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Überlingen Theaterstück in der virtuellen Welt

23.04.2009


Simeon Blaesi, Kulturmacher aus Überlingen, wagt ein spannendes Experiment: Er inszeniert ein Theaterstück im Internet, im so genannten Second Life. Am 10. Mai wird die Szene „Dirne Soldat“ aus Arthur Schnitzlers „Reigen“ im Internet (www.second-life-theater.com) zu sehen sein. Der Besucher bekommt beim Einloggen eine Figur zur Verfügung gestellt, die er über die Computertastatur in den Theatersaal gehen, einen Platz auswählen und das Stück anschauen lässt.

Herr Blaesi, wie kamen Sie auf die Idee, Theater in der virtuellen Welt zu inszenieren?

Ein Freund von mir, Frank Gaugel, arbeitet mit virtuellen Welten und hat mir immer wieder von den faszinierenden Möglichkeiten erzählt. Er meinte, man könne dort sicher auch Theater machen und ich solle es doch einmal versuchen. Wir haben das Projekt dann gemeinsam umgesetzt.

Funktioniert das? Schließlich haben die Schauspieler ja keine „echten” Emotionen. Fehlt beim Spiel der Figuren nicht der Ausdruck des Schauspielers?

Ja, das funktioniert. Die echten Emotionen des Schauspielers sind für den Zuschauer ohnehin unwichtig. Der Schauspieler soll die Emotionen ja spielen, nicht selbst empfinden.

Wie wird der Zuschauer das Theater erleben? Tatsächlich als Theater oder doch eher als Kino? Schließlich fehlt das Gefühl, in einem Raum zu sitzen, die Theaterluft zu schnuppern und die Reaktionen der anderen Theaterbesucher zu sehen?

Ich glaube, das Theatererlebnis in Second Life ist dem physischen viel näher als dem Kinoerlebnis. Man begibt sich ja als Figur in den Raum, sucht sich einen Sitzplatz, kann die anderen Besucher beobachten, treffen, sich mit ihnen unterhalten, ihre Reaktionen sehen wie im physischen Theater. Und mit viel Vorstellungskraft kann man die Theaterluft schnuppern.

Wie genau kann man die Figur, die man beim Einloggen bekommt, im Netz bewegen?

Die virtuelle Figur bekommt man wenn man einloggt und man steuert sie mit der Tastatur. Hier ist allerdings ein Anmeldevorgang nötig und für diesen sollte man sich Zeit nehmen, wenn man noch keine Figur im Second Life hat. Man bekommt einen Körper, muss sich einen Namen ausdenken, das Aussehen bestimmen, das Geschlecht wählen. Und dann lernt man, sich zu bewegen.

Kostet das Theater im Second Life eigentlich Eintritt?

Der Eintritt ist frei. Die Premiere wird vermutlich ziemlich voll: Wir haben schon einige reservierte Sitzplätze.

Weshalb haben Sie sich ausgerechnet für Schnitzlers „Reigen“ entschieden?

Die Handlung hat Pep, das Stück ist bekannt, es ist kurz und griffig, hat nur zwei Personen pro Szene und ist daher vom Aufwand überschaubar.

Fragen: Eva-Maria Bast

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