht gedacht, dass diese Katastrophe seit September solche Ausmaße annehmen würde.

Hatten Sie viele Mitbewerber?

Wir sind unter die ersten zehn Videos von 250 gekommen. Wir haben von der Nominierung durch das Filmbüro Baden- Württemberg erfahren und waren natürlich sehr froh, wieder mit dabei zu sein.

In welchem Rahmen fand die Preisverleihung statt?

Der Jugendfilmpreis ist sozusagen ein Festival im Festival. Er findet gleichzeitig mit der Filmschau Baden-Württemberg statt. Es war gerade für die Jungs aus Gambia ein tolles Erlebnis, nicht nur bei dem Festival mit dabei zu sein, sondern auch noch ausgezeichnet zu werden. Es gab auch noch andere Filme zur Flüchtlingskrise.

Was hat die Jury überzeugt?

Es wurde unter anderem die elegischen Zeitaufnahmen, die klug montierten Aufnahmen und die stimmungsvolle Einheit gelobt.

Blieb bei der Verleihung auch Zeit für Begegnungen?

Nach den Filmen gab es intensive Gespräche zwischen einer Gruppe von Jungs aus Syrien, die jetzt in Freiburg leben, und unserem Team. Auch wenn das Deutsch der Beteiligten nicht immer perfekt war, merkten wir, wie wichtig nicht nur der Dialog zwischen den Flüchtlingen und unserer Gesellschaft, sondern auch der Dialog unter ihnen selbst ist. Denn jeder Einzelne hat eine eigene Geschichte zu erzählen.

Wie haben Ihre Darsteller auf so viel Aufmerksamkeit reagiert?

Natürlich haben sie sich auch sehr über den Preis gefreut, aber sie waren erst sehr zurückhaltend und wollten nicht mit auf die Bühne. Ich konnte sie doch überreden und dann sprachen sie sogar einige Worte ins Mikro, um sich zu bedanken. Sozusagen von der roten Erde Gambias auf den roten Teppich in Stuttgart!

Wie schnell kehrte wieder der Alltag ein und wie sieht der aus?

Benni und ich fuhren in der Nacht wieder nach München zu unserem Studium und Gibbi und Lamin wieder nach Überlingen. Sie haben am nächsten Tag Schule gehabt. Eine dauerhafte Aufenthaltserlaubnis haben die beiden noch nicht. Lamin hat schon eine eigene Wohnung. Unserer Hauptdarsteller Gibbi ist noch auf der Suche und wird sicherlich dankbar für jeden Tipp sein. Immerhin ist er jetzt sogar Filmpreisträger! Die beiden wollen eine Ausbildung nach der Schule machen.

Nach dem Film ist vor dem Film, oder?

Wir werden den Film weiterhin auf Festivals einreichen – und schon im Januar den nächsten Kurzfilm an der Seepromenade in Überlingen drehen.

Fragen: Angela Körner-Armbruster

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