Der Tod der 66-jährigen Schwimmerin, die am Samstagmorgen im Bodensee vor Überlingen in einem Fischernetz hängen geblieben war und ertrank, ist nach derzeitigem Ermittlungsstand der Polizei ein tragischer Unfall. „Es gibt im Moment keinen Anhaltspunkt dafür, der dafür spricht, dass der Berufsfischer oder möglicherweise die Schwimmerin einen Fehler gemacht hat“, sagt Markus Sauter, Pressesprecher der Polizeidirektion Friedrichshafen. Das sei aber noch keine abschließende Einschätzung. „Derzeit wird geprüft, ob möglicherweise von irgendeiner Seite gegen geltendes Recht verstoßen wurde.“ Die Ermittlungen der Wasserschutzpolizei würden erst in einigen Tagen abgeschlossen sein.
Die Überlingerin war am Samstagmorgen gegen 6.45 Uhr im „Unteren Stadtgarten“ zum Schwimmen gegangen. Dieser frei zugängliche Uferbereich, der sich direkt in Richtung Stadtmitte an das Überlinger Westbad und die Bodenseetherme anschließt, wird von alten Bäumen beschattet und ist eine beliebte inoffizielle Liegewiese. Von hier aus schwamm die Frau in den Überlinger See hinaus und verfing sich etwa 35 Meter vom Ufer entfernt in dem Fischernetz. Das rund 85 Meter lange Netz hängt an beiden Enden an Schwimmkörpern. Direkt an diesen Kanistern läuft es nur eine Hand breit unter Wasser, weiter weg hängt es rund dreieinhalb Meter tief unter der Wasseroberfläche. Auf Anordnung der Ermittler durfte der Fischer das Netz nicht entfernen und es wurde laut Polizei gestern noch genau vermessen. „Fakt ist aber“, sagt Polizeisprecher Sauter weiter, „dass der Fischer sein Netz in diesem Bereich ausbringen durfte.“
Fakt sei aber auch, dass dort der Zugang zum Bodensee gestattet sei. Inwieweit die Frau hätte erkennen müssen, dass sich zwischen diesen Schwimmkörpern, die ja an der Wasseroberfläche zu sehen seien, ein Fischernetz befindet, sei offen. Auch diese Frage hofft die Wasserschutzpolizei durch die Aussagen der Zeugen, die den Vorfall beobachtet haben, klären zu können.
Möglicherweise werde man sich nach diesem Umglück Gedanken darüber machen, ob man neue Regelungen schafft, die solche tragischen Unfälle in der Zukunft verhindern, erklärt Polizeisprecher Wolfgang Hoffmann und verweist auf die vielfältige – konkurrierende – Nutzung des Bodensees: „Den See nutzen viele: Fischer, Badegäste, Wassersportler. Da kommt es schon einmal zu Konflikten.“ Der Polizei sei aber kein Unfall mit Netz bekannt.
Polizeisprecher Hoffmann bestätigte die Informationen des SÜDKURIER, dass eine Überlingerin am 4. August bei der Wasserschutzpolizei angerufen und auf die Gefahr durch ein Netz im Uferbereich vor den Überlinger Tennisplätzen am See hingewiesen hatte. Die Wasserschutzpolizei habe diesen Fall in rechtlicher Hinsicht geprüft und ihn ans Landratsamt Friedrichshafen weitergeleitet. „Weil die Kollegen erkannt hatten, dass hier tatsächlich irgendwann einmal eine Gefahrensituation entstehen könnte – dass das so schnell passiert, damit hat keiner gerechnet.“
„Das ist mehr als traurig, was passiert ist, das ist sehr tragisch,“ sagt Andreas Knoblauch (Uhdlingen-Mühlhofen), Vorsitzender des Verbandes Badischer Berufsfischer am Bodensee, und verweist zu Rechtsfragen an den zuständigen Fischereiaufseher. Matthias Bopp (Meersburg) spricht ebenfalls von einem „sehr tragischen Fall“ und verweist seinerseits auf das laufende Verfahren und auf die „offizielle Order“ des Regierungspräsidiums, das ihm öffentliche Stellungnahmen untersagt habe. (mba)
Sie können mir das nun glauben oder nicht, aber ja ich hätte ... mehr ...