Simeon Blaesi, Kulturmacher aus Überlingen, wagt ein spannendes Experiment: Er inszeniert ein Theaterstück im Internet, im so genannten Second Life. Am 10. Mai wird die Szene „Dirne Soldat“ aus Arthur Schnitzlers „Reigen“ im Internet (www.second-life-theater.com) zu sehen sein. Der Besucher bekommt beim Einloggen eine Figur zur Verfügung gestellt, die er über die Computertastatur in den Theatersaal gehen, einen Platz auswählen und das Stück anschauen lässt.
Herr Blaesi, wie kamen Sie auf die Idee, Theater in der virtuellen Welt zu inszenieren?
Ein Freund von mir, Frank Gaugel, arbeitet mit virtuellen Welten und hat mir immer wieder von den faszinierenden Möglichkeiten erzählt. Er meinte, man könne dort sicher auch Theater machen und ich solle es doch einmal versuchen. Wir haben das Projekt dann gemeinsam umgesetzt.
Funktioniert das? Schließlich haben die Schauspieler ja keine „echten” Emotionen. Fehlt beim Spiel der Figuren nicht der Ausdruck des Schauspielers?
Ja, das funktioniert. Die echten Emotionen des Schauspielers sind für den Zuschauer ohnehin unwichtig. Der Schauspieler soll die Emotionen ja spielen, nicht selbst empfinden.
Wie wird der Zuschauer das Theater erleben? Tatsächlich als Theater oder doch eher als Kino? Schließlich fehlt das Gefühl, in einem Raum zu sitzen, die Theaterluft zu schnuppern und die Reaktionen der anderen Theaterbesucher zu sehen?
